Standpunkte 2007
Gedanken zum Jahreswechsel
Standpunkt vom 21. Dezember 2007
Was für ein Jahr liegt hinter uns! Vor zwölf Monaten sprachen wir an dieser Stelle noch von einem Wechselbad der Gefühle. Heute schauen wir auf eine fast rundum positive Zeit zurück. Dies in vielerlei Hinsicht.
Auf der einen Seite ist es uns mit vereinten Kräften und geschlossenem Auftreten gelungen, das vom Bundesrat vorgelegte Reformpaket der AP 2011 in der Beratung im Parlament in wesentlichen Punkten zu verbessern. Unterdessen ist auch das erste Verordnungspaket unter Fach und Dach. Die ersten Änderungen treten bereits auf das neue Jahr in Kraft. Obwohl die AP 2011 nach wie vor eine Reform ist und entscheidende Veränderungen mit sich bringt: Wir sind überzeugt, dass die Schweizer Landwirtschaft sie in dieser Form meistern kann. Besonders freut uns, dass mit der Zulassung der Parallelimporte im Landwirtschaftsgesetz auch ein Zeichen für den Willen zur Kostensenkung gesetzt wurde. Es geht nicht an, dass der Bundesrat strammen Schritts auf ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU zumarschiert, aber wenig unternimmt, um die hohen Produktionskosten zu senken.
In den nächsten Wochen dürfte der Entscheid fallen, ob die Gespräche für ein solches Abkommen aufgenommen werden. Unsere Berechnungen zeigen, dass sich das landwirtschaftliche Einkommen damit praktisch halbieren würde. Auch die im nächsten Jahr wohl etwas höheren Erlöse der Landwirtschaft dank den gestiegenen Rohstoffpreisen ändern daran nichts. Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Jeder, der in der letzten Zeit im nahen Ausland war, wird festgestellt haben, dass die vermeintlich hohen Lebensmittelpreise der Schweiz der Vergangenheit angehören. Unsicher ist auch, dass die Weltmarktpreise sich auf diesem hohen Niveau halten. Im Moment fehlt zudem der Druck von Seiten der WTO. Nachdem sich die verschiedenen Interessengruppen nicht wie geplant bis Ende 2007gefunden haben, wird sich hier in der nächsten Zeit nicht viel bewegen.
Die Situation der Landwirtschaft hat sich im letzten Jahr weltweit verändert. Verschiedene Faktoren wie die wachsende Bevölkerung, der verstärkte Konsum von tierischen Produkten in Schwellenländern, die Konkurrenz der Biotreibstoffe sowie klimatisch bedingte Produktionseinbussen haben dazu geführt, dass die Nachfrage das Angebot überstieg. In der Folge zogen die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe auf dem Weltmarkt an. Diese Entwicklung setzte dem ewigen Druck nach günstigeren Lebensmitteln ein Ende. Die letzten Jahre haben uns verwöhnt. Mit der neuesten Entwicklung wurde aber auch den Menschen in den Industrieländern wieder bewusst, dass genügend und gesundes Essen keine Selbstverständlichkeit ist!
Der Bauernstand gewinnt damit wieder an Bedeutung und es eröffnen sich neue Perspektiven, auf der ganzen Welt, aber auch in der Schweiz. In den letzten Jahren hat die nationale Agrarpolitik die Extensivierung der Landwirtschaft gefördert. In der Überflussgesellschaft wurde die Produktion immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Es ist nicht so, dass der reichen Schweiz eine Hungersnot bevorsteht. Wir werden es uns vor allen anderen auf dieser Welt leisten können, unsere Lebensmittel irgendwoher kommen zu lassen. Wir geben aber damit die Eigenversorgung und die freie Entscheidung über den Inhalt unserer Teller aus der Hand. Es macht keinen Sinn, uns von der Versorgung aus dem Ausland noch abhängiger zu machen!
Frohen Mutes, dass unsere Gedanken bis in die Ämter und Regierungen gehört und geteilt werden, wünschen wir allen einen guten Rutsch und im neuen Jahr viel Freude, Erfolg, Glück und Gesundheit!
Hansjörg Walter, Präsident Schweizerischer Bauernverband
Jacques Bourgeois, Direktor Schweizerischer Bauernverband



