Hauptinhalt

Bericht zur Lage der Landwirtschaft - März 2020

Grundlagen

Der März startete mit variablem Wetter und teilweise Schneefall bis ins Talgebiet. Vom 11. bis am 20. März führten warme West- und Südwestströmungen zu ohen Temperaturen. Ab dem 21. März führte die Bise zu anhaltend kaltem Wetter mit sehr tiefen Temperaturen für die Jahreszeit. Ende Monat gab es mehrere Frostnächte mit möglichen Schäden bei frühen Steinobstkulturen (insbesondere Aprikosen) und im Gemüsebau. Die anhaltende Bise erschwerte allfällige Massnahmen gegen den Frost. Frost droht auch noch in den ersten Apriltagen. Trotz dem kalten Ende blieb die Durchschnittstemperatur im März um 0,8 Grad über der Norm 1981-2010. Phänologisch hatte die Vegetation im März bis zu einem Monat Vorsprung, was allfälligen Frostschäden zusätzlichen Vorschub leistete. Mit dem März endete auch das extrem warme Winterhalbjahr 2019/2020. Nur das Winterhalbjahr 2006/2007 war im Landesmittel seit Messbeginn 1864 wärmer.

Pflanzenbau

Auf über 90 % der Betriebe waren Ende Februar 2020 genügend Raufuttervorräte vorhanden und im Gegensatz zum Winter 2018/2019 war Raufutter auch vermehrt verkäuflich (Tabelle 2.1). Die Qualität des Raufutters wurde mit gut bis sehr gut beurteilt (Tabelle 2.2). 2019 wurden 275 787 Tonnen Frischgemüse geerntet. Dies ist eine Abnahme um 8,3 % gegenüber dem Vorjahr und die kleinste Menge seit 2010 (Tabelle 2.7). Auch beim Lagergemüse sank die Menge. Die Menge von 78 783 Tonnen entspricht einer Abnahme um 9,5 %. Die Fläche des Freilandgemüses ging 2019 gemäss provisorischen Daten des BFS um 2 % zurück. Besser sieht der Saisonstart im Jahr 2020 im Gemüsebau aus. Dank dem milden Winter lag die Produktion Ende Februar um 10 % höher als im Vorjahr (Tabelle 2.5). Aufgrund der Corona-Krise gibt es aktuell zahlreiche Probleme, unter anderem wegen ausfallenden ausländischen Arbeitskräften, dem Wegfall des Gastronomie-Kanals und ausgesetzten Wochenmärkten.

Milchwirtschaft

Für den Monat Februar wird eine um 4 % höhere Milchproduktion als im Vorjahr geschätzt. Korrigiert man die Menge jedoch um den zusätzlichen Schalttag, so beträgt die Zunahme nur 0,4 % (Tabelle 3.2). In der Milchwirtschaft führen die Stilllegung des Gastro-Kanals und die Hamsterkäufe im Detailhandel zu Verwerfungen. Auch im Aussenhandel sind allenfalls Auswirkungen zu erwarten, insbesondere beim Käse. All dies wird sich jedoch frühestens auf die Statistiken der nächsten Ausgabe auswirken.

Viehwirtschaft

Im Februar ist der Milchkuhbestand etwas schwächer zurückgegangen als in den Vormonaten, was eine Erklärung für den leichten Anstieg der Milchmenge liefert (Tabelle 4.1). Die Schlachtviehproduktion ging beim Gross- und Kleinvieh 2019 ausser bei Ochsen, Schafen und Ziegen zurück. Auf der Basis Schlachtgewicht nahm die Produktion bei den Stieren (-5,3 %), den Schweinen (-4,4 %) und den Kälbern (‑2,5 %) am stärksten ab. Zudem verlagerte sich die Bankfleischproduktion weiter zu jüngeren Schlachttieren aus der Weidemast (+1,2 %), während die Fleischproduktion mit Stieren, Ochsen und Rindern über 12 Monaten um 3,9 % abnahm (Tabelle 4.3). Im Februar 2020 nahmen die Inlandschlachtungen gegenüber dem Vorjahr ausser bei den Stieren (+0,3 %) und den Schweinen (0,0 %) ab, am stärksten bei den Kühen (-6,6 %) und den Kälbern (-6,5 %). Dank höheren Schlachtgewichten ging die Produktion von Rindfleisch nur um 2,9 %, jene von Kalbfleisch um 5,2 % zurück (Tabelle 4.9). Die Produktion von Schweinefleisch stieg um 0,6 % an, jene von Schaffleisch ging um 2,9 % zurück. Die Eierproduktion stieg im Februar gegenüber dem Vorjahr um 7,4 % an, bereinigt um den Schalttag um 3,7 %. Gleichzeitig gingen die Importe deutlich zurück (-5,9 %), womit sich das Gesamtangebot für die menschliche Ernährung nur um 1,9 % erhöhte (Tabelle 4.10). Die Schlachtgeflügelproduktion stieg im Februar um 7,8 % an (Tabelle 4.11). Nach einem etwas ruhigeren Jahr 2019 scheint die Geflügelproduktion im aktuellen Jahr wieder stärker zu wachsen. Gemäss den Angaben der Proviande ging der Pro-Kopf-Verbrauch 2019 bei allen Fleischarten zurück (Tabelle 4.14). Am geringsten war der Rückgang beim Geflügelfleisch mit -0,1 %, am stärksten beim Pferdefleisch mit -7,3 %. Nicht ganz unerwartet stiegen die Konsumentenpreise beim Schweinefleisch mit +4,3 % am stärksten an.

