Inhalt - 03.07.12 Schutz des Bodens wird salonfähig

Schutz des Bodens wird salonfähig

Standpunkt vom 3. Juli 2012


Innerhalb weniger Monate wurden zwei neue Interessengruppen ins Leben gerufen: Die Interessengemeinschaft für die Erhaltung der landwirtschaftlichen Flächen in der Broye "Gistab" und die Interessengemeinschaft "Pro Agricultura Seeland". Das Ziel beider ist das gleiche: Die Erhaltung von landwirtschaftlichem Kulturland. Ihre Vorgehensweise auf regionaler Ebene macht Sinn und ist mutig. Es ist kein Zufall, dass sich diese beiden Gruppen in gut erschlossenen Ebenen befinden, in Regionen mit Potential für bedeutende wirtschaftliche Entwicklung und bestem Ackerland.

Da dem Wert von landwirtschaftlichem Kulturland häufig zu wenig Beachtung geschenkt wird, sind solche Verfechter wichtig. Landwirtschaftsflächen stehen unter grossem Druck. Sie dienen als Baulandreserven für Industrie- und Wohngebiete, als ökologische Ausgleichsfläche, für die Revitalisierung der Gewässer und auch für die Wiederaufforstung von gerodeten Flächen.

Unsere Gesellschaft trägt nach wie vor wenig Sorge zur Quantität und der Qualität des Bodens. Verwendung ist an der Tagesordnung, obwohl die Knappheit infolge der grossen Verluste in den letzten Jahren immer eklatanter wird. Ohne Ackerland gibt es keine Landwirtschaft und unsere Abhängigkeit von ausländischen Produkten, die bereits heute über 40% unseres Lebensmittelbedarfs ausmachen, erhöht sich. Dies belastet die Umwelt zusätzlich, zum Beispiel über die längeren Transportwege. Der Schutz der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist ein vorrangiges Ziel im Rahmen des ersten Teils der Revision des Raumplanungsgesetzes. Dieses will landwirtschaftliche Flächen schützen, das Wohnen in Zukunft verdichten und vermehrt industrielle Brachen nutzen.

Das Vorgehen der beiden Interessengruppen ist mutig. Sie setzen sich mit den Anforderungen einer immer urbaner geprägten Umwelt auseinander, die immer weniger über die Realitäten der Landwirtschaft und deren Rollen weiss. Natürlich wollen sich ländliche Gebiete wirtschaftlich entwickeln können. Entsprechend sind vermehrte Interessenskonflikte um die knappe Ressource Boden zu erwarten. Dabei werden Kompromisse nötig sein, bei denen beide Seiten Opfer bringen müssen. Bisher war es allerdings meist einseitig die Landwirtschaft, welche diese Bodenopfer erbrachte.

Es ist wichtig, dass diese regionalen, interkantonal tätigen Organisationen eine starke Bindung zu den kantonalen landwirtschaftlichen Organisationen pflegen. Der Schweizerische Bauernverband unterstützt das Engagement dieser beiden neuen Interessengruppen, wünscht ihnen viel Erfolg bei ihren Vorhaben und hofft, dass sie auch andere Regionen mit ihrer Dynamik inspirieren.

Francis Egger, Mitglied der Geschäftsleitung SBV