Inhalt - Vermeintliche Privilegien

Worum geht es?

Seit Jahren beklagen der Schweizerische Gewerbeverband und andere Kreise die Situation "ungleichlanger Spiesse" zwischen Gewerbe und Landwirtschaft – so beispielweise bei agrotouristischen Angeboten wie „Schlafen im Stroh“ oder der Vermarktung von Produkten ab Hof. Die Bauernbetriebe seien bevorzugt, da die Bodenpreise in der Landwirtschaftszone tiefer sind. Auch können sie Personal zu niedrigeren Löhnen anstellen, entgegnen die Kritiker.

Die wichtigsten Argumente

  • Bäuerinnen und Bauern müssen in jeglicher Hinsicht (Gesetz, Gesundheit, Grenzwerte, Transport usw.) die gleichen Anforderungen erfüllen wie alle anderen Gewerbebetreibenden.
  • Die Mehrwehrsteuer wird ab einem jährlichen steuerpflichtigen Umsatz von 100'000 Franken fällig, genau wie bei gewerblichen Betrieben auch.
  • Agrotouristische Angebote sind gute Low-Cost-Angebote in Ergänzung zu Restaurants und Hotels. Es macht Sinn, wenn kostengünstige Angebote in der Schweiz genutzt werden – und nicht in Österreich oder Italien.

Vermeintliche Privilegien in der Landwirtschaft

Immer  wieder wird seitens des Gewerbes der Vorwurf erhoben, dass die Landwirtschaftsbetriebe bei gewerblichen Nebenaktivitäten (Hofladen, Bäsebeiz) weniger Auflagen zu erfüllen hätten und dadurch gegenüber den restlichen Gewerbetreibenden «privilegiert» seien. Bei genauerer Betrachtung dieser stellt sich jedoch schnell heraus, dass es sich nur um vermeintliche «Privilegien» handelt, was eine Studie der HAFL bestätigt.

Vorteile  der Landwirtschaft wie günstige Bodenpreise werden durch Nachteile wie beispielweise längere Distanzen, hohen Arbeitsaufwand für den Verkauf kleiner Mengen, Einschränkungen für Bauten in der Landwirtschaftszone usw. wieder aufgehoben.

Die  Studie kommt zum Schluss, dass «…in den wesentlichen Themenbereichen kaum differenzierte Vorschriften vorkommen. Es existieren zwar verschiedene Sonderbehandlungen für die Landwirtschaft, die sich jedoch auf die landwirtschaftliche Tätigkeit beschränken. Verschiedene festgestellte Unterschiede beruhen auf Differenzen in der Betriebsgrösse oder der Betriebsform (insbesondere selbständig/unselbständig), d.h. Nichtlandwirte profitieren ebenfalls von den betreffenden Erleichterungen. Diese Erkenntnisse sind bei der Bearbeitung der Fallbeispiele bestätigt worden...»

Gut zu wissen

Die HAFL kam 2006 in einer Studie zum Schluss, dass insgesamt nur geringe Unterschiede auf Stufe Gesetz, Vorschriften und Richtlinien vorhanden sind, die die Landwirtschaft gegenüber dem Gewerbe begünstigen. In vielen Bereichen wurden überhaupt keine Differenzen festgestellt. Wo es Unterschiede gibt, sind diese oft nicht nur auf den Landwirtschaftsbetrieb, sondern auf den Umfang der Aktivitäten oder auf die Erwerbsform zurückzuführen.