Aussenhandel 

Im Februar stiegen die Käseexporte gegenüber dem Vorjahr um 8,6 % an (Tabelle 5.6). Am meisten profitierte der Gruyère AOP mit einem Plus von 220 Tonnen. Es stellt sich nun die Frage, welche Auswirkungen die Corona-Krise im Käse-Aussenhandel zur Folge haben wird, da die wichtigsten Abnehmerländer Deutschland, USA, Italien und Frankreich stark durch den Coronavirus betroffen sind. Produktionsmittel wurden mit Ausnahme des Strohs im Februar mehr importiert als im Vorjahr. Kumuliert ergibt sich mengenmässig jedoch nur beim Saatgut (+25,1 %) eine deutliche Zunahme (Tabelle 5.15). Nach kumulierten Werten ergibt sich aufgrund deutlich tieferer Preise bei allen Produktionsmitteln ein Rückgang, nur der Importwert der Maschinen (+12,0 %) nahm zu.

Preise

Aufgrund der Massnahmen gegen die Corona-Krise ist der Gastronomie-Bereich weggebrochen. Öffentliche Viehmärkte werden vorerst keine mehr abgehalten. Zwar steigt die Nachfrage im Detailhandel, dieser benötigt jedoch anteilsmässig weniger Edelstücke als die Gaststätten. Die Preise von Rindvieh und Kälbern sind dadurch stark unter Druck geraten (Tabellen 6.3 und 6.4). Kaum betroffen waren bisher die Schweinepreise, weil die Gastronomie eine kleinere Bedeutung hat und die produzierte Fleischmenge recht stabil auf eher tiefem Niveau ist (Tabelle 6.6). Die Tränkerpreise stiegen im März noch an (Tabelle 6.5). Gemäss den aktuellsten Meldungen macht sich aber auch bei den Tränkern zusätzlicher Preisdruck bemerkbar. Die Lämmerpreise lagen im März noch auf einem erfreulich hohen Niveau (Tabelle 6.7). Der Gastronomie-Sektor ist jedoch auch beim Lammfleisch wichtig. Die Produzentenpreise für Milch waren im Februar saisongemäss rückläufig, lagen jedoch mit Ausnahme des Bio-Milchpreises höher als in den vorhergehenden drei Jahren (Tabelle 6.9). Der Produzentenpreisindex lag im Februar um 4,1 % höher als im Vorjahr, v.a. aufgrund der hohen Preise in der tierischen Produktion (Tabellen 6.12 und 6.13). Die Einkaufspreise landwirtschaftlicher Produktionsmittel lagen im Februar um 1,1 % tiefer als vor einem Jahr. Teurer wurden nur Maschinen und Gebäude. Es kann erwartet werden, dass insbesondere die Preise für Treib- und Schmierstoffe weiter sinken werden, was auch weitere Produktionsmittel (insbesondere Düngemittel) zusätzlich verbilligen könnte. Die Weltmarktpreise für landwirtschaftliche Rohstoffe waren im Februar mehrheitlich auf tieferem Niveau als vor einem Jahr (Tabelle 6.29). Der Rohölpreis lag im Februar um 58 % tiefer als vor Jahresfrist und dürfte noch weiter sinken. Wie sich die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe auf dem Weltmarkt in der nächsten Zeit angesichts der Corona-Krise entwickeln werden, ist sehr ungewiss.

Der Bericht zur Lage der Schweizer Landwirtschaft ist ein Auszug aus der Publikation "Agristat – statistisches Monatsheft"