Schweizerischer Bauernverband ::

Schweizerischer Bauernverband
Laurstrasse 10
5200 Brugg
Telefon 056 462 51 11
Fax 056 441 53 48
eMail

Standpunkte 2009

Hartes Ringen um Lösungen im Milchmarkt

Standpunkt vom 25. September 2009

Ich verstehe den Unmut der Bauern über die aktuelle Situation im Milchmarkt gut. Es ist klar, dass sie ungeduldig sind und von der neuen Branchenorganisation Milch rasch Lösungen erwarten. Aber wenn die Lösung einfach wäre, dann hätten wir sie schon lange! Dem SBV ist es gelungen, innert kurzer Zeit eine Branchenorganisation Milch zu gründen. Wir sind in den letzten Wochen und Monaten aber weiter gekommen als zuvor während Jahren.

Die letzte Vorstandssitzung hat uns einen grossen Schritt vorwärts gebracht: Erstens wurde der Milchpreis leicht erhöht. Zwar nicht viel, aber immerhin in die richtige Richtung. Zweitens beschlossen die Mitglieder, 3500 t Butter abzubauen und damit den Markt zu entlasten. Drittens ist der Vorstand darauf eingegangen, ein dreistufiges Marktmodell mit Vertrags-, Börsen und Abräumungsmilch zu realisieren und hat eine entsprechend Arbeitsgruppe eingesetzt. Um Vertragsmilch handelt es sich, wenn ein mindestens einjähriger Vertrag vorliegt. Die übrige Milch muss zwingend über die Börse laufen.

Diese Beschlüsse genügen vielen Bauern, und vor allem Meinungsführern verschiedener Gruppierungen nicht, was ich auch verstehe. Sie erwarten ein konkretes Mengenmodell, für das wir anschliessend vom Bund die Allgemeinverbindlichkeit beantragen können. Aufgrund der Unzufriedenheit haben erste Milchlieferstreiks stattgefunden und weitere sind angekündigt. Weitere Aktionen fanden statt, so wurden beispielsweise die Zugänge zum Migros-Verarbeitungsbetrieb ELSA blockiert. Die Bauern wollen mit diesen Aktionen auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen und den Druck für eine Lösungsfindung erhöhen. Die Bauern müssen sich auch bewusst sein, dass nicht nur die Lösungsfindung mit den Verarbeitern schwierig ist, sondern sich auch die Produzenten mit unterschiedlichen, ultimativen Vorstellungen und Forderungen gegenseitig im Weg stehen. Wir müssen innerhalb der Produzenten die nötige Dreiviertelmehrheit hinkriegen. Sorgen Sie dafür, dass die Vertreter ihrer Organisationen eine Mengenführung unterstützen!

So lange sich die Produzentenvertreter nicht auf ein mehrheitstaugliches Modell einigen, kann es nicht vorwärts gehen. Wenn wir es schaffen, sind wir auf das Entgegenkommen der Verarbeiter angewiesen. Diese jetzt mit einem Streik gegen uns aufzubringen, legt uns lediglich weitere Steinbrocken auf den Weg zum Durchbruch. Ich erwarte auf der anderen Seite aber auch, dass Produzenten, die vor grossen wirtschaftlichen Problemen stehen und ihren Unmut mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen zum Ausdruck bringen, von den Unternehmen nicht sanktioniert werden.

Wir ringen um eine Lösung, um den Milchmarkt nachhaltig zu stabilisieren. Jetzt müssen wir den Ernst der Lage erkennen, uns zusammenzuraufen und uns bezüglich Mengenführung einigen!

 

Hansjörg Walter, ad-interim Präsident der Branchenorganisation Milch

Werbung

  • swissskills