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Standpunkte 2012

Bäuerinnen und Bauern sind stolz auf hohes Tierschutzniveau

Standpunkt vom 24. Mai 2012

Tierschutz hat in der Schweiz einen sehr hohen Stellenwert. Die Schweizer Bauern sind stolz darauf, dass kaum anderswo auf der Welt die Nutztiere derart tierfreundlich gehalten werden wie in unserem Land. Wie überall gibt es leider auch bei uns einige schwarze Schafe. Auf den allermeisten Betrieben in der Schweiz wird dem Tierwohl aber grösste Bedeutung zugemessen und ist eine Selbstverständlichkeit.

Das Tierwohl basiert in der Schweiz auf drei Säulen: Erstens bildet das strenge Schweizer Tierschutzgesetz die Grundbasis. Den zweiten Pfeiler bilden die freiwilligen Programme der Agrarpolitik. Mit diesen werden besonders tierfreundliche Stallsysteme, die über das generelle Tierschutzrecht hinausgehen, belohnt. Die dritte Säule bilden die verschiedenen Markenprogramme und Labels. In diesen werden meist zusätzliche Anforderungen an das Tierwohl gestellt.

Der Schweizerische Tierschutz (STS) fordert nun, dass im Rahmen der Reform der Agrarpolitik das Tierwohl noch stärker gefördert wird und zusätzliche finanzielle Mittel dafür eingesetzt werden. Obwohl der Bauernverband Verständnis für den Wunsch des STS hat, kann er die Forderung nicht unterstützen. Eine pauschale Aufstockung der Finanzen für das Tierwohl würde dazu führen, dass an einem anderen Ort Mittel gekürzt werden müssen. Damit würden die Ziele der Agrarpolitik in anderen Bereichen, z.B. bei der Versorgung der Schweiz mit Lebensmitteln nicht mehr erreicht. Zusätzliche Mittel für die Tierwohl-Programme sind nur nötig, um den zusätzliche Finanzbedarf zu decken, der entsteht, wenn Landwirte neu in die Programme einsteigen.

Die Forderung ist auch deshalb überflüssig, weil das heutige System erfolgreich ist. Die Bäuerinnen und Bauern stehen den freiwilligen Tierhaltungsprogrammen der Agrarpolitik sehr positiv gegenüber. Dies zeigt sich auch darin, dass in den letzten Jahren immer mehr Betriebe bei den Programmen mitmachen. So werden zum Beispiel bereits 72% der Nutztiere im so genannten RAUS-Programm gehalten. Mit diesem wird gewährleistet, dass die Tiere mindestens an 234 Tagen pro Jahr freien Auslauf haben. Aus Sicht der Landwirtschaft müssen die Tierhaltungsprogramme der Agrarpolitik unbedingt auch in Zukunft weitergeführt werden.

Wichtig ist, dass das Niveau des Tierwohls nicht nur über die Politik bestimmt wird. Das Tierwohl wird auch sehr stark vom Konsumverhalten beeinflusst. Mit jedem Kauf von tierischen Produkten, sei es Milch, Fleisch oder Eier, setzen die Konsumentinnen und Konsumenten ein Zeichen. Heute ist es so, dass ein grosser Teil der Schweizerinnen und Schweizer beim Kauf von tierischen Produkten im Grossverteiler oder beim Detaillisten der Herkunft und der Produktionsmethode der Erzeugnisse grosse Bedeutung beimessen. Die Konsumenten kaufen dort sehr bewusst tier- und umweltfreundliche Produkte aus der Schweiz. Beim so genannten „Ausserhauskonsum“ spielt die Herkunft der Produkte und die Produktionsmethoden jedoch oft eine untergeordnete Rolle. Für viele Restaurants, Kantinen, Spital- oder Heimküchen steht daher beim Kauf von Lebensmittel leider der Preis im Vordergrund. Wo und wie die Produkte hergestellt wurden, wird zu wenig oder gar nicht beachtet. Das hängt auch damit zusammen, dass die Gäste beim Ausserhauskonsum zu wenig auf die Herkunft und die Produktionsart der Lebensmittel achten. Angesichts der Tatsache, dass rund die Hälfte des Fleisches ausser Haus konsumiert wird, ist es von zentraler Bedeutung, dass in Zukunft die Herkunft und die Produktionsmethoden von Lebensmitteln in Restaurants, Kantinen, usw.. mehr Gewicht bekommen. Der SBV ist dem STS dankbar, dass er diese Bestrebungen unterstützt. Wenn die Konsumenten bereit sind, für Produkte, die noch höhere Standards bezüglich Tierwohl erfüllen, zu bevorzugen und einen angemessenen Mehrpreis zu bezahlen, sind die Landwirte sofort bereit noch mehr fürs Tierwohl zu tun. Für den Tierschutz und das Tierwohl tragen Alle eine Mitverantwortung!

Urs Schneider, Stv. Direktor Schweizerischer Bauernverband, Bissegg

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