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Märkte und Preise

Marktkommentar

Hans Rüssli

Was ist los auf dem Kälbermarkt?

Marktkommentar vom 27. März 2015 in der BauernZeitung

Die Kälberpreise fallen zwei Wochen vor Ostern auf Fr. 12.50 je kg Schlachtgewicht (SG) für die T3-Kälber franko Schlachthof, QM-Qualität. Was läuft falsch auf dem Kälbermarkt?

Laut Zahlen von Proviande sind bis 8. März rund 7% weniger Kälber geschlachtet worden, das heisst noch rund 42 000 Kälber statt wie in der gleichen Vorjahreszeit rund 45 000. Dazu sind die Schlachtgewichte von 125 kg auf heute noch 121 kg im Durchschnitt gefallen. Die  sinkende Produktion schlägt sich im Pro-Kopf-Konsum nieder. Allein  letztes Jahr sank der Kalbfleischkonsum auf 2,92 kg, 100 Gramm weniger als 2013.

Das Angebot sinkt und der Preis liegt trotzdem einen Franken je kg SG tiefer als vor einem Jahr. Marktkenner führen das auf zwei Faktoren zurück: Erstens den Würzfleischimport „Rind“ von 1932 Tonnen (t) im letzten Jahr. Davon sind geschätzte 90 Prozent Kalbsnierstücke. Bei einem Zoll von Fr. 6.38 je kg lohnt sich dieser Import, denn im Detailhandel wird 50 bis 80 Fr. je kg einkassiert. Zweitens läuft der Einkaufstourismus auf Hochtouren. Dazu muss man wissen, dass die Mehrheit der Schweizer in einer Auto-Fahrdistanz von bis zu 25 Minuten zum nächsten EU-Einkaufscenter wohnt. Die Schweiz ist keine Insel im Pazifik sondern umgeben von der seit dem Eurofall billigen EU und das zieht (Fleisch)-Käufer an. Die Einkaufstouristen interessieren sich nicht für die viel höheren Schweizer Tierschutz-Vorschriften, nur für den tiefen Fleischpreis.

Wenn man das weiss, muss man den berechneten tieferen Kalbfleisch-Konsum bezweifeln. Und man stellt zugleich fest, dass der Detailhandel, besonders vor Ostern, nur selten Aktionen durchführt mit Kalbfleisch, dafür mit Importlamm und Geflügel. Folge ist, dass beim geringsten Rückstau die Kälberpreise massiv einbrechen.

Die Rechnung geht aktuell für die Mäster nicht mehr auf. Heute bezahlen sie 70 bis 150 Franken mehr je Tränker als vor einem Jahr und bekommen 120 Franken weniger je Bankkalb. Die Kälbermast wird ein Defizit.

Hans Rüssli, Schweizer Bauernverband