Inhalt - 04.03.2016

Ein gemeinsames Zukunftsprojekt!

Standpunkt vom 4. März 2016

Nächste Woche behandelt der Nationalrat unsere Initiative für Ernährungssicherheit. Da von verschiedener Seite unbegründete Ängste geschürt werden, ist es nicht sicher, ob die grosse Kammer sich dafür aussprechen wird. Die Chancen dafür beurteile ich aber als intakt. Denn die stichhaltigen Argumente sind auf unserer Seite! Heute leben 7,39 Milliarden Menschen auf der Welt, bis ins Jahr 2050 steigt diese Zahl auf 11 Milliarden. Natürliche Ressourcen wie Ackerland und Wasser sind jedoch begrenzt und zum Teil bereits knapp. Allein in unserem Land wird jedes Jahr mehr als die Fläche des Brienzersees verbaut. Die Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit nachhaltigen, einheimischen, tierfreundlich produzierten und vielfältigen Lebensmitteln wird künftig – ohne Gegensteuer – abnehmen. Deshalb braucht es unsere Initiative für Ernährungssicherheit.

Verfassungsschutz ist ungenügend
Selbst der Bundesrat beurteilte den aktuellen Verfassungstext als ungenügend. In seinem – unterdessen wegen Gegenwind wieder zurückgezogenen – Gegenvorschlag hielt er fest, dass die Ernährungssicherheit nur mit einer Stärkung der Verfassungsbestimmung langfristig sichergestellt werden kann. Das begründete er in seinem 25 Seiten umfassenden Bericht. Sie als Bäuerinnen und Bauern wissen selber am besten, dass Korrekturen nötig sind, wenn wir langfristig weiterhin unseren Selbstversorgungsgrad halten wollen. Die aktuellen Rahmenbedingungen auf dem Markt und in der Agrarpolitik gefährden zahlreiche Produktionszweige. Wohin zu tiefe Produzentenpreise und eine ungenügende Abgeltung über Direktzahlungen führen, sehen wir beispielsweise beim Futtergetreide. Weil sich der Anbau nicht lohnt, gehen die Flächen seit Jahren zurück. Mit der Folge, dass wir mehr und mehr Futtermittel importieren müssen. Bereits kritisch ist die Lage auch beim Zuckerrübenanbau – hier ist auch die inländische Verarbeitung mangels Auslastung in Frage  gestellt – und natürlich bei der Milchproduktion. Letztere ist beim aktuellen Milchpreis auf den meisten Betrieben nicht mehr kostendeckend möglich und zahlreiche Betriebe – die sich das noch leisten können – überlegen sich den Ausstieg. Dabei erleben wir das Paradox, dass die Produktion trotz miserablen Preisen steigt. Mit Mehrmengen wird versucht die Verluste zumindest ein wenig aufzufangen. Auf dem Gesamtmarkt führt dies dann wiederum zu weiterem Preisdruck. Aus dieser Negativspirale müssen wir uns befreien!

Den Bauernfamilien eine Perspektive geben
Mit der Initiative wollen wir der kommenden Agrarpolitik und Raumplanungsgesetzgebung die klare Richtung geben, dass die in der Schweiz zur Lebensmittelproduktion vorhandenen Ressour¬cen effizient und nachhaltig bewirtschaftet werden. So kann das Volksbegehren der inländischen und weltweiten Verknappung aktiv entgegen wirken. Dabei stehen wir zu einer naturnahen und tierfreundlichen Produktion und der Erhaltung der ökologischen Vielfalt durch schonende Produktionsverfahren. Denn beides ist der Schweizer Bevölkerung wichtig und nur so ist die langfristig nachhaltige Produktion auch für die nächsten Generationen gesichert. Eine wichtige Voraussetzung dafür sind angemessene Produzentenpreise. Denn nur wenn wir mit unserer Rohstoffen auch Geld verdienen und unsere Kosten decken können, sind die Anbau- und damit die Ernährungssicherheit gewährleistet. Das wiederum bedingt unter anderem die Aufrechterhaltung des aktuellen Grenzschutzniveaus. Die Schweizer Landwirtschaft wird nie im weltweiten Wettbewerb bestehen können. Dafür ist unser Land zu klein und zu bergig, unserer Kostenumfeld zu hoch und unsere gesetzlichen Vorgaben zu streng.

Zusammen zum Erfolg!
Wir haben, liebe Bauernfamilien, mit der Initiative für Ernährungssicherheit ein Zukunftsprojekt gestartet. Ein Projekt, das die inländische Produktion und unsere Landwirtschaft stärken soll. Ein Projekt, das den Bauernfamilien eine Perspektive gibt, damit sie ihre Leistungen für die Gesellschaft auch künftig erbringen können. Und diese Leistung ist erwünscht: Haben wir doch fast 150‘000 Unterschriften in Rekordzeit zusammengebracht. Auch die im Vorfeld durchgeführte Umfrage zeigte eine Zustimmung von 83 Prozent! Egal wie die Entscheide im Parlament ausfallen, wir ziehen durch und bauen auf die Unterstützung im Volk. Wenn die ganze Landwirtschaft mitzieht, dann stehen unsere Chancen gut! Ich danke jetzt schon herzlich für Ihre tatkräftige Mithilfe – Sie sind unsere glaubwürdigsten Botschafter!
 

Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband

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