Hauptinhalt

Unsere Tätigkeiten 2018

Weiterentwicklung Agrarpolitik

Die Delegierten verabschiedeten an der Jahresversammlung im November eine Resolution zur Agrarpolitik 22+. Darin fordern sie mehr Stabilität bei den Rahmenbedingungen, die Umsetzung des neuen Artikels 104a zur Ernährungssicherheit und weniger Administration. Ende Jahr gab der Bundesrat seine Botschaft zur Agrarpolitik 22+ in die Vernehmlassung, welche diesen Zielen in vielen Fällen zuwiderlief. Der SBV führte Gespräche mit den verschiedenen Interessensgruppen innerhalb der Landwirtschaft. Darauf aufbauend erstellte er eine provisorische Stellungnahme, die alle Mitgliedorganisationen erhielten, um ihre Anliegen und Ideen einzubringen.  

Freihandelsabkommen

Zum Thema Freihandel gibt es vertiefte Informationen im Interview auf Seite 12. Speziell zu erwähnten im vergangenen Jahr ist unser Engagement in der Palmöl-Koalition (Bild), die sich im Zusammenhang mit den Freihandelsabkommen mit Indonesien und Malaysia erfolgreich gegen die Einfuhr von nicht nachhaltig produziertem Palmöl wehrten. Dieses konkurrenziert verantwortungsvoll erzeugtes, einheimisches Rapsöl.

Neujahrsmedienkonferenz & Situationsbericht «Fairer Handel»

Wir starteten das Jahr mit der traditionellen Neujahrsmedienkonferenz (Bild) auf einem Bauernhof und der Präsentation des Situationsberichts, der sich dem Thema «Fairer Handel – in der Schweiz und weltweit» widmete». Gastgeber waren Urs Guggisberg und Nicole Hälg, die in Derendingen (SO) einen Milchbetrieb führen. Ihre Milch liefern sie der Molkerei Lanz, die einen rund acht Rappen über dem Brancheschnitt liegenden Milchpreis zahlt. Damit konnte das Betriebsleiterpaar in den letzten Jahren verschiedene Investitionen in die Milch und das Tier-wohl finanzieren. Unsere Forderung: In Zukunft muss vermehrt auf fairen Handel, statt Freihandel gesetzt wer-den. Die Medienkonferenz war gut besucht und fand auch Eingang in die Tagesschau.

Fokusmagazin Pflanzenschutz

Wir haben den traditionellen Situationsbericht mit sogenannten «Fokusmagazinen» ersetzt. Diese sind kürzer und erscheinen halbjährlich. Die erste Ausgabe trug den Titel «Warum unsere Pflanzen Schutz brauchen». Wir haben es an einer Medienkonferenz zum Thema Pflanzenschutz auf dem Ackerbaubetrieb von Markus Lüscher in Schalunen (BE) offiziell vorgestellt und anschliessend an breite Kreise verschickt.

Extreme Trockenheit

Die in vielen Regionen der Schweiz ausgeprägte Trockenheit hat die Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen gestellt und sich insbesondere negativ auf den Futterbau ausgewirkt. Der SBV hat ein Massnahmenpaket zur Abfederung der negativen Auswirkungen der Trockenheit initiiert: Auf Stufe der Politik z.B. eine Lockerung beim Vollzug der Direktzahlungsbestimmungen oder auf Stufe Markt zur Stabilisierung des Preises für Schlachtkühe. Der von uns geforderte «Solidaritäts-Fünfer» zur Deckung der Merhrkosten bei der Fütterung in der Milchproduktion lehnte die Milchbranche unverständlicherweise ab. Da extreme Wettersituationen zunehmen dürften, hat der SBV einen Vorstoss für die Einführung einer Ertragsausfallversicherung lanciert.

