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Schweizerischer Bauernverband
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Standpunkte 2011

Vielseitige Produktion bringt vielseitige Landschaft

Standpunkt vom 01. November 2011

Die Landwirtschaft spielt bei der Landschaftspflege eine zentrale Rolle. Wo die Bauern fehlen oder wettbewerbsfähige Monokulturen dominieren, nehmen der Formen- und Farbenreichtum und damit die Attraktivität der Landschaft ab. Eine vielfältig produzierende Schweizer Landwirtschaft erfüllt damit die Erwartung der Schweizer Bevölkerung nach einer offenen und vielseitigen Landschaft, so wie dies auch der Artikel 104 der Bundesverfassung vorsieht.

Bedingung dafür ist, dass weiterhin eine breite Palette an Produktionszweigen in der Schweiz gepflegt und angebaut wird. Beispiele dafür sind Obstgärten, Rebberge, blühende Sonnenblumen- oder Rapsfelder, gelbe Getreideflächen, grasende Kühe im Alpgebiet oder die typischen Waldweiden im Jura. Das daraus entstehende Flächenmosaik hängt in erster Linie davon ab, ob die entsprechende Kultur einen angemessenen Erlös und damit ein ausreichendes Einkommen erlaubt.

Der Schweizerische Bauernverband stellt deshalb die im Rahmen des neuen Reformpakets AP 2014-17 vorgesehenen Landschaftsqualitätsbeiträge in Frage. Für uns handelt es sich um einen administrativ sehr aufwändigen und wahrscheinlich kaum sehr wirksamen Vorschlag.  Die neuen Beiträge würden für die betroffenen Bäuerinnen und Bauern zusätzliche Anforderungen und Kosten sowie neue Kontrollen mit sich bringen. Die Beurteilung wäre zudem sehr willkürlich. Denn wer genau bestimmt, wann eine Landschaft von hoher Qualität ist? Zudem bringen sie automatisch eine Ungleichbehandlung mit sich. Man muss zu den Glücklichen gehören, die sich am richtigen Ort in einer „schönen Landschaft“ befinden, um in den Genuss dieser Beiträge zu kommen. Vorgesehen ist zudem, dass die Beiträge subsidiär ausgerichtet werden. Das heisst, der entsprechend Kanton muss ebenfalls einen Beitrag daran leisten wollen und können.

Nutzniesser einer solch umständlichen und praxisfernen Beitragsart wären wohl in erster Linie Landschaftsgärtner, Biologen oder andere so genannte Experten. Wie bei den ausgestopften Tieren würde diese Landschaftspräparatoren zudem die Landschaft in ihrer heutigen Gestalt erstarren lassen und eine dynamische Entwicklung verhindern.

Die zunehmende Verstädter- und Zersiedelung haben die Schweizerinnen und Schweizer für das Thema Landschaft in den letzten Jahren sensibilisiert. Wir sind uns dessen sehr wohl bewusst und der SBV will sich sehr wohl für schöne Landschaften engagieren. Er bezweifelt aber, dass sich diese anhand objektiver Kriterien und ohne riesigen Aufwand in eine Direktzahlungsform pressen lässt. Die Definition der Landschaftsqualität ist viel zu persönlich und subjektiv. Es besteht wie erwähnt auch die Gefahr einer Idealisierung der Vergangenheit.

Für Beate Jessel, Präsidentin des Deutschen Bundesamts für Naturschutz – und Nichtmitglied des Schweizerischen Bauernverbandes – ist die einzige Konstante in der Landschaft die Veränderung! Die Landschaft unseres Landes wird durch die Höhenlagen, das Klima und die menschlichen Tätigkeiten beeinflusst. Sie hat sich gewandelt, wandelt sich und wird dies weiter tun, weil sich die oben erwähnten Faktoren unablässig verändern. Man denke an den Klimawandel, die Bevölkerungszunahme, das veränderte Freizeitverhalten, die zunehmende Mobilität, neue Agrarpraktiken, die Ressourcenverfügbarkeit und -qualität, die Ernährungsgewohnheiten und vieles mehr.

Die besten Massnahmen zur Sicherung der Landschaftspflege und einer vielfältigen Landschaft sind also möglichst ausgewogen verteilte Direktzahlungen, welche sämtliche Kulturen und auch die Raufutterverzehrer angemessen unterstützen.

Sie stellen sicher, dass das Anliegen der Bevölkerung in Bezug auf die Landschaft erfüllt wird. Wir brauchen dazu keine neuen subjektiven und willkürlichen Instrumente.

 

Francis Egger, Leiter Wirtschaft, Politik und Internationales, Schweiz. Bauernverband

 

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