Inhalt - September 2017

Bericht zur Lage der Landwirtschaft - September 2017

Der Nutztierbestand der Schweiz

Autor:    Daniel Erdin
Quelle:    Bundesamt für Statistik (BFS), Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Identitas AG (Tierverkehrsdatenbank TVD), Agristat (Schätzungen 2017)
2017 bleibt der Rindviehbestand annähernd stabil (-0.1 %). Der Rückgang der Milchkühe (-0.5 %) wird weitgehend durch die Zunahme der „anderen Kühe“ (+2.3 %) kompensiert. Der Schafbestand bleibt nach mehreren Jahren mit Abnahmen erstmals insgesamt stabil. Die zunehmende Beliebtheit von Ziegen- und Schafmilchprodukten führt zu einer Zunahme der Ziegen und der Milchschafe (+5 %). Der Schweinebe-stand ist weiterhin leicht rückläufig (-1.7 %). Der Bestand der Mastpoulets (+5 %) ist weiter angestiegen.

 

Methode der Bestandesschätzung

Für das Rindvieh wurden die monatlichen Bestandesdaten der Tierverkehrsdatenbank (TVD) als Quelle benutzt. Da die Meldungen der Geburten oft mit etwas Verspätung erfolgen, unterschätzen die betreffenden Monatsstatistiken jeweils die Anzahl Kälber und Jungkühe geringfügig. Dafür sind allenfalls jeweils einige Abgänge noch nicht erfasst. Dies dürfte den Trend der Bestandesentwicklung jedoch kaum beeinflussen. Auf der Basis dieser TVD-Daten wurden bis 2016 durchschnittliche Jahresbestände gerechnet und für das Jahr 2017 für die fehlenden Monate (September-Dezember) geschätzt (Tabelle 1).
Für die übrigen Viehbestände wurden bis 2016 die definitiven landwirtschaftlichen Strukturdaten des BFS verwendet. Für das Jahr 2017 wurden die Bestände anhand unvollständiger kantonaler Daten der Direkt-zahlungserhebung 2017 geschätzt. Die Schätzungen für das Jahr 2017 sind noch nicht sehr präzise. Deshalb wird in Tabelle 2 jeweils auch das Vertrauensintervall angezeigt, in welchem die tatsächlichen Bestände mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% liegen sollten. Die Vertrauensintervalle zeigen, dass die Genauigkeit der Schätzung je nach Tierkategorie sehr unterschiedlich ausfallen kann.
Für die Equiden (Tiere der Pferdegattung) werden in Tabelle 3 die Januarbestände der Tierverkehrsdatenbank angezeigt. Im Gegensatz zu den Daten auf der Basis der landwirtschaftlichen Stukturerhebung (Tabelle 2) erfasst die TVD alle Equiden, auch jene, welche nicht auf Landwirtschaftsbetrieben gehalten werden.
Um die Entwicklung der einzelnen Tiergattungen vergleichbar darzustellen, wurden in der Grafik 1 die Bestandesdaten gemäss Tabelle 2 indexiert mit der Basis 2007=100. Dabei zeigt sich insbesondere bei Ziegen, Schafen, anderen Raufutterverzehrern und den Truten ein deutlicher Bruch zwischen den Bestandeszahlen bis 2014 und jenen ab 2015. Die Ursache ist die Vorverlegung des Stichtages vom Mai in den Januar im Jahr 2015.

 

Rindvieh

Die Bestandesdaten der Rinder befinden sich in Tabelle 1. Der Gesamtbestand entwickelt sich 2017 im Jahresmittel annähernd stabil. Der Milchkuhbestand geht jedoch auch 2017 weiter zurück (-3001 Kühe bzw. -0.5 %), aber deutlich schwächer als in den Vorjahren. Der Rückgang der Milchkühe wird dabei zum grössten Teil durch die Zunahme bei den anderen Kühen (+ 2836 bzw. +2.3 %) kompensiert. Auffallend sind die Zunahmen bei allen männlichen Kategorien ab 8 Monaten. Dafür gibt es diverse Gründe: Die Weide- und Grossviehmast werden laufend zu Lasten der Kälbermast ausgedehnt, womit insbesondere die männlichen Tiere im Schnitt älter werden. Mit der Ausdehnung der Mutterkuhhaltung halten zudem immer mehr Betriebe wieder einen Zuchtstier. Aber auch für Milchviehbetriebe wird es aufgrund der grösseren Bestände und der zunehmend verfügbaren Resultate der genomischen Zuchtwertschätzung wieder attraktiver, einen Zuchtstier zu halten.