SwissSkills

Die Landwirtschaft nahm mit ihren Berufen wiederum an der nationalen Berufsmeisterschaft SwissSkills in Bern teil und genoss viel Aufmerksamkeit sowie eine sehr positive Berichterstattung im Radio und Fernsehen aller Sprachregionen. Rund 120‘000 Besucherinnen und Besucher, darunter über 60‘000 Schülerinnen und Schüler, besuchten an den fünf Tagen vom 12. - 16. September die SwissSkills 2018. Es fanden Wettbewerbe in den Berufen Landwirt/in (die Gewinner mit dem neuen Schweizer Meister Johannes Meyer in der Mitte sind auf dem Bild zu sehen), Gemüsegärtner/in, Winzer/in, Weintechnologe/in und Pferdeberufe statt. Die übrigen Berufe präsentierten sich an Ständen. Der Auftritt war beste Berufswerbung und zeigte die aussergewöhnliche Breite, Vielfalt, aber auch die hohen Anforderungen an die jungen Fachleute.

Wertschöpfung

Die Situation auf den Märkten ist und bleibt das A und O für die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft. Der SBV hat sich 2018 für optimale Marktordnungen engagiert und gerade für die Zuckerrübenproduktion wichtige Ergebnisse erzielt. Der Bundesrat hat die Einführung eines Mindest-Grenzschutzes für Zucker und die Erhöhung des Einzelkulturbeitrages für Zuckerrüben beschlossen. Weiter hat sich der SBV in den verschiedenen Branchen gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Fachorganisationen für vernünftige Übernahmebedingungen und marktkonforme Importe engagiert. Die Markterlöse der Landwirtschaft lagen im Jahr 2018 um ca. 250 Mio. über dem Vorjahr, wobei die Situation in den einzelnen Märkten sehr unterschiedlich war.

Insektenpetition

Der SBV lancierte zusammen mit den Naturfreunden Schweiz, ApiSuisse und Darksky die Petition «Insektensterben aufklären». Ende Jahr konnten wir diese mit 165‘512 Unterschriften an Bundesrat und Parlament übergeben (Bild). Die hohe Zahl der Unterzeichnenden zeigt auf, dass ein grosser Teil der Bevölkerung besorgt ist und den Bundesrat fordert, dem Insektensterben wissenschaftlich fundiert auf den Grund zu gehen.

Blühstreifenwettbewerb

Um die Biodiversität zu fördern, führte der SBV zusammen mit der Hochschule für Agrar-, forst- und Lebensmittelweissenschaften (HAFL), dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL) und Agroscope einen Blühstreifenwettbewerb mit vier unterschiedlichen Kategorien durch. Dabei wurden die schönsten Blühstreifen auf einem Schweizer Landwirtschaftsbetrieb erkoren. Blühstreifen dienen Nützlingen und Bestäubern als Nahrungsquelle und Lebensraum.

Pilotprojekt Flüchtlinge

2015 starteten wir mit Unterstützung des Staatssekretariats für Migration ein dreijähriges Pilotprojekt. Ziel war es herauszufinden, unter welchen Rahmenbedingungen anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen vermehrt Arbeit in der Landwirtschaft finden und behalten können. Mit einer Medienkonferenz stellten der SBV und das Staatssekretariat den Schlussbericht, die Learnings und das weitere Vorgehen vor und beendeten das Projekt offiziell. Die Vermittlung von Flüchtlingen als Arbeitskräfte auf Bauernhöfen läuft im Rahmen von kantonalen Projekten und der neuen Integrationsvorlehre weiter. 

Alles neu: Basiskommunikation

Nach 20 Jahren verabschiedete sich der SBV im Sommer 2018 vom beliebten Claim «Gut, gibt’s die Schweizer Bauern» und dem Landwirtschaftskreuz. An dessen Stelle trat neu «Schweizer Bauern» – begleitet vom Slogan «Von hier, von Herzen». Auch die Plakate kommen seither in einem frischen Kleid daher: Bäuerinnen und Bauern erklären unter dem Titel «Dein Bauer. Deine Bäuerin.» gleich selber, welche Leistungen sie für die Schweizer Bevölkerung erbringen, warum sie dies tun und für welche Werte sie einstehen.

