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Standpunkte 2004

Unnötige Belastungsprobe des Verhältnisses Landwirtschaft und Gewerbe

Standpunkt vom 24. April 2004

Ende März gelangte der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) an die Öffentlichkeit, um eine Offensive zur Besserstellung der gewerblichen Lebensmittelwirtschaft zu starten. Es wurden drei entsprechende parlamentarische Vorstösse angekündigt. Das ist alles gut und schön, ist doch die gewerbliche Lebensmittelwirtschaft ein wichtiger Partner der Schweizer Landwirtschaft. Umso weniger können wir beim Schweizerischen Bauernverband (SBV) nachvollziehen, warum diese Profilierung ausgerechnet auf Kosten der Landwirtschaft geschehen soll. Die Lebensmittelwirtschaft beklagt sich bitter darüber, gegenüber der Landwirtschaft nicht über gleich lange Spiesse zu verfügen. Gleichzeitig wird der Landwirtschaft vorgerechnet, um wie viel wichtiger die gewerbliche Lebensmittelwirtschaft aus volkswirtschaftlicher Sicht doch sei. Und die allzu unternehmerischen Bauern würden erst noch versuchen, mit der selber ausgeführten Veredelung ihrer Rohprodukte beziehungsweise mit der Erschliessung neuer Aktivitäten in landwirtschaftsnahen Gewerbezweigen Zusatzeinkommen zu erzielen. Und das natürlich alles zu Lasten der Gewerbetreibenden.

Ob all des Wehklagens von Gewerbeseite wird übersehen, dass Landwirtschaft und Gewerbe grundsätzlich im gleichen Boot sitzen und wichtige Partner sind. Wenn schon den Gewerbetreibenden so zugesetzt wird, dann sicher nicht von innovativen Landwirten, die sich neue Nebenerwerbszweige erschliessen, sondern von den gleichen Kräften, die auch der Landwirtschaft zusetzen, nämlich der zunehmenden Marktmacht der grossen Lebensmittelverarbeiter und -detaillisten sowie dem generell immer stärkeren internationalen Konkurrenzdruck. Dass jetzt ausgerechnet aus Gewerbekreisen eine Abschaffung der Zollkontingente gefordert wird, ist umso schwerer nachzuvollziehen. Nota bene soll dieser Vorstoss vom gleichen Ständerat eingebracht werden, der vor nicht langer Zeit noch wie ein Löwe für die Beibehaltung des bisherigen Fleischimportsystems kämpfte und so die lukrativen Renten der Fleischimporteure retten wollte. Jetzt, wo in diesem Bereich mit der Versteigerung mehr Transparenz geschaffen wurde, kann man in Rolf Büttikers Logik die Zollkontingente gerade ganz abschaffen.

Der SBV hat umgehend mit dem SGV Kontakt aufgenommen und vereinbart, dass diese Angelegenheit zwischen den beiden Organisationen ausdiskutiert wird. Der SBV hätte es auch begrüsst, wenn er vom SGV vorgängig informiert worden wäre. So wird das gute Einvernehmen zwischen den beiden Organisationen einer unnötigen Belastungsprobe ausgesetzt.

Jacques Bourgeois, Direktor Schweizerischer Bauernverband
Hansjörg Walter, Präsident Schweizerischer Bauernverband

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