Inhalt - Agrarinitiativen: Bundesrat warnt vor schmerzhaften Konsequenzen

  • 11. September, 2018

Agrarinitiativen: Bundesrat warnt vor schmerzhaften Konsequenzen

(lid.ch) – Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat heute auf einem Bauernbetrieb im Kanton Bern für ein Nein zu den Agrarinitiativen geworben. Eine stärkere staatliche Regulierung würde die Errungenschaften der bisherigen Agrarpolitik gefährden, warnte der Landwirtschaftsminister.

Ortstermin in Rosshäusern BE: Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat heute im Beisein der Medien den Bauernhof der Familie Streit besucht, um sich im Vorfeld der Abstimmungen vom 23. September ein Bild der Landwirtschaft zu machen. Ursula und Reto Streit bewirtschaften einen breit abgestützten 20-Hektaren-Betrieb, den sie gerade auf Bio umstellen. Die Standbeine sind: Mutterkuhhaltung, Pensionspferde, Pouletmast, Obstbau, Seidenraupenzucht, Direktvermarktung. Dazu kommen ein "Bed&Breakfast" sowie die Betreuung von Pflegekindern.

Auf einem Hofrundgang erklärten Ursula und Reto Streit Bundesrat Schneider-Ammann ihr Betriebskonzept. Der Landwirtschaftsminister bezeichnete den Betrieb als vorbildlich und lobte das Betriebsleiterehepaar für ihr unternehmerisches Handeln. "Es brauche keinen 80-Hektaren-Betrieb, auch 20 Hektaren können eine Existenzgrundlage bilden", sagte Schneider-Ammann.

Keine Freude zeigte der Magistrat hingegen an den beiden Agrarinitiativen, die am 23. September zur Abstimmung gelangen. Schneider-Ammann warnte vor schmerzhaften Konsequenzen. "Die Administration müsste enorm ausgebaut werden, die landwirtschaftliche Produktion würde sich verteuern", betonte der Bundesrat. Eine stärkere staatliche Regulierung würde die unternehmerischen Freiheiten gefährden.

Auch Reto Streit lehnt die beiden Agrarinitiativen ab. Überflüssig seien sie, betonte der Bauer und Sozialpädagoge. Der Staat solle gute Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Unternehmer frei entfalten und innovativ sein könnten. Die Initiativen würden dem entgegenlaufen. Es sei falsch, wenn der Staat zu fest eingreife, betonte Streit. "So wie wir Landwirtschaft betreiben, hat sie eine Zukunft."

Ursula und Reto Streit haben den Hof vor 10 Jahren übernommen. "Wir haben früh begonnen, den Betrieb zu diversifizieren, um damit das Risiko zu minimieren", erklärte Reto Streit. Neues auszuprobieren sei ihnen wichtig. So bauen sie etwa Quinoa an, eine Pflanzenkultur aus den Anden. Und sie züchten Seidenraupen – als einer von wenigen Betrieben schweizweit. Bei den Mutterkühen setzt die Familie Streit auf die Rasse Galloway, langsam wachsende Rinder, die besonders schmackhaftes Fleisch liefern. Geschlachtet werden die Tiere im Nachbardorf, Streits verkaufen sämtliches Fleisch direkt ab Hof.

Bilder zum Besuch von Bundesrat Schneider-Ammann auf dem Hof der Familie Streit finden sich in der LID-Bildstrecke.