Hauptinhalt

Mehrkosten der Bauernbetriebe noch nicht gedeckt

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 7. Juli 2022

Die Ladenpreise der Lebensmittel steigen, bis zu den einheimischen Bauernfamilien gelangen diese aber ungenügend. Obwohl «teurere Rohstoffe» oft und in völlig ungerechtfertigtem Ausmass als Begründung für die höheren Ladenpreise hinhalten müssen.  

Die einheimischen Bauernfamilien müssen für ihre Zukäufe z.B. von Dünger, Energie oder Treibstoff laufend mehr bezahlen. In den letzten Monaten sind die sogenannten Vorleistungskosten um rund 900 Mio. Franken gestiegen. In der Folge verlangte der Schweizer Bauernverband (SBV) bereits im Februar, dass sich auch die Produzentenpreise für die landwirtschaftlichen Rohstoffe substantiell erhöhen müssen. In den letzten Wochen fanden verschiedene Preisverhandlungen statt. Eine Zwischenbilanz zeigt, dass es gewisse Verbesserungen bei Milch, Rindfleisch, Kartoffeln, Getreide oder Zuckerrüben gab. Diese reichen aber nicht aus, um die Mehrkosten zu decken. Gemäss Schätzungen bleibt eine Lücke von 200 bis 300 Millionen Franken, was rund 10 Prozent des Sektoreinkommens entspricht. Die Bauernfamilien bleiben also auf rund einem Drittel ihrer Mehrkosten sitzen. Weitere Anpassungen sind deshalb nötig, damit das bereits sehr tiefe landwirtschaftliche Einkommen nicht sinkt. Der SBV fordert die Marktpartner und Branchen dringend auf, die Preise nachzubessern!

 

Mehrpreis beim Brot kommt kaum zur Landwirtschaft!

Die Abnehmer sind knausrig bei Erhöhungen auf Stufe der Landwirtschaft, nutzen diese aber sehr gerne als Argument, um die Preise für ihre Produkte nach oben zu korrigieren. So war diese Woche in der Tagesschau zu hören, dass das teurere Brot, eine Folge der gestiegenen Rohstoffpreise sei. Das ist erstens insofern ungerechtfertigt, als die erste Preiserhöhung beim Brot bereits Anfang Jahr stattfand. Zweitens ist die Auswirkung auf die Ladenpreise äusserst gering. Mit der nun festgelegten Richtpreiserhöhung beim Brotgetreide nehmen die Kosten für den Rohstoff Getreide für 1 kg Brot um knapp 1 Prozent zu. 1 kg Brot zum Preis von 4 Franken verteuert sich deshalb um 4 bis 5 Rappen. Die erfolgten Preiserhöhungen lassen es mehr als zu, die zusätzlichen Kosten bei den Bauernfamilien vollumfänglich zu decken und die Produzentenpreise weiter zu erhöhen.

Rückfragen

Martin Rufer

Martin Rufer

Direktor Schweizer Bauernverband

Telefon 078 803 45 54
E-Mail martin.rufer@sbv-usp.ch

Francis Egger

Vize-Direktor Schweizer Bauernverband
Leiter Departement Wirtschaft,
Bildung und Internationales

Telefon      056 462 50 12
Mobile       079 280 69 66
Email        francis.egger@sbv-usp.ch

Weitere Beiträge zum Thema

AGRISTAT aktuell
Agristat Aktuell 08-22: Schätzung der Schweizer Ackerfläche 2022

12.09.22 | Die offene Ackerfläche nimmt 2022 kaum zu (+0,3 %). Die Kunstwiesenfläche wächst um 1164 Hektaren oder 1,0 %. Die grössten Flächenzunahmen ergeben sich in absoluten Zahlen beim Silomais, Dinkel, Ha-fer, Soja und bei den Sonnenblumen. Den grössten Flächenrückgang verzeichnen Körnermais, Winter-weizen, Eiweisserbsen, Zuckerrüben und Futterweizen. Nach der starken Reduktion der Silomais- und Kunstwiesenfläche vom Vorjahr erfolgte 2022 eine leichte Korrektur zugunsten des Futterbaus.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - August 2022

12.09.22 | Der August 2022 war der zweitwärmste seit 1864. Die Durchschnittstemperatur lag um 1,9 Grad über der Norm 1991-2020. Nur im Jahr 2003 war der August mit 3,5 Grad über der Norm noch deutlich wärmer. Ab dem 15. August gab es in mehreren Regionen der Schweiz endlich Schauer, vielerorts waren dies die ersten relevanten Niederschläge seit anfangs Juli. In der zweiten Augusthälfte gab es teilweise massive Niederschläge mit regional hohen Tagessummen. Gebietsweise litten vor allem Gras- und Maisbestände stark unter der Trockenheit. Teilweise wurde Silomais schon im August geerntet. Nach 4374 Schadenmeldungen im Juni sind diese im Juli auf 1790 Meldungen gefallen (Tabelle 1.5). Die Schadenlage war damit im Juli 2022 im Vergleich zu früheren Jahren insgesamt durchschnittlich. Auch bei den Elementarschäden war dies mit 327 Meldungen der Fall (Tabelle 1.6).

