Inhalt - Freihandel & Grenzschutz

Worum geht es?

Nirgends sind die gesetzlichen Anforderungen an Umweltschutz und Tierwohl derart streng wie in der Schweiz. Der Grenzschutz vermag den daraus resultierenden Kostenunterschied gegenüber Importen etwas auszugleichen. Eine starke Schweizer Exportwirtschaft ist wichtig – die Landwirtschaft darf aber nicht fahrlässig auf deren Kosten geopfert werden.

Die wichtigsten Argumente

  • Die Schweizer Landwirtschaft produziert hauptsächlich für den einheimischen Markt. Dennoch liegt der Selbstversorgungsgrad bei weniger als 60 Prozent. Mit gegen 50% importierten Lebensmitteln steht die Schweiz weltweit an der Spitze der Nettoimporteure. Angesichts dieser Tatsache erweist sich der immer wieder erhobenen Vorwurf der Abschottung als geradezu paradox.
  • Ohne Grenzschutz müssen Schweizer Produkte mit billigen Importen konkurrieren. Der Druck auf die inländischen Produzentenpreise steigt. Handel und Verarbeiter weichen auf Importprodukte aus – insbesondere dort, wo es der Konsument nicht merkt, z.B. bei Butter und Zucker in Backwaren
  • Die Einkommen der Bauernfamilien liegen heute bereits 30 Prozent tiefer als bei vergleichbaren Sektoren. Mit einem Freihandelsabkommen würde sich die Situation weiter verschärfen.
  • Ökonomen versprechen den Konsumenten zwar, dass durch den Freihandel die Produkte im Laden günstiger werden. Das SECO äussert sich jedoch dahingehend, dass die Produzentenpreise bei einer Marktöffnung sinken, während die Konsumentenpreise gleichbleiben oder gar sogar steigen.

Freihandel & Grenzschutz

Der SBV setzt sich auf nationaler und internationaler Ebene für Rahmenbedingungen des grenzüberschreitenden Agrarhandels ein, die den Bedürfnissen der Schweizer Bauernfamilien, der Multifunktionalität der Landwirtschaft, der Ernährungssouveränität sowie den hohen landesüblichen Produktionsstandards Rechnung tragen.

Die agrar- und handelspolitischen Entwicklungen auf internationaler Ebene haben einen direkten Einfluss auf die Schweizer Landwirtschaft. Dies gilt insbesondere für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU sowie für die Vereinbarungen im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO). Um sich auf dem internationalen Markt behaupten zu können, geht die Schweiz mit Ländern aus der ganzen Welt Freihandelsabkommen ein, wie zum Beispiel letztes Jahr mit China (s. „Weitere Dokumente“ in der Randspalte). Mit der EU wurden im Agrarsektor verschiedene bilaterale Verträge abgeschlossen, die den Handel regeln. Aktuell verhandelt die Schweiz mit zahlreichen aufstrebenden Ländern.(s. Link SECO) und beobachtet gespannt die Verhandlungen zum TTIP (Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA).

Der SBV setzt sich in diesem Kontext für die Bedürfnisse der Schweizer Bauernfamilien ein. Er analysiert Handelsflüsse mit den wichtigsten Verhandlungspartnern und schätzt die Folgen einer Marktöffnung auf die Schweizer Landwirtschaft ab.

Im Weiteren pflegt der SBV regen Austausch mit diversen nationalen und internationalen Akteuren, insbesondere mit Bauernverbänden der Nachbarländer sowie von Ländern, welche ähnliche Ziele für ihre Landwirtschaft verfolgen wie die Schweiz (Norwegen, Japan, Kanada, Südkorea). Über den europäischen Dachverband (COPA) sowie über den Weltbauernverband (WFO) sensibilisiert der SBV für die speziellen Anliegen der Schweizer Landwirtschaft und fordert, dass diese auf internationaler Ebene respektiert werden.

Ein weiteres Anliegen des SBV im internationalen Bereich ist es, weltweit eine Landwirtschaft zu fördern, die wie in der Schweiz nachhaltig produziert und damit in jedem Land ihr Möglichstes zur sicheren und gesunden Versorgung der lokalen Bevölkerung leisten kann.

Gut zu wissen

Nicht alle Agrarprodukte und Lebensmittel sind aktuell gleichermassen geschützt. Gut geschützt sind z.B. Rind- und Kalbfleisch, wo der Selbstversorgungsgrad hoch ist. Beim Gemüse und Obst steigt der Zoll während der Erntezeit stark an, damit der Preis nicht zerfällt, wenn gleichzeitig ganz Südeuropa günstige Tomaten auf den Markt bringt. Vor und nach der Haupternte gibt es praktisch keine Zölle. Ein gut funktionierendes System, das die Preise stabilisiert!

Landwirtschaftlicher Aussenhandel

Sektorales Einkommen pro Familienarbeitskraft