Inhalt - 13.11.17 Antibiotika

Landwirtschaft halbierte Antibiotikaeinsatz und Engagement geht weiter

Antibiotika-Awareness-Woche: Medienmitteilung der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte sowie des Schweizer Bauernverbands vom 13. November 2017

Die Themen Antibiotikaeinsatz und -resistenzen sind für die Landwirtschaft von grösster Bedeutung. Dank Förderung der Gesundheit, Optimierung der Haltung, alternativen Behandlungsmethoden, einer höheren Sensibilität und neuen Projekten ist es in den letzten zehn Jahren bereits gelungen, den Antibiotikaeinsatz fast zu halbieren. Die Landwirtschaft und die Nutztiermedizin bleiben weiter dran, denn die Resistenzproblematik ist nicht gelöst. Verschiedene Projekte sind neu lanciert. Doch die Humanmedizin muss auch mitziehen!

Vorsorgen ist besser als heilen. Getreu diesem bewährten Leitsatz sind die Landwirtschaft sowie die Tierärztinnen und -ärzte schon länger bestrebt, die Gesundheit der Nutztiere zu fördern und den Gebrauch von Antibiotika so weit wie möglich zu reduzieren. Das Problem der zunehmenden Antibiotikaresistenzen ist sehr ernst, denn die Verfügbarkeit von wirksamen Mitteln ist für kranke Menschen und Tiere überlebenswichtig. Die Nutztierhalter sind entsprechend aus ureigenem Interesse bestrebt, den Antibiotikaeinsatz auf das Nötigste zu reduzieren. Zusammen mit den Bestandestierärztinnen und -ärzten und mit Unterstützung der Fachverbände, der Wissenschaft und den Veterinärbehörden sind sie seit längerem aktiv, um mit neuen sowie alternativen Arbeits- und Behandlungsmethoden ihren Beitrag gegen die Zunahme von Antibiotikaresistenzen zu leisten.

Der erste Schritt erfolgte bereits 1999, als Antibiotika in Form von antimikrobiellen Leistungsförderern im Futter in der Schweiz verboten wurden. Schaut man in die jüngere Vergangenheit, sind die Resultate ebenfalls positiv: Seit 2008 ging die eingesetzte Gesamtmenge von antimikrobiellen Wirkstoffen in der Nutztierhaltung um 45 Prozent zurück. Allein vom Jahr 2015 zum Jahr 2016 betrug der Rückgang neun Prozent. Das ist umso erfreulicher, als der Einsatz der sogenannten kritischen Antibiotika im gleichen Jahr um rund einen Viertel sank. Doch die Erfahrung zeigt, dass sich das Problem der Resistenzen nicht allein mit der Mengenreduktion lösen lässt. Dazu braucht es weitere Massnahmen, weshalb verschiedene Neuerungen und Projekte lanciert wurden.

Seit 2016 gelten neue Regelungen in der Tierarzneimittelverordnung: Um die Bildung von Resistenzen zu vermeiden, dürfen seither kritische Antibiotika nicht mehr auf Vorrat abgegeben werden. Prophylaktische Behandlungen oder Behandlungen ohne Konsultation des Tierarztes sind damit ausgeschlossen. Die Schweinehalter starteten 2016 die „Plus-Gesundheitsprogramme“. Die Dokumentation mit einem elektronischen Behandlungsjournal soll gezielte Auswertungen und den betriebsübergreifenden Vergleich ermöglichen. Daraus ergibt sich zusammen mit Leistungsdaten eine individuelle Beratung zur Gesundheitsprophylaxe und Reduktion des Antibiotikaeinsatzes auf den Schweinebetrieben. Im Sommer 2017 nahm der auf Initiative der Kälber- und Rindermäster gegründete Kälbergesundheitsdienst die Arbeit auf. Seine Aufgabe besteht darin, Präventionskonzepte zur Optimierung der Tiergesundheit zu erarbeiten, Kälbererkrankungen und deren Behandlung zu erfassen und darauf aufbauend die Bestandesdiagnostik und -betreuung zu optimieren. Ziel ist es schlussendlich, dank guter Vorsorge den Einsatz von Antibiotika bei Kälbern innerhalb von sechs Jahren zu halbieren und damit sowohl den Tierschutz als auch die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Die Schweizer Geflügel- und Eierproduktion kommt dank flächendeckenden Hygienemassnahmen im internationalen Vergleich mit sehr wenig Antibiotika aus. Die durchorganisierten Produktionsketten von der Bruteierproduktion über Kükenaufzucht, Pouletmast bis zur Schlachtung sichern die Gesundheit der Tiere über alle Stufen.

Mit einer breiten Palette von Einzelmassnahmen sind auch die Milchproduzenten daran, über Beratung, den Einsatz von Komplementärmedizin sowie die züchterische Selektion die Gesundheit der Kühe zu verbessern, den Einsatz von Antibiotika weiter zu reduzieren und so mögliche Resistenzbildungen zu vermeiden. Seit 2013 werden die Gesundheitsdaten in der Schweizer Milchviehzucht erfasst und so die Fitness und Robustheit der Rassen grundsätzlich verbessert. Die Klauenpflegervereinigung und die Vetsuisse-Fakultät planen aktuell ein Klauengesundheitsprojekt und der Bund baut auf das Jahr 2019 eine Antibiotikaverbrauchsdatenbank im Veterinärbereich auf. Jeder Antibiotikaeinsatz wird darin erfasst und bei übermässigem Einsatz kann gezielt interveniert werden. Es laufen weiter Diskussionen über Sanierungs- oder Tilgungsprogramme z.B. für Moderhinke und Paratuberkulose. Damit würde verhindert, dass gewisse Krankheiten in der Schweiz überhaupt auftreten.

Tierärztinnen, -ärzte und Nutztierhalter nehmen die Resistenzproblematik ernst. Sie leisten mit zahlreichen Projekten bei den verschiedenen Nutztierarten wesentliche Beiträge, um den Antibiotikaeinsatz und so die Resistenzbildung zu reduzieren. Es ist aber nicht möglich, dass die Landwirtschaft die Probleme der Humanmedizin löst, die diese in Spitälern und Arztpraxen selber verursacht. Sie muss ihre Hausaufgaben ebenfalls machen!

Rückfragen:

  • Blaise Voumard, Vizepräsident Gesellschaft Schweizer Tierärzte, Mobile 079 637 56 56
  • Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte & Ökologie, Schweizer Bauernverband, Mobile 078 803 45 54
  • Stefan Hagenbuch, Direktor Schweizer Milchproduzenten, Mobile 079 292 97 52  
  • Matteo Aepli, Geschäftsführer SUISAG-SGD, Tel. 041 462 65 81
  • Martin Kaske, Geschäftsführer Kälbergesundheitsdienst, Mobile 079 964 93 88

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