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Landwirtschaft bewährte sich in der Krise

Corona, das war 2020 das mit Abstand meist gehörte und diskutierte Wort. Für die Landwirtschaft waren die negativen Effekte kleiner als in anderen Branchen. Auch die Ernten und Preise waren grossmehrheitlich gut. Beim Verband nutzten wir die Zeit, um die Abstimmungen im Juni 2021 vorzubereiten.

Liebe Bäuerinnen und Bauern

2020 war ein Jahr, das wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Das lag vor allem am neu aufgetauchten Corona-Virus, das die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Behörden ab März in Atem hielt. Nach einer leichten Verschnaufpause im Sommer verschärfte sich die Situation gegen Jahresende wieder. Viele Veranstaltungen, so auch unsere Delegiertenversammlung, konnten nicht wie üblich durchgeführt werden. Unter diesen speziellen Umständen fand beim Bauernverband auch ein Direktorenwechsel statt. Ende März ging Jacques Bourgeois in den Ruhestand, Anfangs April übernahm mit Martin Rufer, der bisherige Leiter des Departements Produktion, Märkte & Ökologie, die Führung der Geschäftsstelle. Für die Vakanz im Departement gelang es, Michel Darbellay zu gewinnen. Dieser führte vorher den jurassischen Bauernverband AgriJura. Damit war unser Team Ende 2020 wieder komplett und für die Herausforderungen im neuen Jahr gut aufgestellt. 

Die Landwirtschaft kam – Einzelfälle ausgenommen – im Grossen und Ganzen glimpflich durch das Corona-Jahr. Das lag auch daran, dass die betroffenen Bauernfamilien z.B. auf die Schliessung der Wochenmärkte sehr dynamisch reagierten. Auch der Wegfall des Gastrokanals konnte nach einer Umstellungsphase meist anderweitig aufgefangen werden. Die Hofläden erfuhren sogar einen wahren Boom. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen positiven Effekt zu verlängern, indem wir die Aspekte Regionalität und Versorgungssicherheit in der Kommunikation hervorstreichen. Rein landwirtschaftlich betrachtet, fiel das Jahr 2020 für die Mehrheit der Betriebe erfreulich aus. Nach einer langen trockenen Phase im Frühling setzte der Regen gerade noch rechtzeitig ein. Die Erträge im Pflanzenbau waren meist gut. Eine stabile Produktion mit meist guten Preisen konnte im tierischen Bereich verzeichnet werden. Probleme gab es vor allem beim Anbau von Zuckerrüben infolge des Beizverbots beim Saatgut sowie beim Absatz im Weinbau und beim Kalbfleisch, die besonders unter der Restaurantschliessung litten.

Der Lockdown im Frühjahr führte zu einer Aussetzung der politischen Fristen. Deshalb verschoben sich die Behandlung im Parlament und der Abstimmungstermin für die beiden Volksinitiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» weiter. Unterdessen ist klar: Die Abstimmung wird am 13. Juni 2021 stattfinden. Der Bundesrat, der Nationalrat und der Ständerat empfehlen beide klar zur Ablehnung. Dennoch wird es kein Sonntagsspaziergang, das Volk von einem doppelten Nein zu überzeugen. Die neue Einstufung zweier Abbauprodukte des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil und die daraus resultierenden neuen Grenzwerte führten in vielen Ackerbaugebieten zu Überschreitungen, die medial stark und völlig undifferenziert ausgeschlachtet wurden. Die Behörden trugen entweder ihrerseits zur unnötigen Hysterie bei oder nahmen zumindest nicht klar Stellung. Denn Tatsache ist: Die Qualität des Trinkwassers ist nicht schlechter geworden und es besteht auch keinerlei Gefahr für die menschliche Gesundheit. 

Dass der Bundesrat eine nicht akzeptable Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik 22+ präsentiert hat, half in der öffentlichen Diskussion ebenfalls nicht. Diese würde die Selbstversorgung massiv reduzieren, den administrativen Aufwand erhöhen und die Einkommen der Landwirtschaft schmerzhaft schmälern. Weil das keine Diskussionsgrundlage ist, engagierten wir uns in der parlamentarischen Beratung für deren Rückweisung und unterstützten schliesslich den Antrag für eine Sistierung. Der Ständerat nahm einige Themen aus der Agrarpolitik 22+ in eine parlamentarische Initiative auf. Sie legt bei den Pflanzenschutzmitteln verbindliche Ziele und Fristen fest und ist damit eine glaubwürdige Antwort auf beide Volksinitiativen. So sollen die Risiken durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln für Gewässer, Trinkwasser und naturnahe Lebensräume bis 2027 um 50 Prozent reduziert werden. Ebenfalls darin eingebunden ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden ausserhalb der Landwirtschaft.  Die parlamentarischen Entscheide werden der Landwirtschaft einiges abverlangen!

Gegen Ende Jahr war die Planung des Auftritts, der Botschaften und der Massnahmen für die Abstimmungen bereits weit fortgeschritten. Alle sind darin eingebunden und müssen ihren Teil leisten. Auch die Bauernfamilien! Diese sind nicht nur die Hauptbetroffenen, sondern auch die glaubwürdigsten Botschafterinnen und Botschafter in eigener Sache! Wir sind positiv, dass es uns mit vereinten Kräften und gemeinsamem Einsatz gelingen wird, das Volk davon zu überzeugen, dass die Initiativen viel zu extrem sowie nicht zielführend sind und enorme negative Folgen für den gesamten Land- und Ernährungssektor in unserem Land hätten. Wichtig ist es dabei aufzuzeigen, dass die Landwirtschaft nicht stehen bleiben will, sondern stetig an weiteren Verbesserungen arbeitet. Es bleibt also auch im kommenden Jahr viel zu tun. 
Liebe Bäuerinnen und Bauern, wir danken für Ihr Vertrauen und hoffen, diesem auch in Zukunft gerecht zu werden. Möglichkeiten uns zu beweisen, haben wir mehr als genug! 

Markus Ritter, Präsident 

Martin Rufer, Direktor