Standpunkte 2003
SBV will Zukunft für Bauern
Standpunkt vom 22. Januar 2003
Die erstmalige Veröffentlichung eines eigenen Situationsberichts und entsprechender Schlussfolgerungen durch den Schweizerischen Bauernverband (SBV) löste viele Reaktionen aus. Das war uns von vornherein klar. Es ist mir als Präsident des SBV wichtig, auf die Vorwürfe, die neben zahlreichen positiven Reaktionen auch kamen, einzugehen.
Mit seinem Bericht nimmt der SBV eine vertiefte eigene Lagebeurteilung der Landwirtschaft vor. Er muss sich für einmal nicht auf die "offiziellen" Einschätzungen aus Bundesbern reagieren. Im Bericht wird die wirtschaftliche, soziale und gemeinwirtschaftliche Nachhaltigkeit der Landwirtschaftsbetriebe in einer feinen Aufgliederung nach Betriebstypen, Betriebsgrössen und Regionen untersucht. So wird der Bericht, soweit es die Zahlengrundlage zulässt, der Vielfalt der Betriebsformen gerecht. Landesweite Durchschnittsgrössen sagen wenig über die tatsächliche Situation der Einzelbetriebe aus. Der Bericht sei jeder an der Landwirtschaft interessierten Person zur Lektüre empfohlen.
Anlässlich der Medienanlässe zur Veröffentlichung des Berichts ging es uns darum, die wichtigsten Ergebnisse zusammenzufassen und die Konsequenzen für die Landwirtschaftsbetriebe, die Agrarpolitik und die Arbeit des SBV aufzuzeigen. Der SBV kann die Augen nicht vor den Problemen verschliessen, mit denen die Schweizer Landwirtschaft zu kämpfen hat. Es gibt nun einmal Betriebe mit einer besonders alarmierenden Einkommens- und Renditesituation. Wer bestehende Probleme erkennt und diese einfach ausblendet oder nicht anspricht, handelt in unverantwortlicher Weise. Der SBV will sich nicht genau das dereinst vorwerfen lassen müssen.
Das grosse und differenzierte Echo in Medien und Öffentlichkeit gab unserem Vorgehen recht. Letztendlich gibt dem SBV nun auch die innerlandwirtschaftlich ausgelöste Debatte recht. Unser Ziel, die Situation der Landwirtschaft offensiv zu thematisieren und auch mögliche Zukunftsperspektiven aufzuzeigen, wurde erreicht. Der SBV wies auf vier mögliche Handlungsachsen hin. Betriebsvergrösserungen, wenn auch manchmal nur schwer durchzuführen, können in gewissen Fällen die Situation günstig beeinflussen. Verstärkte Erwerbskombinationen sind ein anderer Lösungsansatz. In strukturschwachen Gebieten ist auch die öffentliche Hand mit umfassender regionaler Förderungspolitik gefragt, um das wirtschaftliche und gesellschaftliche Gefüge und so auch die Landwirtschaft zu erhalten. Wo eine Betriebsaufgabe unausweichlich wird, dürfen die Menschen nicht vergessen gehen. Die Forderung des SBV nach sozialen Begleitmassnahmen, u.a. einer Betriebsaufgabeentschädigung, zielt darauf hin, in solchen Fällen ein Auffangnetz bereit zu stellen. Der SBV will in keiner Art und Weise Angst machen oder die Kapitulation der Schweizer Landwirtschaft vor dem wirtschaftlichen Druck verkünden. Im Gegenteil, wir wollen dazu ermutigen, die Situation mit offenen Augen zu beurteilen und konstruktive Lösungsansätze zu suchen. Mir ist auch klar bewusst, dass viele Bauernfamilien einer sehr hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt sind.
Es ist die Aufgabe des SBV, sich ein für eine unternehmerische, produktive, qualitätsorientierte und langfristig überlebensfähige einheimische Landwirtschaft einzusetzen. Niemand hat den Bauernfamilien in der Schweiz vorzuschreiben, wie im Einzelfall eine erfolgreiche Strategie ausgestaltet sein muss oder welche Betriebe eine Zukunft haben, auch nicht der SBV. Es wurde daher auch nicht gesagt, dass Betriebe verschwinden müssen, wie dies in verschiedenen Leserbriefen und Kommentaren erwähnt wird. Wir haben auch stets betont, dass innerhalb der Zukunftsstrategien des SBV neben Haupterwerbsbetrieben auch Betriebe mit Erwerbskombinationen Platz haben und Zusatzeinkommen für alle Betriebe erwünscht sind. Was wir nicht gerne sehen, ist die Rücknahme von Land durch Personen, die ausserhalb der Landwirtschaft ein volles Einkommen haben.
Ich wünsche mir, dass der Situationsbericht des SBV dazu beiträgt, sachlich aufzuzeigen, wie es um die Schweizer Landwirtschaft steht und wie die Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden können.
Hansjörg Walter, Präsident SBV


