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Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Januar 2020

Grundlagen

Der Januar 2020 war einer der wärmsten seit Messbeginn 1864. An vielen Messstandorten wurden bestehende Temperaturrekorde erreicht oder leicht überschritten. In einigen Regionen der Nordschweiz war der Monat zudem der sonnigste Januar seit Messbeginn. Niederschläge fielen entsprechend spärlich. Das anhaltende Hochdruckwetter wurde nur von wenigen Störungszonen jeweils kurz unterbrochen. Erst am Monatsende wurde das Wetter durch eine Tiefdrucklage bestimmt. Am Abend des 28. Januars kam es sogar zu einem ersten Gewitter. Die Platzierung von landwirtschaftlichen Praktikanten, sowohl von Schweizern im Ausland als auch von Ausländern in der Schweiz, hat in den letzten Jahren abgenommen (Tabelle 1.4). 2019 gingen 68 Schweizer ins Ausland und 328 ausländische Praktikanten kamen in die Schweiz, überwiegend aus osteuropäischen Ländern oder aus dem Baltikum.

Pflanzenbau

Der erste Weideaustrieb erfolgte 2019 in der Talzone im Mittel um den 6. April, allerdings mit grossen Unterschieden zwischen den Betrieben (Tabelle 2.1). Die Winterfütterung begann in der Talzone im Mittel am 18. November und damit leicht später als im Mittel der letzten Jahre. Das warme Wetter zu Beginn des Novembers 2019 dürfte eine der Ursachen sein. Die durch die Grünlandbetriebe genutzte Vegetationsperiode war mit 226 Tagen eine der längsten der letzten Jahre, zusammen mit jenen der Jahre 2011 und 2014. Die Futterbauerträge wurden 2019 von den Berichterstattern im Frühling mit wenigen Ausnahmen als gut beurteilt (Tabelle 2.2). Im Sommers wurden die Erträge durch die Trockenheit beeinträchtigt und auch im Herbst waren die Erträge an vielen Orten unbefriedigend. Etwas weniger von der Trockenheit betroffen waren die höheren Lagen. Die Produktion von Wintergetreidesaatgut lag 2019 mit 23 569 Tonnen höher als in den drei Vorjahren (Tabelle 2.3). Die Saatgutmenge von Hartweizen hat sich mit 69 Tonnen gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Diese Kultur scheint in der Schweiz Fuss zu fassen.

Milchwirtschaft

Für den Monat Dezember wird eine Abnahme der Milchanlieferungen um 0,5 % gegenüber dem Vorjahr geschätzt (Tabelle 3.1). Die Milchmenge geht 2019 gegenüber 2018 damit um geschätzte 1,6 % zurück. Einzig die Milchverwertung zu Käse (+0,8 %) und Quark (+0,9 %) hat im November weiter zugenommen (Tabelle 3.2). Es wurde weiterhin weniger Butter als im Vorjahr produziert und es ist sehr wenig Butter am Lager (siehe vorhergehende Grafik und Tabelle 3.5).

Viehwirtschaft

Der Bestand weiblicher Tiere bis zu einem Alter von zwei Jahren lag Ende 2019 auf dem Niveau des Vorjahres. Die Bestände der älteren Tiere lagen deutlich tiefer (Tabelle 4.2). 2019 wurde gemäss der provisorischen Schlachtviehstatistik um 1,6 % weniger Grossvieh als 2018 geschlachtet (Tabelle 4.5). Dabei setzten jedoch die Ochsen ihren Höhenflug mit +4,5 % fort. Die Schlachtungen von Kälbern gingen um 2,8 % zurück. Die Schweineschlachtungen nahmen noch deutlicher ab, nämlich um 4,2 %. Zugenommen haben die Schlachtungen von Schafen (+0,4 %) und von Ziegen (+4,8 %). Damit hat die Inlandproduktion von Rindfleisch (-1,1 %), von Kalbfleisch (-2,2 %) und von Schweinefleisch (-4,2 %) abgenommen, während die Inlandproduktion von Schaffleisch um 1,0 % zugenommen hat (Tabelle 4.8). Beim Schweinefleisch wurde dementsprechend im Jahr 2019 deutlich mehr importiert mit einem Anteil von 8,4 % gegenüber 5,4 % im Vorjahr. Beim Rindvieh werden aufgrund des weiter abnehmenden Bestandes auch rückläufige Schlachtzahlen prognostiziert. Dabei dürfte allerdings die Verschiebung von den Kälber- zu den Grossviehschlachtungen weiterhin anhalten. Bei den Schweinen wird aufgrund des aktuell hohen Preisniveaus eher ein Anstieg der Schlachtzahlen erwartet (Tabelle 4.9). Die Inlandproduktion von Geflügelfleisch hat 2019 um 1,1 % zugenommen (Tabelle 4.12). Die Importe (+0,5 %) sind deutlich weniger angestiegen. Die verfügbare Menge (+0,5 %) ist 2019 deutlich weniger stark angestiegen als 2018 (+6,4 %). Das Wachstum in der Geflügelfleischproduktion verlangsamt sich. Die Eierproduktion wurde 2019 um 2,8 % gesteigert, die verfügbare Menge stieg um 2,4 %.