Fakten zur Landwirtschaft

Es besteht viel Un- und Halbwissen zur Landwirtschaft. In der Folge lässt sich die Bevölkerung schnell von einseitigen Vorwürfen verunsichern. Deshalb haben wir ein Projekt mit dem Titel «Fakten zur Landwirtschaft» angerissen, das zum Ziel hat, über die aktuell im Vordergrund stehenden, problematischen Themen zu informieren. Im Zentrum steht der Aufbau des Agrowiki.ch, mit einfach verständlichen Grundlagen zu Pflanzenschutz, Fütterung, Tierhaltung, Biodiversität u.ä.m. Dieses wird fortlaufend ausgebaut. Zur Fütterung und Pflanzenschutz findet man dort auch kurze Videos. Ergänzend dazu gibt es Lockpfosten zum Aufstellen auf den Höfen, Flyer und die Begleitkommunikation auf den sozialen Medien.

Revision landwirtschaftlicher Ertragswert / Pachtzins

Agriexpert erhielt im Rahmen eines öffentlich ausgeschriebenen Auftrags des Bundesamtes für Landwirtschaft den Zuschlag, die Revision der Anleitung für die Schätzung des landwirtschaftlichen Ertragswertes als Fachbüro zu begleiten und zu betreuen. Per 1. April 2018 erfolgte die Inkraftsetzung. Das Ertragswertprinzip ist einer der wichtigsten Pfeiler im bäuerlichen Erbrecht und bildet die Basis für jede Hofübergabe. Das Wachstum der Betriebe und die Auswertung der zentralen Buchhaltungsdaten führten zu einem Anstieg der landwirt-schaftlichen Werte im Mittel von 14 Prozent. Als Folge der neuen, höheren Ertragswerte wurde auch die Pachtzinsverordnung angepasst. Der SBV und Agrixpert setzten sich in der Anhörung mit Erfolg für eine Härtefallklausel beim Pachtzins von Gewerben ein, welche den Anstieg pro Jahr auf 20 Prozent begrenzt.
Agriexpert hat in der ganzen Schweiz Kurse für Beratungspersonen aber auch Landwirte durchgeführt.

Agrivalor

Mit der Inkraftsetzung des neuen Schätzungsanleitung führte Agriexpert im April ein neues Programm für die Berechnung des Ertragswertes auf dem Markt ein. Agrivalor® kann ohne Installation auf dem Computer genutzt werden und funktioniert auf allen Geräten, auch Handys. Der Zugriff erfolgt online über eine Cloud. Seit der Inbetriebnahme sind hunderte bzw. tausende von Schätzungen ausgeführt worden. Mehrere kantonale Steuerämter verwenden für die Neuschätzung Agrivalor®. Für Landwirte oder Interssierte Personen ist auch ein Zugriff für nur eine Schätzung möglich.

AGRISANO: In allen Sparten gewachsen

Die Agrisano-Unternehmungen (Agrisano Stiftung, Agrisano Krankenkasse AG, Agrisano Versicherungen AG, Agrisano Prevos und Agrisano Pencas) haben im 2018 zugelegt und verzeichnen in allen Versicherungssparten ein Wachstum. Besonders stark angestiegen ist das Kollektiv in der Grundversicherung: 11‘000 Personen haben sich für einen Wechsel zur bäuerlichen Krankenkasse entschieden, das entspricht einer Zunahme von rund 8.5 Prozent.

Landwirtschaft unterstützt

Als Versicherer der Landwirtschaft unterstützt die Agrisano jedes Jahr zahlreiche bäuerliche Anlässe und Organisationen. Im 2018 waren es rund 550 solcher Veranstaltungen und Organisationen, die sie in der ganzen Schweiz gefördert hat. Das Engagement der Agrisano reichte im letzten Jahr erneut von Viehausstellungen über Delegiertenversammlungen, Traktorgeschicklichkeitsfahr- und Melk-Wettbewerben, Berufsmeisterschaften und Diplomfeiern bis hin zu Zucht- und Kleintierausstellungen. Unterstützt wurden Landfrauen, Bäuerinnen, Junglandwirte, Züchter und unzählige andere landwirtschaftliche Organisationen und Gruppierungen. Das soziale und gesellschaftliche Engagement der Agrisano ist und bleibt ein wichtiger Pfeiler ihrer Tätigkeit.