Inhalt - 03.10.17 Einkommen

Bäuerliche Einkommen liegen deutlich unter Vergleichseinkommen

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 3. Oktober 2017

Die Landwirtschaft durchlebt turbulente Zeiten. Trotz hohen Engagements und viel Innovationskraft bleiben die Einkommen bescheiden. Das Bundesamt für Statistik und die Eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope veröffentlichten heute die aktuellsten Wirtschaftsstatistiken für die Landwirtschaft. Zwar steigen die bäuerlichen Einkommen 2016 gegenüber dem Vorjahr, mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von weniger als 50’000 Franken fällt die Landwirtschaft aber deutlich gegenüber vergleichbaren Berufen ab.

Das Bundesamt für Statistik und die Eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope veröffentlichten heute die aktuellsten Wirtschaftsstatistiken für die Landwirtschaft. Agroscope wertete dafür die Abschlüsse 2016 der Buchhaltungen von 2094 zufällig ausgewählten Landwirtschaftsbetrieben aus und zeigt damit die Entwicklung aus einer mikroökonomischen, betriebswirtschaftlichen Sicht. Das Bundesamt für Statistik (BFS) hingegen publizierte eine Schätzung der Ergebnisse für das noch laufende Jahr in der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR). Im Zentrum stehen die sektorale Wertschöpfung, Produktion und Ausgaben der Landwirtschaft als Wirtschaftsbereich – also ein makroökonomischer, aggregierter Ansatz.

Gemäss Agroscope stiegen die landwirtschaftlichen Einkommen 2016 gegenüber dem Vorjahr je Gesamtbetrieb im Schnitt um 4.7 Prozent auf 64‘300 Franken, der durchschnittliche Arbeitsverdienst je Familienarbeitskraft um 5.9 Prozent auf 47‘200 Franken. Zur Ertragssteigerung trug vor allem das bessere Resultat in der Tierhaltung bei, das die Betriebe im Durchschnitt trotz Milchpreisbaisse realisieren konnten. Leider setzt sich der Trend fort, dass die Berggebiete von dieser Steigerung weniger profitieren konnten. Ihre Einkommen liegen bereits rund einen Drittel unter jenen von vergleichbaren Berufen. Im Berggebiet erreicht die Landwirtschaft knapp die Hälfte, im Talgebiet 70 Prozent der Vergleichseinkommen – und dies bei überdurchschnittlich langen Arbeitszeiten.

Die LGR des BFS geht von einer Erhöhung des Nettounternehmenseinkommen 2017 von 2.2 Prozent auf 3.14 Mrd. Franken aus. Die Schätzungen des Produktionswertes für den Sektor 2017 fielen trotz Wetterkapriolen positiv aus. Der Produktionswert der Landwirtschaft bleibt fast unverändert bei 10.3 Mrd. Franken. Frost im Frühjahr, Hagel und Trockenheit führten zwar regional zu massiven Ausfällen – dies vor allem bei den Spezialkulturen und dem Pflanzenbau. Gesamthaft betrachtet konnten die guten Ergebnisse in den grossen Ackerkulturen diese Einbussen wieder egalisieren. In der Tierhaltung setzt sich das Bild von 2016 fort. Während die Milchproduzenten unter nach wie vor sehr tiefen Preisen leiden und die Situation auf dem Schlachtschweinemarkt stagniert, verbesserten sich vor allem die Ergebnisse in der Geflügel- und Eierproduktion.

Beide Statistiken zeigen im Durchschnitt eine leichte Verbesserung der Einkommenssituation in der Landwirtschaft gegenüber dem Vorjahr – sowohl 2016 als auch in der Prognose 2017 (wobei ein direkter Vergleich aufgrund methodischer und statistischen Unterschiede nicht zulässig ist). Mittelwerte sind aber nur bedingt geeignet, die spezifische, individuelle Situation von Betrieben abzubilden. Auf den zweiten Blick offenbart die Auswertung von Agroscope, dass eine ansehnliche Zahl der Betriebe sich in einer völlig unbefriedigenden Einkommenssituation befindet.

Diese Zahlen verdeutlichen einmal mehr, dass es keinen Anlass für Sparübungen in der Landwirtschaft gibt. Denn nur eine wirtschaftlich gesunde Landwirtschaft mit ansprechenden Verdienstmöglichkeiten wird das vom Schweizer Stimmvolk vor zehn Tagen bestätigte Ziel erreichen, die Ernährungssicherheit in der Schweiz langfristig zu sichern.

 

Rückfragen:

  • Markus Ritter, Präsident SBV, Mobile 079 300 56 93
  • Martin Brugger, Stv. Leiter Departement Wirtschaft, Bildung & Internationales, Mobile 079 676 43 23

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