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Standpunkte 2008

Agrotourismus im Aufbruch

Standpunkt vom 31. Oktober 2008

Agrotourismus hat in der Schweiz noch viel ungenütztes Potenzial. Gesucht sind nicht nur Gäste, die die Angebote nutzen, sondern auch Anbieter. Mehrere Studien befassen sich mit den Schwierigkeiten des Agrotourismus in der Schweiz. Für Aufsehen gesorgt hat kürzlich die Studie der Arbeitsgemeinschaft für Berggebiete (SAB) «Der Agrotourismus in der Schweiz», die von den Westschweizer Bauernverbänden Agora in Auftrag gegeben wurde. Diese zeigt auf, warum der Schweizer Agrotourimus noch nicht da ist, wo er sein könnte. Zum einen sind die Angebote oft uneinheitlich und kaum bekannt und die Strukturen zu undurchsichtig. Zum anderen fehlen oft unterstützende Marketingmassnahmen. Das Fazit der SAB-Studie: Gemeinsame und einheitliche Marketingmassnahmen helfen, den Agrotourismus besser zu verankern, sowohl im Inland als auch im Ausland. Dazu braucht es klarere Strukturen und eine nationale Ansprechstelle, die koordiniert. Der Schweizerische Bauernverband SBV hat bereits einen Schritt unternommen und im letzen Frühling eine Stelle geschaffen, die sich mit den Anliegen im Agrotourimus befasst und die Massnahmen in der Plattform Agrotourimus koordiniert.

Die Vereine «Ferien auf dem Bauernhof» und «schlaf im Stroh!» sowie die Westschweizer Organisation «tourisme-rural. ch» haben sich schon länger entschlossen, im Bereich Marketing und Kommunikation zusammenzuarbeiten; gemeinsame Messeauftritte sind bereits die Regel. Die Koordination der Zusammenarbeit der drei Organisationen in der Plattform Agrotourismus erfolgt unter der Federführung des SBV. Ziel ist es, in den kommenden Jahren einen einheitlichen Marktauftritt der drei Agrotourismus-Organisationen in der Schweiz aufzubauen. Mit finanziellen Mitteln der Absatzförderung des Bundes sollen eine gemeinsame Website, Messeauftritte und die Herstellung von Ferienkatalogen und Prospekten finanziert werden. Eine Medienkampagne mit Reisejournalisten soll den Agrotourismus in der Schweiz bekannter machen. In der Zusammenarbeit der Organisationen ist ein einheitlicher Qualitätsstandard und besser abgestimmte Aus- und Weiterbildungen für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Anbieter vorgesehen. Eine weitere Aufgabe wird sein, dem Agrotourismus innerhalb der Landwirtschaft bessere Akzeptanz zu verschaffen, damit touristische Angebote auf Bauernhöfen als vollwertige Betriebszweige anerkannt werden. Hier kann der SBV wertvolle Lobbyarbeit leisten. Schliesslich gilt es den Kontakt zu den grossen Tourismusanbietern in der Schweiz zu pflegen. Mit ihnen bei der Schaffung von Angeboten und Vermarktungsmöglichkeiten zusammenzuarbeiten, ist ein weiteres Ziel der Plattform Agrotourismus. Auch Netzwerke sind immer wichtig: Der Kontakt zu den Beratern im Bereich Agrotourismus ist unerlässlich, nicht nur für den Austausch von Informationen, sondern auch bei der Lösung von Problemen. Das spart Kräfte und Geld. Die Bedürfnisse im Agrotourimus sind bekannt, die gemeinsamen Marketingmassnahmen sind definiert; an der Umsetzung arbeiten der SBV und die drei Organisationen unter Hochdruck.

Und was macht das Ausland? Als gelungenes Beispiel wird in der SAB-Studie Österreich beschrieben. Dort sind aber die Strukturen im Agrotourismus anders. Es gibt seit Jahren eine Organisation, die die Angebote bündelt und professionell vermarktet, sprich ein Label, eine Marke für sämtliche agrotouristische Angebote. Zudem anerkennen Österreichischen Tourismusorganisationen den Agrotourismus als vollwertiges Tourismusangebot. Seit langem unterstützt der Staat den Agrotourimsus finanziell. Das liegt nahe, sind doch die Einkommensverhältnisse der Bauern um einiges anders als in der Schweiz: Oft entscheiden sich Schweizer Bauernfamilien ein Zusatzauskommen in nicht landwirtschaftlichen Bereichen zu verdienen. Hohes Lohnniveau in der Schweiz, gute Ausbildungen der Frauen und hohe Flexibilität machen das möglich. In Österreich haben Bauernfamilien weniger die Chance so zusätzliches Einkommen zu generieren. Das Beispiel Österreich zeigt aber sehr schön: Zusammenarbeiten im Bereich Agrotourimus bringt Erfolg.

Julia Zuberbühler, Kommunikation SBV und Koordination Plattform Agrotourismus

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