Standpunkte 2007
Positive Marktentwicklung nutzen
Standpunkt vom 17. Oktober 2007
Endlich geht es auf den Agrarmärkten wieder aufwärts! Dies nachdem sich die Preise in den letzten 15 Jahren stetig gegen unten entwickelt haben. Die Trendwende hat mehrere Gründe: Der wichtigste ist wohl der, dass die Produktion von landwirtschaftlichen Rohstoffen nicht mit dem Bevölkerungswachstum mitgehalten hat. Zudem steigt in den Schwellenländern der Konsum von veredelten Rohstoffen wie Fleisch und Milch. Nicht zuletzt fliesst ein wachsender Teil der Ernte in die Produktion von Bioenergie. Weizen beispielsweise, ist heute ein knappes Gut und so hat sich sein Weltmarktpreis in den vergangenen zwei Jahren auf rund 40 Franken je 100 kg verdoppelt.
Besonders erfreulich sind die Entwicklungen auf dem Milchmarkt. Die Preise für Milch steigen sowohl auf dem Weltmarkt wie in der EU. In Österreich oder in Norddeutschland werden unterdessen bis 70 Rp. je kg Milch bezahlt. Auch in der Schweiz kam es zu ersten Milchpreiserhöhungen, weitere sind in Aussicht gestellt. Der SBV unterstützt die Bestrebungen zu einer Erhöhung der Produzentenpreise in seinen Gesprächen mit den Handelspartnern. Denn nur mit höheren Produzentenpreisen kann die Kluft zwischen den Einkommen in der Landwirtschaft und jenen in der übrigen Wirtschaft verkleinert werden. Wir müssen die Gelegenheit aber auch nutzen, um unsere Konkurrenzfähigkeit zu verbessern und neue Märkte im Ausland zu erschliessen.
Die Konsumenten auf der anderen Seite sollten wissen, dass die Preissteigerungen bei den Agrarprodukten sich nur minimal auf die Konsumentenpreise auswirken. Steigen beispielsweise die Weizenpreise um 10 Prozent, dann verteuert dies das "Pfünderli" Ruchbrot im Laden nur um rund 2 Rp. Eine Erhöhung der Milchpreise um 6 Rappen pro Liter kostet den durchschnittlichen Konsumenten pro Jahr soviel wie zwei Tassen Kaffee im Restaurant.
In der Politik auf der anderen Seite gilt es dafür zu kämpfen, dass diese infolge der steigenden Preise nicht die vorgesehenen Finanzmittel für die Landwirtschaft zusammenstreicht. Das wäre in Anbetracht der aktuellen Einkommenslage in der Landwirtschaft absolut nicht gerechtfertigt. Zudem sind Direktzahlungen eine Abgeltung für die erbrachten Leistungen der Landwirtschaft zu Gunsten der Öffentlichkeit.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen auf den internationalen Märkten muss man sich auch fragen, inwieweit die auf Extensivierung der Produktion ausgerichtete Schweizer Agrarpolitik noch richtig ist. Die EU beispielsweise hat bereits auf die problematische Situation auf den Agrarmärkten reagiert. Sie hat entschieden, dass im nächsten Anbaujahr stillgelegte Ackerflächen wieder für die Getreideproduktion verwendet werden dürfen.
Experten gehen davon aus, dass es sich bei den aktuellen Marktentwicklungen nicht um ein kurzfristiges Phänomen handelt. Sicherlich werden die Preise nach den Spielregeln von Angebot und Nachfrage auch wieder sinken. Sie dürften sich aber auf einem höheren Niveau als bisher stabilisieren. Nach Jahren der Opfer ist das nicht mehr als Recht! Es liegt nun an uns, diese positiven Aussichten zur Stärkung der Schweizer Landwirtschaft zu nutzen. Der SBV wird alles in seiner Macht stehende dafür tun!
Jacques Bourgeois, Direktor SBV