Aussenhandel 

Die Käseexporte legten im Jahr 2019 gegenüber 2018 mengenmässig um 4,3 % zu (Tabelle 5.7). Die Wachstumsrate der Exporte war damit erstmals seit der Einführung des Käsefreihandels mit der EU höher als jene der Importe (+2,8 %). Allerdings hat der Durchschnittspreis im Export leicht abgenommen, von 6,85 CHF/kg auf 6,77 CHF/kg. Im Dezember konnten zahlreiche Käsesorten zunehmende Exporte verzeichnen. Die grössten Zunahmen gab es bei den «anderen Frischkäsen» und bei den «anderen Halbhartkäsen». Die Dürrfutterimporte haben sich Ende 2019 normalisiert und sind Ende Dezember 2019 auf das Niveau der Werte vor der Trockenperiode 2018 zurückgefallen (Tabelle 5.12). Insgesamt gingen die Importe von Futtermitteln gegenüber dem Vorjahr um 3,9 % zurück. Rückläufig waren auch die Importmengen von Stroh (-10,1 %) und Pflanzenschutzmitteln (-24,5 %), während die Importe von Dünger (+24,3 %) zunahmen (Tabelle 5.16). Die Düngerimporte nahmen insbesondere zu, da die Produktion von Stickstoffdüngern in der Schweiz eingestellt worden ist (Tabelle 5.14). Die höheren Importe lassen also keinen unmittelbaren Rückschluss auf die Entwicklung des Verbrauchs zu. Nach Wert wurden leicht mehr Maschinen und Geräte (+1,1 %) importiert.

Preise

Die Schlachtviehpreise für Rindvieh starteten im Januar 2020 in allen Kategorien leicht höher als im Vorjahr (Tabelle 6.3). Dasselbe gilt auch für die Preise der Schlachtkälber (Tabelle 6.4). Bei den Tränkern wurde ein neues Preissystem eingeführt mit zwei unterschiedlichen Preisquellen (Tabelle 6.5). Die Preise für Schlachtschweine lagen im Januar 2020 ca. 50 Rappen/kg Schlachtgewicht höher als im Vorjahr. Die Jagerpreise waren um 1,45 CHF/kg Lebendgewicht höher als im Vorjahr. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Schafen, wo die Preise für Lämmer und Schlachtschafe das Niveau des Vorjahres ebenfalls deutlich übertrafen (Tabelle 6.7). Im Dezember 2019 lag der Verkehrsmilchpreis höher als im Dezember der vier vorhergehenden Jahre (Tabelle 6.10). Nur der Preis für Biomilch lag tiefer als im Dezember der beiden Vorjahre, da die Nachfrage nach Biomilch zu klein ist. Der Produzentenpreis lag dank der guten Preise in der tierischen Produktion und im Gemüsebau im Dezember 2019 um 4,7 % höher als im Vorjahresmonat (Tabellen 6.11/6.12). Die Einkaufspreise landwirtschaftlicher Produktionsmittel lagen im Dezember 2019 um 0,6 % tiefer als im Vorjahr (Tabellen 6.16/6.17). Entscheidend dazu beigetragen hat der Preisrückgang bei den Energie- und Schmierstoffen. Generell gingen die Preise bei den Verbrauchsgütern eher zurück, während bei den Investitionsgütern ein Anstieg zu verzeichnen war. Insgesamt verlief die Preisentwicklung 2019 zum Vorteil der Landwirtschaft (Tabellen 6.24 bis 6.27). Das Niveau der Produzentenpreise lag im Jahresmittel seit 2014 nie mehr so hoch wie 2019. Gleichzeitig war die Teuerung bei den Produktionsmitteln gering. Weltweit entwickelten sich die Preise für Milchprodukte im Januar sehr vorteilhaft (Tabelle 6.29). Die Butterpreise stagnierten zwar, dafür war Milcheiweiss sehr gefragt.

Der Bericht zur Lage der Schweizer Landwirtschaft ist ein Auszug aus der Publikation "Agristat – statistisches Monatsheft"