 

Pferdegattung

Der Pferdebestand der Landwirtschaftsbetriebe nimmt tendenziell leicht ab (siehe Tabelle 2). Der Rückgang bei den Stuten (-4 %) und den Fohlen (-9 %) hält weiter an. Der gesamte Pferdebestand gemäss TVD (Tabelle 3) ist um einiges grösser als der landwirtschaftliche Pferdebestand (Tabelle 2). Leider sind die Kategorien nicht ganz vergleichbar. Ein Vergleich ist am ehesten möglich, wenn man Pferde (inklusive Ponys) und Esel für jede Quelle zusammenfasst. Die resultierende Differenz zwischen Pferden und Eseln gemäss TVD und gemäss Strukturerhebung beträgt 34 807 Tiere. Dies sind Pferde und Esel, welche nicht auf Landwirtschaftsbetrieben gehalten werden.

 

Schafe

Der Bestand der Milchschafe nimmt um knapp 5 % zu. Der Gesamtbestand verändert sich kaum, womit der Rückgang der vorangehenden Jahre vorerst ein Ende findet.

 

Ziegen

Der Ziegenbestand nimmt deutlich zu, um mindestens 2000 Ziegen (+3 %). Dies passt zur aktuellen Marktsituation, da Ziegenmilchprodukte durch die Konsumenten vermehrt nachgefragt werden.

 

Andere Raufutterverzehrer

Bei den Raufutterverzehrern lässt sich insgesamt nur wenig Bewegung feststellen. Die Boom-Jahre sind offensichtlich vorbei und es ergeben vor allem Verschiebungen zwischen den Kategorien. So nehmen die Rothirsche (+9 %) zu und dies tendenziell zu Lasten der Damhirsche. Bei den Neuweltkameliden stagniert die Anzahl der Lamas, während jene der Alpakas (+4.5 %) weiter ansteigt.

 

Schweine

Die Schätzung des Schweinebestandes 2017 ist aufgrund fehlender Daten von wichtigen Kantonen noch nicht sehr genau. Der Schweinebestand dürfte jedoch um knapp 2 % zurückgehen. Der schwache Rückgang kann in der Fleischproduktion wohl grösstenteils durch die zunehmende Produktivität und ansteigende Schlachtgewichte kompensiert werden. Grössere Veränderungen sind im Jahr 2018 zu erwarten, wenn auf den 1. September 2018 verschärfte Anforderungen an die Schweineställe in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt sind Ställe mit Vollspaltenböden nicht mehr erlaubt. Dies wird zu einer Reduktion von bis zu 50 000 Mastplätzen führen und zu einem entsprechenden Rückgang bei den Muttersauen. Wie gross der Rückgang effektiv sein wird, kann jedoch kaum geschätzt werden.

 

Geflügel

Der Bestand der Legehennen stagniert 2017, während der Bestand der Mastpoulets um knapp 5 % zu-nimmt. Die ermittelte Zunahme bei den Mastpoulets passt recht gut zu den Schlachtzahlen von anfangs 2017, welche auch entsprechend über dem Vorjahresniveau lagen. Aufgrund schwankender Importe von Bruteiern und Küken sind die Bestände der Küken, Junghennen, Junghähne, Zuchthähne und Zuchthennen schwieriger zu beurteilen. Der Trutenbestand nimmt um knapp 4 % zu und damit deutlich schwächer als im Vorjahr.

 

Kaninchen

Seit dem Peak des Kaninchenbestandes in den Jahren 2010 und 2011 geht der Bestand jedes Jahr zurück. Auch 2017 ist ein Rückgang um knapp 5 % zu verzeichnen.

Der Bericht zur Lage der Schweizer Landwirtschaft ist ein Auszug aus der Publikation "Agristat – statistisches Monatsheft"