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Landwirtschaft steht im Fokus

Speziell im vergangenen Jahr war die extreme Trockenheit, die vor allem bei der Futterversorgung zu Engpässen führte und die Initiativenflut rund um die Landwirtschaft. Der Bauernverband ist und bleibt gefordert!

Liebe Bäuerinnen und Bauern

Mit einem Hieb fällt kein Baum, sagt ein deutsches Sprichwort. Die vor uns stehenden grossen Herausforderungen, fallen ebenfalls nicht mit einem Hieb. Vielmehr verlangen sie viel Ausdauer und gemeinsames Engagement.  Im letzten Jahr hatten wir es mit einer wahren Initiativen-Flut rund um die Landwirtschaft zu tun. In der ersten Jahreshälfte kamen die Initiative „Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung“ sowie die Initiative „Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide“ zustande. Weiter startete die Unterschriftensammlung für die Initiative „Keine Massentierhaltung in der Schweiz“. Im September war das Stimmvolk aufgefordert, sich zur Fair Food und Ernährungssouveränität zu äussern, im November zur Hornkuhinitiative.

Woher kommt dieses grosse Interesse an unserer Arbeit und warum scheint in der letzten Zeit unsere vorbildhafte Schweizer Landwirtschaft den gesellschaftlichen Anforderungen immer weniger zu genügen? Warum sehen eine wachsende Anzahl Menschen unsere Arbeit in einem so schlechten Licht? Wir tun gut daran, uns mit diesen Fragen zu beschäftigen. Denn nur wenn wir verstehen, können wir auch die richtigen Antworten geben, Zweifel ausräumen und das Vertrauen stärken.

Eine Erklärung ist die wachsende Entfremdung der Schweizerinnen und Schweizer von der landwirtschaftlichen Produktion. Es ist kein Zufall, dass die Hornkuh-Initiative in den grössten Städten der Schweiz eine Mehrheit fand. Gerade der urbanen Bevölkerung fehlt das Wissen rund um die landwirtschaftliche Praxis in der Schweiz und die Zusammenhänge. Viele haben heute keinen nähere Verwandte oder Bekannten mehr, die noch in der Landwirtschaft tätig sind. Entsprechend lassen sie sich leicht von einseitigen Behauptungen aus Umwelt- und Tierschutzkreisen verunsichern. Am Schluss glauben sie an gravierende Probleme, die es in dieser Form gar nicht gibt. Entsprechend empfänglich sind sie dann für vermeintlich einfache Lösungen und Schuldzuweisungen. Dass wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben, verschiebt den Blickwinkel ebenfalls. Die Grundbedürfnisse der Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer sind abgedeckt. Hunger kennt in unserem Land kaum jemand aus eigener Erfahrung.

Um das Vertrauen zu stärken, müssen wir mehr erklären und Engagement sichtbar machen.

Unser Engagement, um die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass weder die Trinkwasserinitiative noch jene zum Verbot synthetischer Pflanzenschutzmittel der richtige Weg sind, hat bereits begonnen. Wir wollen das Jahr 2019 intensiv dafür nutzen, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Wir müssen zeigen was wir tun. Und wir müssen glaubwürdig darlegen, dass wir bereit sind, noch besser zu werden. Dazu sind wir auf alle Bauernfamilien als Botschafterinnen und Botschafter angewiesen. Nutzen Sie jede Gelegenheit, um der nicht landwirtschaftlichen   Bevölkerung aufzuzeigen, was sie im Fall eines Ja erwarten würde: Höhere Preise und ein eingeschränktes Sortiment für einheimisches Essen. Nicht zu vergessen die Verschärfung der Umweltprobleme im Ausland.

Eine weitere Auffälligkeit des letzten Jahres waren die diversen Angriffe auf den Grenzschutz. Angefangen mit der unseligen Gesamtschau zur Agrarpolitik, mit welcher der Bundesrat unsere Landwirtschaft ohne jegliche Not infrage stellte. Es gelang uns, diese im Verlauf des Jahres im Parlament zu bodigen. In den Grenzschutzabbau-Reigen reihten sich im Herbst die Berichte von Avenir Suisse und economiesuissse ein. Diese sollten den Boden bereiten für die zahlreichen Freihandelsgespräche des Bundes: Neben den laufenden Verhandlungen mit den Mercosur-Staaten, Indonesien, Malaysia, Russland oder Indien, rückte auch die USA wieder in den Fokus.

