Inhalt - 19.09.08 Flussläufe versus Kulturland – beides zählt!

Flussläufe versus Kulturland – beides zählt!

Standpunkt vom 19. September 2008

Im Juli 2006 hat der Schweizerische Fischereiverband mit Unterstützung zahlreicher Umweltschutzorganisationen die Volksinitiative "Lebendiges Wasser" eingereicht. Diese verlangt die Renaturierung von Flussläufen. Ein Jahr später entschied der Bundesrat, die Initiative ohne Gegenvorschlag abzulehnen. Dem wiederum widersprach die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) des Ständerats, die als Gegenvorschlag die parlamentarische Initiative „Schutz und Nutzung der Gewässer“ einreichte. Doch auch bei dieser Variante gehen 2000 ha wertvolles Kulturland an bester Lage für immer verloren. Zusätzliche 20'000 ha gutes Kulturland würden für den Hochwasserschutz und die Gefahrenprävention der periodischen Überflutung preisgegeben. Damit werden von der Landwirtschaft einmal mehr Leistungen zu Gunsten der Allgemeinheit verlangt, deren Abgeltung mit keinem Wort erwähnt wird. Die vorgeschlagenen Massnahmen betreffen immerhin rund 7% der wertvollsten Produktionsflächen und opfern knapp 1% (2000 ha) Flächen unwiderruflich. Das entspricht der Fläche von mehr als 3000 Fussballfeldern! Ich habe nichts gegen natürliche Flussläufe und Hochwasserschutz. Aber man muss auch berücksichtigen, dass wir in der Schweiz nicht Land im Überfluss haben. Dem Schutz des Kulturlands als zentrale Grundlage der Nahrungsmittelversorgung muss derselbe Stellenwert eingeräumt werden, wie dem Schutz der Gewässerräume. Ernährungssicherung und -souveränität sind zentrale Anliegen, die bedingen, dass wir das inländische Produktionspotenzial zumindest auf dem heutigen Niveau erhalten. Es ist keine Option, die Schweizer Landwirtschaft stetig weiter zu ökologisieren und dafür mehr Nahrungsmittel aus dem Ausland zu importieren mit allen damit verbundenen Nachteilen. Neben umwelt- und energierelevanten Fragestellungen müssen deshalb auch die Auswirkungen auf die Landwirtschaft sowie deren Anliegen bedacht werden. Erstens: Wir erwarten, dass die landwirtschaftlichen Nutzflächen mit Sorgfalt behandelt werden und soweit wie möglich erhalten bleiben. Zweitens: Renaturierungsmassnahmen müssen über einen separaten, vom Agrarbudget unabhängigen, Kredit abgegolten werden. Und drittens: Renaturierungsflächen müssen als die vorgeschriebenen ökologische Ausgleichsflächen akzeptiert sein. In diesem Sinn hat der Schweizerische Bauernverband diesen Sommer eine Stellungnahme zur parlamentarischen Initiative „Schutz und Nutzung der Gewässer abgegeben. Er wird die Interessen der Landwirtschaft auch in der UREK-Nationalrat und im Parlament einbringen. Kulturland zählt nicht weniger als natürliche Flussläufe!

Jacques Bourgeois, Direktor Schweizerischer Bauernverband