Inhalt - 19.09.12 AP 2014-17

In einigen Jahren nicht im Abseits stehen!

Standpunkt vom 19. September 2012


Lebensmittel produzierende Landwirte oder Landschaftsgärtner? Diese grundsätzliche Frage stellt sich im Zusammenhang mit der neuen Agrarpolitik 2014-17, welche das Schwergewicht auf flächengebundene Direktzahlungen legt. Wirtschaftskreise in ungewöhnlicher Allianz mit Ökoverfechtern wollen der vollständigen Umlagerung zum Durchbruch verhelfen. Doch ist dieser Weg wirklich angemessen? Was werden die gleichen Kreise in einigen Jahren dazu sagen, wenn man feststellt, dass Anreize möglicherweise völlig falsch gesetzt sind. Mit der neuen Agrarpolitik gilt: Je grösser der Betrieb, desto grosszügiger die Zahlungen der öffentlichen Hand. Je weniger der Betriebsleiter auf seinem Land produziert, desto mehr Geld darf er erwarten. Gemäss Bundesrat und Bundesamt für Landwirtschaft will man neu auch entschädigen, wer sein Bauernhaus mit Geranien schmückt, Sitzbänke entlang von Spazierwegen aufstellt oder ähnliches mehr. Ich befürchte, dass wir mit diesem Ansatz in einigen Jahren Mühe haben, die Gelder für die Landwirtschaft gegenüber der Öffentlichkeit und den Steuerzahlern zu rechtfertigen. Ganz zu schweigen davon, dass der Trend weltweit und in der Schweiz ein ganz anderer ist. Bis zum Jahr 2050 wollen zusätzliche 1 bis 2 Millionen Menschen in unserem Land und 2 bis 3 Milliarden Menschen weltweit ausreichend zu Essen haben. Gleichzeitig ist das verfügbare, fruchtbare Land beschränkt oder wie in der Schweiz stetig am Schrumpfen.

Die neue Agrarpolitik verstärkt die bereits heute hohe Abhängigkeit der Bauernfamilien von den Direktzahlungen. Eine gefährliche Entwicklung! Vor allem, wenn wir befürchten müssen, in Zukunft in Erklärungsnotstand zu geraten. Die Landwirtinnen und Landwirte sind ausgebildet, umwelt- und tiergerecht Lebensmittel zu produzieren. So lautet auch das Ziel der heutigen Agrarpolitik. Genau diese produzierende Funktion erlaubt es, eine vielfältige und attraktive Landschaft aufrecht zu erhalten. Meines Erachtens fällt die Verantwortung, seinen Hof und die Umgebung der Felder attraktiv zu gestalten, in die Verantwortung der Bauernfamilien und nicht in jene des Staates. Wir sollten vermeiden dass wir vor lauter Bäume den Wald nicht mehr sehen: Das Bereitstellen von ausreichend, gesundem und sicherem Essen und Rohstoffen ist die Hauptaufgabe der Landwirtschaft. Sicherheit und Stabilität für die Schweizer Bevölkerung und die Schweizer Bauernfamilien sind langfristig betrachtet damit verbunden.

Jacques Bourgeois, Direktor Schweizerischer Bauerverband