Inhalt - 04.04.14 Pflanzenschutzmittel

Pflanzenschutz nicht verteufeln

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 4. April 2014

Dem Schweizer Bauernverband ist ein sorgfältiger und verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutzmitteln wichtig. Deshalb hat er heute am Workshop des Bundes zum Thema Pflanzenschutzmittel mitgewirkt. Er wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass die Abnehmer und Konsumenten heute die Latte bezüglich Produktequalität so hoch stecken, dass diese mit Natur allein nicht erreicht werden kann.

Die Bundesämter für Landwirtschaft (BLW), Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und Umwelt (BAFU) sowie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) führten heute einen Workshop durch zum Thema «Nachhaltige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Risikominimierung: wo besteht Handlungsbedarf?». Die Einladung ging an Konsumentenschutz-, Landwirtschafts- und Umweltorganisationen, an Industrie, Detailhandel, kantonale Behörden sowie Institutionen aus Forschung, Bildung und Beratung. Ziel war es zu eruieren, wo die Eingeladenen den dringendsten Handlungsbedarf sehen zum Schutz des Menschen,  der Umwelt und der Kulturen. Auslöser war ein Postulat von Nationalrätin Tiana Angelina Moser (GLP, ZH), das einen Aktionsplan zur Risikominimierung und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln fordert.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) begrüsst die Erarbeitung eines Aktionsplans, der sämtliche Aspekte des Pflanzenschutzes aufzeigt. Für die Landwirtschaft sind alle drei Bereiche – Menschen, Umwelt und Kulturen – wichtig. Der SBV stellt aber fest, dass vor allem der Schutz der Kulturen immer mehr unter Druck kommt. Dabei ist eine produzierende Landwirtschaft auf Pflanzenschutzmittel angewiesen, selbst wenn sie vorbeugende Massnahmen  trifft. Optimale Bodenbearbeitung, Verwendungen von reinem Saatgut oder Einhaltung der Fruchtfolgen sowie das ausschliessliche Eingreifen bei Überschreiten von festgelegten Schadschwellen gehören dazu. Sie reichen heute aber oft nicht, um die Qualitätsansprüche der Abnehmer und der Konsumenten zu erfüllen. Denn diese verlangen perfekte Ware. Wer will heute noch einen Salatkopf mit Blattläusen im Laden kaufen, Kartoffeln mit Drahtwurmlöchern schälen oder einen Apfel mit Schorfflecken essen? Beim Raps ist der Schädlingsdruck des Rapsglanzkäfers so hoch, dass nicht einmal mehr ein Prozent des Schweizer Rapses nach Bio-Richtlinien angebaut wird. Ein weiteres Thema ist die Resistenzbildung: Je weniger Mittel im Einsatz sind, desto weniger gezielt können sie eingesetzt werden und umso  grösser ist die Gefahr, dass es zu Resistenzen kommt. Der hohe wirtschaftliche Druck spielt ebenfalls eine Rolle. Ohne Pflanzenschutzmittel geht der Ertrag im Schnitt um bis zu 30 Prozent zurück. Das müssen zusätzliche Importen ausgleichen, bei denen die hohen Schweizer Anforderungen nicht zum tragen und Pflanzenschutzmittel nach Belieben zum Einsatz kommen.

Diese Argumente der Qualitätsanforderungen, des Resistenzmanagements sowie der Ertrags- und Ernährungssicherheit müssen in der Diskussion rund um den Aktionsplan Pflanzenschutz und die Kommunikation berücksichtigt werden. Zuerst muss der Bundesrat allerdings entscheiden, ob er überhaupt einen solchen Aktionsplan will.

 

Rückfragen

  • Nadine Degen, Leiterin Pflanzenbau SBV, Tel. 079 824 43 68

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