Inhalt - 21.07.2016

Pflanzenschutz – der neue Medienstar?

Standpunkt des Schweizer Bauernverbands vom 22. Juli 2016

Er ist medial omnipräsent – der Pflanzenschutz! Hoch gingen die Wogen darüber in den vergangenen Wochen und Monaten und ein Ende ist nicht absehbar. Während im Ausland emotionale Debatten über die Zulassung des Wirkstoffes «Glyphosat» oder einer möglichen Neubeurteilung der bienengefährdenden «Neonicotinoide» geführt werden, geht es in der Schweiz primär um den «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln», den der Bund kürzlich in die öffentliche Vernehmlassung schickte. Im Vorfeld dazu überboten sich pflanzenschutzkritische Kreise förmlich mit ihren Forderungen nach einer pauschalen Mengenreduktion der in der Schweiz eingesetzten Pflanzenschutzmittel (PSM). Die Gebote lagen zwischen minus 50 Prozent und minus 80 Prozent – und dies notabene ohne Einfluss auf die landwirtschaftlichen Erträge! Die Reaktionen auf den jetzt vorliegenden Aktionsplan fielen dementsprechend negativ aus, von «mutlos», «verpasster Chance» und «wenig visionär» war die Rede.

Wer sich mit dem Thema Pflanzenschutz unvoreingenommen und gesamtheitlich auseinandersetzt, erkennt jedoch, dass es sich dabei um eine hochkomplexe Angelegenheit mit unzähligen Wechselbeziehungen handelt. Und genau das macht der vorliegende Aktionsplan Pflanzenschutzmittel sichtbar. Er beschränkt sich nicht nur einseitig auf den PSM-Einsatz in der Landwirtschaft, sondern legt den Fokus auch auf Gesellschaft, Handel und Verarbeiter. «Der Erfolg des Aktionsplans hängt auch von Faktoren ab, wie der Bereitschaft der Gesellschaft, damit verbundene Mehraufwendungen der Landwirtschaft über Preise oder Direktzahlungen abzugelten, von der Bereitschaft des Handels, geringere Ansprüche an die Qualität zu stellen oder von der Bereitschaft der Landwirte, präventive und alternative Schutzmassnahmen anzuwenden», so ein Auszug aus dem Aktionsplan.

Um das Ziel zu erreichen, die heutigen Risiken von PSM zu halbieren und deren Anwendung nachhaltiger zu gestalten, wurde von den Bundesämtern BLW, BAFU, BLV, SECO sowie von Agroscope ein umfangreiches Massnahmenpaket mit rund 50 Einzelmassnahmen geschnürt. Der SBV ist mit seinen Mitglied- und Partnerorganisationen daran, dieses Regelwerk zu prüfen. Mit vielen Massnahmen werden offene Türen eingerannt, wie beispielsweise der Verbesserung des Anwenderschutzes, der Stärkung der Beratung und der Ausbildung, dem Ausbau der Forschung nach alternativen Pflanzenschutzmethoden oder der besseren Information der Öffentlichkeit über Pflanzenschutzthemen. Andere Massnahmen wie zum Beispiel Lenkungsabgaben lehnt der SBV entschieden ab. Es besteht das Risiko, dass aufgrund der komplexen Umsetzung auf einfache pauschale Modelle umgeschwenkt wird – mit der Folge, dass gar keine Lenkungswirkung erzielt und die Abgabe zu einer reinen Steuer verkommt. Herbizidverzicht und hacken – weitere geplante Massnahmen – sind zweifelsohne spannend. Hier darf man die Augen jedoch nicht vor der «Wetterrealität» verschliessen. Gemäss dem von den Kantonen betriebenen «Bodenmessnetz Nordwestschweiz» konnten die Landwirtschaftsböden zwischen März und Juni in den Jahren 2013 und 2016 nie, 2012 nur an wenigen Tagen und 2014 erst ab Anfang Juni ohne Risiko auf bleibende Bodenschäden befahren werden.

Fakt ist: Der «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» wird den PSM-Einsatz in der Schweizer Landwirtschaft nachhaltig beeinflussen. Gleichzeitig bietet er aber auch die Chance, die Diskussionen rund ums Thema zu versachlichen.

 

David Brugger, Leiter Geschäftsbereich Pflanzenbau beim Schweizer Bauernverband

 

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