Die zu tiefe Wertschöpfung am Markt ist ein Hauptproblem.

Allen Kritikern müssen wir in einem Punkt Recht geben. Die schwache Wertschöpfung ist ein grosses Problem. Die Landwirtschaft bekommt zu wenig vom Kuchen, welchen der Ernährungssektor unter sich verteilt. Das ist kein schweizerisches, sondern ein weltweites Problem und liegt in erster Linie an der ungünstigen Marktstruktur. Wenn die Produktionskosten steigen, verteuert sich ein Produkt. Das ist überall so, ausser in der Landwirtschaft. 2018 war ein Jahr von extremer Trockenheit. Mit dem Klimawandel müssen wir uns wappnen, dass wir künftig mehr solche Jahre, geprägt von grosser Trockenheit haben dürften. In den heissen Hochsommerwochen verfärbten sich viele unserer Wiesen und Weiden gelb, der Mais war vorzeitig welk. Viele Bauernfamilien mussten bereits im Sommer Wintervorräte verfüttern und in der Folge teures Futter zukaufen. Und was passierte mit dem Milchpreis? Nichts. Höhere Produktionskosten scheinen ganz allein unser Problem zu sein. Das ist insofern teilweise nachvollziehbar, als dass die Mengen trotz Futtermangel nicht sanken. So lange wir mehr Milch produzieren, als wir sie zu guten Preisen verkaufen können, dürfen wir längerfristig nicht auf höhere Preise hoffen. Weniger ist mehr, das sieht man auch in anderen Märkten, z.B. im Obstbau. Oft bleibt dort in einem mittelmässigen Jahr dank tieferen Kosten und höheren Preisen am Schluss mehr im Portemonnaie, als in einem Rekordjahr.

Mehr Wertschöpfung und Stabilität bei den Rahmenbedingungen sowie weniger Administration – das sind unsere wichtigsten Forderungen an die künftige Agrarpolitik 22+, die der Bundesrat im November in die Vernehmlassung schickte.  Wir verabschiedeten an unserer Delegiertenversammlung eine Resolution in diesem Sinn als erste Antwort.  Im Herbst kam auch die Botschaft zur Revision des Raumplanungsgesetzes zum Bauen ausserhalb der Bauzone heraus. Diese enthält für die Landwirtschaft mit Rückbauverpflichtungen, Grundpfandeinträgen, Kompensationen und Strafbestimmungen viel Zündstoff!

Gfreute Sache: Wieder mehr Junge in der Ausbildung!

Zum Schluss noch ein erfreulicher Punkt. Seit einigen Jahren und auch 2018 verzeichnen wir in allen Berufen des Berufsfelds Landwirtschaft steigende Lernendenzahlen. Wir wissen alle: Gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte sind die Grundlage für eine unternehmerische und nachhaltig produzierende Landwirtschaft. Wie professionell unser Betriebsnachwuchs unterwegs ist, davon konnte man sich dieses Jahr auch an den SwissSkills in Bern überzeugen.

Es gäbe noch viele weitere Themen, die Sie im weiteren Bericht finden. Dieser erscheint gedruckt in einem neuen Layout und in abgespecktem Umfang. Dafür finden Sie auf unserer Webseite zusätzlich sehr detaillierte Informationen zu den gesetzten Zielen und erreichten Resultaten im Jahr 2018. Beachten Sie dazu die QR-Codes bei den einzelnen Inhalten.

Liebe Bäuerinnen und Bauern, wir danken für Ihr Vertrauen und hoffen, diesem auch in Zukunft gerecht zu werden. Möglichkeiten uns zu beweisen, haben wir mehr als genug!

 

Markus Ritter, Nationalrat und Präsident

Jacques Bourgeois, Nationalrat und Direktor