Standpunkte 2007
Legen wir uns nicht selber Steine in den Weg
Standpunkt vom 20. Juli 2007
Unserer Bauernbetriebe sind in der Regel wenig zentral, häufig sogar sehr abgeschieden gelegen. Die dezentrale Lage hat Folgen: Sie macht viele Landwirte von Strassentransporten abhängig. Da gibt es Tiertransporte, das Abholen von Milch und Ackerprodukten oder Lieferung von Futtermitteln und Düngern. Für den Schweizerischen Bauernverband ist es sinnvoll, schwere Güter über längere Distanzen wo immer möglich per Bahn zu transportieren. Doch man muss auch die Grenzen der Bahntransporte sehen. Kommt dazu, dass im ländlichen Raum diverse Verladestationen der Bahnen, zum Beispiel für Zuckerrüben, geschlossen wurden.
Das ursprüngliche Ziel der LSVA war die weitgehende Verlagerung des alpenquerenden Transitverkehrs von der Strasse auf die Bahn. Dass dieses Ziel noch nicht wie angestrebt erreicht wurde, liegt nicht an den zu tiefen Schwerverkehrsabgaben, sondern an der Kapazität und dem Service des Güterverkehrs. Entsprechend müssen auch die Massnahmen angesetzt werden. Es ist zu einfach, einfach den Transport generell zu verteuern.
Unsere Bauernfamilien befinden sich in einem schwierigen Umfeld. Sie produzieren in einem teuren Land und müssen sich mit ihren qualitativ hochwertigen Lebensmitteln immer mehr gegen billigst produzierte Konkurrenzprodukte aus aller Welt behaupten. Die Produzentenpreise sind in den vergangenen 15 Jahren um 25 Prozent gesunken, während die Produkte im Laden in der gleichen Zeit um 15 Prozent teurer wurden. Die Bauern selber müssen unterdessen für ihre Produktionsmittel sogar fast ein Drittel mehr bezahlen. Weitere Mehrkosten, die sich nochmals negativ auf die Einkommen der Landwirte sind für diese schlicht nicht tragbar.
Ich halte es für richtig, dass der Transport von Gütern einen Preis hat, der unsinniges Hin- und Herfahren verhindert und Importe aus fernen Ländern in vernünftige Bahnen lenkt. Aber es macht absolut keinen Sinn, wenn wir uns selber Steine in den Weg legen und unsere Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum Ausland wissentlich schwächen. Der internationale Alleingang ist der falsche Weg. Die Rand- und Bergregionen, die Bauernfamilien und die Konsumentinnen und Konsumenten, die noch tiefer in ihr Portemonnaie greifen müssten, wären die Leidtragenden.
Jacques Bourgeois, Direktor Schweiz. Bauernverband


