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Märkte und Preise

Marktkommentar

Hans Rüssli

Schweinemarkt Kapriolen

Marktkommentar vom 1. Mai 2015 in der BauernZeitung

Micarna zahlt nach einer Woche Aufschlag auf Fr. 3.70 wieder 3.60 je kg Schlachtgewicht für die QM-Schweine ab Hof und auch die IPS-Schweine schlagen um 10 Rp. ab. Die übrigen Abnehmer hatten den ab 17. April geltenden Micarna-Aufschlag von 10 Rp. nicht nachgezogen.

Eine Woche bezahlte die Micarna allein 10 Rp. mehr. Warum zog die Micarna den Aufschlag nicht durch? Die Angebote seien höher als der Bedarf, erklärte Peter Hinder, Leiter Marketing bei der Micarna auf Anfrage. «Der Marktdruck der Mitbewerber hat uns zum Abschlag gezwungen», gibt Hinder als Hauptgrund an.

Die Schweinehalter sind enttäuscht darüber, dass auch die Ernst Sutter AG, welche der Fenaco gehört, den Aufschlag nicht mitmachte. «Ich kann Ihnen bestätigen, dass unsere Unternehmensgruppe in der vergangenen Woche den geplanten Bedarf an Schlachtschweinen decken konnte», argumentiert Daniel Härter von Ernst Sutter AG. Der Marktmechanismus habe aufgezeigt, dass sich das Angebot mehrheitlich bei einem Preis von Fr. 3.60 je kg eingependelt habe, steht im Schreiben. Die Ankündigung des Handels vom 17. April, alle Verarbeiter reduziert zu beliefern, die nur Fr. 3.60 bezahlen, hat in der Praxis nicht funktioniert. Offenbar hat es zu viele Schweine, und Härter bestätigt das, indem er schreibt, dass «ein Trend zur Überversorgung mit Schweinefleisch besteht und dies bei tendenziell hohen Lagerbeständen». 

Die Zahlen von Agristat bestätigen das hohe Schweineangebot im ersten Quartal mit einer Mehrproduktion von 1,8% Schweinefleisch. Josef Schurtenberger, Geschäftsführer Prosus, weiss, dass «kein Zug» im Schweinegeschäft ist wegen der hohen Schweinefleischlager bei reichlichem Schweineangebot. «Mit einer Selbstversorgung von 94,3% ist die Schweinefleischproduktion 2 bis 2,5% zu hoch», lautet sein Fazit. Bei guter Grillsaison seien begrenzte Preisaufschläge möglich. «Mehr nicht, sonst
haben wir im August erneut wie letztes Jahr einen kompletten Zusammenbruch der Schweinepreise», analysiert er.  

 

Hans Rüssli, Schweizer Bauernverband