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Milchstatistik der Schweiz 2021

09.09.22 | Gemeinsam mit den Schweizer Milchproduzenten SMP, der TSM Treuhand GmbH, der Branchenorganisation Milch (BO Milch) und der Switzerland Cheese Marketing AG hat Agristat die Ausgabe 2021 der jährlich erscheinenden Publikation „Milchstatistik der Schweiz“ veröffentlicht.

Mehr lesen
Standpunkte
Jetzt durchstarten gegen die Massentierhaltungsinitiative!

19.08.22 | „Die Initiative wird sowieso abgelehnt, warum also sollen wir erneut einen grossen Aufwand betreiben?“ Auch eine bedeutende Fachzeitschrift unterstreicht gerne, dass die Massentierhaltungsinitiative keine Chancen habe. Solche und ähnliche Aussagen hört man zurzeit oft. Spätestens die erste Umfrage der TA-Medien-Gruppe zeigt, dass die Massentierhaltungsinitiative kein Selbstläufer ist. Das liegt nicht zuletzt am clever gewählten Titel. Denn wer will schon Massentierhaltung? Niemand, auch wir nicht! Wer sich also nicht mit den Forderungen und ihren Folgen befasst und auch keine Vorstellung der Tierhaltung in der Schweiz hat, wird dazu neigen, Ja zu stimmen. Erste Umfrageresultate sind mit Vorsicht zu geniessen. Aber es erstaunt doch, dass wir bei der ersten Umfrage beim gleichen Ja-Anteil sind, wie letztes Jahr bei der Trinkwasser- und Pestizidfrei-Initiative. Dort hat die Landwirtschaft dann alles gegeben und in einem enormen gemeinsamen Engagement eine Ablehnung von 60 Prozent erreicht. Die Massentierhaltungsinitiative erweist sich ebenfalls als kein Selbstläufer, die Ablehnung ist nicht zum vornherein klar.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
Agristat Aktuell 07-22: Dünger: Preis- und Importentwicklung in Zeiten der Unruhe

11.08.22 | Die Düngerimporte der Schweiz sind über die letzten Jahre mehrheitlich konstant geblieben. Dünger werden vorwiegend via Schiff- und Strassenverkehr eingeführt. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Nachbarländer sowie Belgien und die Niederlande. Aus Russland wird seit dem März 2022 kein Dünger mehr importiert. Aufgrund der Corona-Krise und dem Krieg in der Ukraine sind die Düngerpreise so stark gestiegen, wie dies seit 2008 nicht mehr der Fall war. Die hohen Preise können weltweit und auch in der Schweiz zu tieferen Erträgen im Pflanzenbau führen.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Juli 2022

11.08.22 | Der Juli 2022 war sehr heiss, sonnig und trocken. Er war der viertwärmste Juli seit Messbeginn 1864. Nur in den Jahren 2015, 2006 und 1983 war der Juli im Mittel noch wärmer. Die ausgeprägten Hochdruckverhältnisse liessen nur selten Niederschläge zu. Die Monatssummen blieben in der ganzen Schweiz deutlich unter der Norm 1991–2020. In einigen Gebieten fiel weniger als ein Drittel der Norm. Regional herrschte eine ausgeprägte Wasserknappheit, zum Beispiel im Südtessin, in Teilen der Westschweiz und im Kanton Schaffhausen. Der trockene Juli schuf zwar gute Bedingungen für die Getreide- und Rapsernte, die übrigen Kulturen litten jedoch an vielen Orten an akutem Wassermangel, da schon in den Vormonaten wenig Niederschläge gefallen waren. Mit 4374 Meldungen wegen Hagelschlag wurden im Juni 2022 weniger Schäden als im diesbezüglich extremen Monat Juni des Vorjahres (6980 Schadenmeldungen) registriert. Der Wert ist jedoch ebenfalls überdurchschnittlich hoch (Tabelle 1.5). Bei den Elementarereignissen fielen in drei der letzten zehn Jahre (2013, 2016, 2021) mehr als die aktuell 461 Meldungen an (Tabelle 1.6).

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
Agristat Aktuell 06-22: Hof- und Recyclingdünger im HODUFLU: Anteile, Entwicklung und Relation

11.07.22 | Die Mengen und Lieferungen nehmen im HODUFLU seit 2014 zu. Rund zwei Drittel der Lieferungen finden innerhalb der Landwirtschaft statt; bei einem Drittel sind Vergärungs- und Kompostierungsanlagen als Abnehmer oder Abgeber involviert. Jede fünfte Lieferung geht über eine Kantonsgrenze. Erwartungsgemäss liefern in der Tendenz Kantone mit einer hohen Viehdichte an Kantone mit viel Ackerflächen. 2021 entsprach die HODUFLU-Gesamtmenge 12,9 % der Schweizer Gesamt-Düngermenge. Aufgrund der steigenden Mineraldüngerpreise wird die Nachfrage nach Hof- und Recyclingdünger wohl weiter zunehmen.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Juni 2022

11.07.22 | Der Juni 2022 war der zweitheisseste seit Messbeginn 1864. Nur der Juni des Jahres 2003 wies eine noch höhere Durchschnittstemperatur aus. An mehreren Messstandorten stiegen die Tageshöchstwerte auf neue Junirekorde. Die Niederschlagssummen blieben verbreitet unterdurchschnittlich. Damit setzte sich das mehrheitlich trockene Wetter der Vormonate fort (Tabelle 1.2).

Mehr lesen