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Fairer Handel

Am 24. September 2017 haben gut 78 % der Schweizer Stimmbevölkerung den neuen Verfassungsartikel über die Ernährungssicherheit angenommen. Eine historisch hohe Zustimmung für ein wichtiges Anliegen! Laut den Umfragen im Nachgang der Abstimmung haben viele Stimmberechtigte zugestimmt, weil sie die einheimische Landwirtschaft unterstützten wollten. Denn der Konsumentin und dem Konsument ist wichtig, dass ihre Lebensmittel aus der Region stammen und nicht von irgendwo auf der Welt. Sie wollen wissen, wie ihr Essen produziert ist und diese Kontrolle ist vor Ort am einfachsten. Wenn Lebensmittel über tausende Kilometer transportiert werden, haben wir kaum Einfluss auf die  Produktionsbedingungen. Ganz zu schweigen von der Umweltbelastung, welche der Transport verursacht. Gleichzeitig ist es der Bevölkerung  wichtig, dass die Bäuerinnen und Bauern faire Preise für ihre Produkte bekommen. Ebenso legen sie Wert auf ein hohes Tierwohlniveau und das  Einhalten der strengen Umweltvorschriften in der Schweiz. Der Preis sei, das sagen sie wenigstens in Umfragen, weniger wichtig. Trotzdem wird von Seiten Politik und Wirtschaft lauthals über die zu teuren Lebensmittel in der Schweiz geschimpft. Die Konsumentinnen und Konsumenten  würde der Grenzschutz und damit die etwas höheren Preise Milliarden kosten. Doch die Schweizer Haushalte geben im Durchschnitt gerade  einmal 6,3 % des Einkommens für Lebensmittel aus. Dieser Prozentsatz ist historisch tief und in kaum einem anderen Land der Welt müssen die  Menschen so wenig lange arbeiten, um sich das tägliche Brot zu kaufen.

Von Bauern für Bauern: Erfolgreiche regionale Vermarktung

Die Exportwirtschaft klagt darüber, dass die Schweiz aufgrund des Grenzschutzes für die Landwirtschaftsprodukte keine  Freihandelsabkommen abschliessen könne. Ja, die Landwirtschaft wird als Pferdefuss der  Schweizer Volkswirtschaft par excellence verunglimpft. Es ist eine Tatsache, dass die Landwirtschaft nur 0,7 % des BIP der Schweiz ausmacht. Doch die Land- und Ernährungswirtschaft zusammen  beschäftigt immerhin 10 % der erwerbstätigen Bevölkerung. Diese Arbeitsstellen stehen bei offenen Grenzen ebenfalls unter Druck. Denn  langfristig werden nicht nur die Rohstoffe, sondern gleich die verarbeiteten Produkte importiert. Von der Bauernbetrieben wird also verlangt,  wettbewerbsfähig zu werden. Doch die Schweizer Landwirtschaft kann mit den Preisen in der EU nicht mithalten. Die Kosten in der Schweiz sind  wegen der höheren Löhne, den strengeren Auflagen und weiteren Einschränkungen wesentlich höher als in der EU.

Ausgeblendet sind auch die negativen Auswirkungen einer wettbewerbsfähigen, sprich industriellen Landwirtschaft. Beispielsweise die Auswirkungen auf die Tierhaltung. Das  Tierwohl ist dann hoch, wenn die Bauern Zeit haben, sich um ihre Tiere zu kümmern. Je wettbewerbsfähiger und damit rationeller die  Landwirtschaft ist, desto weniger kann dies gewährleistet werden. Was hat dies mit fairem Handel zu tun? Fairer Handel, sprich faire Produzentenpreise sind die Voraussetzung für eine nachhaltige, umweltschonende und tierfreundliche Landwirtschaft. Dieser Bericht deckt auf, wo Defizite bestehen und weshalb heute oftmals  nicht von einer gerechten Verteilung der Wertschöpfung gesprochen werden kann. Der Bericht zeigt Handlungsspielräume auf und endet mit dem Fazit: Fairer Handel statt Freihandel. Denn eine in allen drei Dimensionen nachhaltige Landwirtschaft ist zu Weltmarktpreisen nicht zu haben.