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Bericht zur Lage der Landwirtschaft - April 2020

Grundlagen

Der April startete dank mehreren Hochdruckgebieten frühsommerlich warm. Sonnig und trocken ging es in den meisten Teilen der Schweiz auch weiter. Entsprechend hoch waren die Summe der Sonnenstunden und die Temperaturen, beide bewegten sich in Rekordbereichen. Im Zeitraum vom 1. bis 10. April wurde von keiner Messstation eine Niederschlagsmenge ausgewiesen (Tabelle 1.1). Mitte Monat wurde die Sonneneinstrahlung durch eine Kaltfront aus Norden etwas verringert, Regen fiel aber nur vereinzelt. Ab dem 22. April wurde das Wetter zunehmend gewitterhaft. Durch nächtliche Niederschläge sank die Schneefallgrenze auf etwa 1500 Meter, der April zeigte doch noch sein wechselhaftes Gesicht. Mit dem Niederschlag vom 28. April stieg die Niederschlagssumme im landesweiten Mittel auf 33 % der Norm 1981-2010. Die weiteren Niederschläge bis zum Monatsende konnten das grosse Defizit noch leicht entschärfen. Im landesweiten Mittel war es, mit einer Durchschnittstemperatur von 7,7 Grad, der drittwärmste April seit Messbeginn 1864. Die hohen Temperaturen führten unter anderem dazu, dass die Obstbäume 14 bis 17 Tage früher blühten als im Mittel der Periode 1981-2010.

Pflanzenbau

Das Wintergetreide hat den milden Winter gut überstanden und präsentierte sich in entsprechend gutem Zustand. Schwieriger ist die Situation bei den Frühlingssaaten, wie Sommerweizen und Sommergerste. Die Saatbedingungen waren zwar ausgezeichnet, jedoch war die Wasserversorgung viel zu knapp und deutlich tiefer als in den Jahren zuvor (Tabelle 2.1). Wie stark die Trockenheit die Ernte beinträchtigen wird, ist schwierig abzuschätzen. Das Jahr 2011 begann ähnlich trocken und führte dennoch zu einer Ernte mit Rekorderträgen. Im März wurde 22,3 % mehr Gemüse geerntet als im Vorjahresmonat. Bei den kumulierten Mengen, ist Ende März ein Vorsprung von 14,4 % gegenüber dem Vorjahr zu beobachten (Tabelle 2.4). Dementsprechend lagen die Durchschnittspreise etwas tiefer (Tabelle 2.5). Der tatsächliche Einfluss des trockenen Aprils wird erst in den Statistiken der nächsten Ausgabe einschätzbar. Die Speisekartoffelvorräte für den Frischkonsum liegen mit 16 456 Tonnen deutlich tiefer als in den beiden Jahren zuvor. Entsprechend höher ist mit 4 828 Tonnen der Einfuhrüberschuss an Speisekartoffeln (Tabelle 2.2). Zugrunde liegt die erstarkte Nachfrage seitens der Konsumenten nach Frischkartoffeln seit Beginn der Corona-Krise.

Milchwirtschaft

Die Milchanlieferung wird für den März auf 307 661 Tonnen geschätzt und liegt dadurch genau auf dem Vorjahreswert (Tabelle 3.1). Bei der Milchverwertung fällt auf, dass im Februar mehr Konsumrahm (+6,3 %) und mehr Käse (+4,3 %) produziert wurde. Deutlich weniger Milch floss in die Butterproduktion (-9,7 %, Tabelle 3.2). Gleichzeitig sind die Lagermengen sehr tief und die Verkaufszahlen seit dem Lockdown am Steigen. Weitere Auswirkungen der Corona-Krise können anhand der Statistiken der nächsten Ausgabe genauer analysiert werden. Auf den Aussenhandel mit Käse wird im Kommentar zu Kapitel 5 kurz eingegangen.

