Inhalt - 13.01.10 Landwirtschaft braucht Biodiversität braucht Landwirtschaft

Landwirtschaft braucht Biodiversität braucht Landwirtschaft

Standpunkt vom 13. Januar 2010

2010 wurde von der UNO zum Internationalen Jahr der Biodiversität ausgerufen. Diese Woche erfolgte auch in der Schweiz die offizielle Eröffnungsfeier mit Bundesrat Moritz Leuenberger. An zahlreichen über das ganze Jahr verteilten Veranstaltungen und Events, soll der Bevölkerung die Bedeutung und der Wert der biologischen Vielfalt näher gebracht werden. Biodiversität ist überall zu finden: In unserer Nahrung (z.B. verschiedenen Gemüsearten und -sorten), in den Gebäuden, in denen wir arbeiten und wohnen (das Holz aus dem sie gebaut sind), in Medikamenten (oft aus Bestandteilen und Wirkstoffen von Pflanzen und Tieren), in den Kleider, die wir tragen (Seide, Baumwolle), um nur einige Beispiele zu nennen. Die biologische und genetische Vielfalt ist die Basis für die Anpassung an neue Bedingungen und damit für das langfristige Überleben sämtlicher Lebewesen.

Seit jeher spielt die Landwirtschaft dabei eine Schlüsselrolle. Nehmen wir das Beispiel der Schweiz: Wir haben eine grosse Vielfalt an Agrarlandschaften, Lebensräumen und Ökosystemen mit einer Fülle an Pflanzen- und Tierarten. Über die Nutzung gestalten und pflegen die Bauernfamilien diese. Sie stellen damit eine wichtige Basis für die Biodiversität zur Verfügung. Seit rund 15 Jahren werden Biodiversitätsleistungen von der Agrarpolitik mit speziellen Massnahmen gefördert und abgegolten. Die ökologische Qualität konnte damit flächendeckend kontinuierlich gesteigert werden, dies dokumentiert auch der Bund in diversen Publikationen. Noch nie in jüngerer Zeit produzierte die Schweizer Landwirtschaft so effizient und gleichzeitig so ökologisch wie heute. Dass lokal noch Handlungsbedarf besteht, ist nicht abzustreiten. Diese Mankos müssen mit gezielten Anreizprogrammen Schritt um Schritt angegangen werden.

Bei all den Anstrengungen zur Förderung der Biodiversität darf aber nicht vergessen werden, dass der wichtigste Auftrag an die Landwirtschaft nach wie vor die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden, nachhaltig produzierten Lebensmitteln ist. Immer ökologischer und extensiver und gleichzeitig immer günstiger schliessen sich allerdings gegenseitig aus. Der aktuelle Druck der Politik in Richtung Marktöffnung, Marktliberalisierung und EU-Agrarfeihandel kann sich dabei als Bärendienst an der Biodiversität erweisen.

Wertvolle Produktionsflächen und damit auch die Biodiversität stehen vielerorts unter Druck. In den Talgebieten sind es die sich ausbreitenden Flächen für Siedlungen, Gewerbebauten oder Verkehrswege. Die zunehmende Zerstückelung wertvoller Lebensräume ist hier die Realität. Im Berggebiet ist es primär die Nutzungsaufgabe infolge fehlender Zukunftsperspektiven, welche die vorhandene Biodiversität bedroht. Um diese Entwicklungen zu stoppen und die Biodiversitätsleistungen auch in Zukunft erbringen zu können, braucht die Landwirtschaft Rahmenbedingungen, die es unseren Familienbetrieben erlauben, weiterhin multifunktional, nachhaltig und vielfältig zu produzieren. Vor allem aber müssen die verschiedenen Politikbereiche den gemeinsamen und klaren Willen verfolgen, der Produktion und Biodiversität zusammen eine Chance zu geben.

Heinz Hänni, Geschäftsbereich Energie und Umwelt, Schweizerischer Bauernverband