Inhalt - 11.07.2014

Wie weiter in Sachen Gentechnik? Überlegtes Vorgehen ist gefragt!

Standpunkt vom 11. Juli 2014

Das Gentechnik-Moratorium, das den Anbau von gentechnikveränderten Pflanzen in der Schweiz verbietet, läuft noch bis Ende 2017. Doch was passiert nachher? Bereits werden erste Weichen für die Zeit nach 2017 gestellt.  Der vom Bund 2013 in Vernehmlassung gegebene Vorschlag zur Regelung der Koexistenz und zur Schaffung von gentechnikfreien Zonen wurde von der Landwirtschaft und weiten Teilen der übrigen interessierten Kreise abgelehnt. Damit wäre es für die Schweiz nicht mehr möglich gewesen als „Ganzes“ gentechfrei zu bleiben, obwohl dieser flächendeckend gentechfreie Anbau  ein wichtiges Argument für Schweizer Qualitätsprodukte ist. Die entsprechenden Vorschläge sind nun in der Überarbeitung. 

Alle Akteure  der Wertschöpfungskette haben in der Charta der Qualitätsstrategie den Verzicht auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen als wichtiges Kriterium verankert. Die Haltung der Konsumenten gegenüber gentechnisch veränderten Produkten ist nach wie vor sehr ablehnend. Dies ist ein entscheidender Punkt für die Landwirtschaft: Die Schweizer Bauern wollen ja nicht an den Konsumenten vorbei produzieren! Eine Koexistenz soll erst dann erwogen werden, wenn der Anbau von GVP den Produzenten, den Konsumenten und der Umwelt auch einen Nutzen bringt. Momentan stehen keine Kulturen in der Pipeline, welche diese Kriterien für die Schweizer Landwirtschaft erfüllen. Die neusten Entwicklungen in der EU gehen in eine vergleichbare Richtung. In Zukunft werden die Mitgliedstaaten der EU voraussichtlich selber bestimmen können, ob sie gentechnikfrei bleiben wollen oder nicht. Diese Möglichkeit soll auch der Schweizer Landwirtschaft erhalten bleiben!

Vieles deutet auf eine Verlängerung des Gentechmoratoriums nach 2017 hin. Der Bund behauptet, dass eine weitere Verlängerung des Moratoriums, respektive ein unbefristetes Verbot, nicht verfassungsmässig und entsprechend eine Anpassung der Bundesverfassung zwingend notwendig sei. Ein Rechtsgutachten zur Verfassungsmässigkeit eines Verbots des Anbaus von gentechnisch veränderten Pflanzen, das Rechtsprofessor Heribert Rausch im Auftrag des Schweizer Bauernverbandes und der Schweizerischen Arbeitsgruppe Gentechnologie erstellte, widerlegt dies. Eine Änderung der Bundesverfassung sei nicht notwendig! Das Gutachten wurde den Bundesämtern zugestellt, damit es in den Denkprozess für die künftige Ausrichtung der Schweiz in Sachen Gentechnologie einfliessen kann. Nach wie vor sind viele Fragen rund um den Anbau von Gentechnik in der Schweiz offen. Bevor das weitere Vorgehen festgelegt wird, sind diese zwingend zu klären!

 

Christa Gerber, Schweizer Bauernverband

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