Viehwirtschaft

Im Jahr 2018 standen mit 7,58 Millionen Tonnen Trockensubstanz 1,4 % weniger Futtermittel zur Verfügung als 2017. Die Inlandproduktion von Futtermitteln war dabei mit 6,57 Millionen Tonnen um 2,7 % tiefer als 2017. Hauptgrund für die Abnahme war der trockene Sommer. Der Anteil der Inlandproduktion am gesamten verfügbaren Futter ist 2018 mit 83,7 % leicht gesunken (Tabelle 4.1). Der Bestand an Milchkühen ist auch im März 2020 zurückgegangen. Im Vergleich zum März 2019 war der Bestand um 8 396 Milchkühe kleiner (Tabelle 4.2). Die öffentlichen Schlachtviehmärkte wurden Mitte März im Rahmen des Lockdowns geschlossen (Tabelle 4.4). Das Schlachtgewicht der Kühe lag in den ersten drei Monaten 2020 höher als in den Vorjahren (Tabelle 4.5). Im März 2020 verzeichneten, mit Ausnahme der Equiden (-17,3 %), alle Kategorien höhere Schlachtmengen gegenüber dem Vorjahr. Bei den Schweinen betrug die Zunahme 7,9 % (Tabelle 4.6). Die Inlandproduktion nahm entsprechend in allen Gattungen zu (Tabelle 4.8). Der Importanteil sank bei den meisten Gattungen oder blieb unverändert (Tabelle 4.9). Die Eierproduktion stieg im März um 3,5 % auf 91,6 Millionen Eier – ein Höchstwert. Die Produktion lag kumuliert 5,1 % höher als im Vorjahr (Tabelle 4.10). Im März wurde 10,0 % mehr Geflügelfleisch produziert als im Vorjahr. Kumuliert nahm die Menge um 7,9 % zu (Tabelle 4.11). Da auch die Einfuhren zunahmen, blieb der Inlandanteil praktisch unverändert (Tabelle 4.12).

Aussenhandel 

Aufgrund der Corona-Krise und des einhergehenden Lockdowns seit dem 16. März, zeigen sich in den Aussenhandelsdaten teils stärkere Verschiebungen gegenüber den Vorjahren. Starke Zunahmen bei den Einfuhrmengen weisen beispielsweise das Kapitel 11 «Müllereierzeugnisse» und das Kapitel 15 «Fette und Öle» auf. Das Kapitel 1 «Lebende Tiere» weist deutlich tiefere Ausfuhrmengen auf. Das Kapitel 17 «Zucker und Zuckerwaren» weist hingegen deutlich höhere Ausfuhrmengen auf. Beim Kapitel 9 «Kaffee, Tee, Gewürze» hat sich das gesamte Handelsvolumen erhöht (Tabelle 5.10). Beim Aussenhandel mit Käse konnten sowohl Exporte als auch Importe im März gegenüber dem Vorjahr zulegen. Die stärkste Ausfuhrzunahme weist dabei mit 110 Tonnen der Tête de Moine AOP auf (Tabelle 5.8). Allfällige negative Einflüsse der Corona-Krise auf die Käseexporte konnten sich demnach, zumindest in den Märzdaten, nicht manifestieren. Produktionsmittel wurden gesamthaft weniger importiert als im Vorjahr (-6,7 %). Starke Mengenabnahmen gab es vor allem bei den Futtermitteln und Pflanzenschutzmitteln. Eine starke Zunahme war einzig bei den Saatgutimporten zu verzeichnen (+43,3 %, Tabelle 5.15). Deutlichere Auswirkungen der Corona-Krise auf den Aussenhandel werden sich wohl in den Aprilzahlen zeigen.

Preise

Aufgrund der Massnahmen gegen das Coronavirus fanden keine Auktionen im April 2020 statt. Die Preise von Rindvieh und Kälbern sind seit Eintritt der Corona-Krise stark unter Druck geraten und seit März deutlich am Sinken. Die Kälberpreise liegen nun deutlich unter den letzten beiden Vorjahreswerten (Tabellen 6.3 und 6.4). Die Schweinepreise blieben von dieser Entwicklung bisher verschont und konnten das Niveau des Vormonats halten. Der Basispreis für QM-Schweine franko Schlachthof betrug im April 4.85 CHF/kg. Die Jagerpreise haben indes auf hohem Niveau etwas nachgegeben (Tabelle 6.6). Die Tränkerpreise stiegen im März noch an, mussten aber im April dem allgemeinen Preisdruck nachgeben und sind in etwa auf das Niveau zu Jahresbeginn gesunken (Tabelle 6.5). Anders sieht es beim Lammfleisch aus, es konnte das hohe Vormonatsniveau halten (Tabelle 6.7). Die Produzentenpreise für Milch sind weiterhin saisonbedingt rückläufig, liegen aber immer noch über den letzten drei Vorjahreswerten. Eine Ausnahme ist der Biomilch-Preis, er liegt deutlich unter dem Vorjahreswert auf dem Niveau von 2017 (Tabelle 6.9). Der Produzentenpreisindex stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,9 %. Grossen Einfluss übten dabei die tierischen Erzeugnisse sowie die Schlachtschweinepreise aus, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,3 bzw. 4,7 Prozent höher lagen (Tabellen 6.10 und 6.11). Der Einkaufspreisindex nahm gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,7 % ab. Den deutlichsten Rückgang verzeichneten die Treibstoffe (-20,5 Punkte, Tabellen 6.15 und 6.16). Auf dem Weltmarkt sind die Preise für Milchprodukte in den letzten Monaten deutlich gesunken (Tabelle 6.23).

Der Bericht zur Lage der Schweizer Landwirtschaft ist ein Auszug aus der Publikation "Agristat – statistisches Monatsheft"