Inhalt - 25.10.05 Breite Unterstützung für GTFI in der Landwirtschaft

Breite Unterstützung für GTFI in der Landwirtschaft

Standpunkt vom 25. Oktober 2005

Die grosse Mehrheit der Bäuerinnen und Bauern unterstützen die Gentechfrei-Initiative (GTFI). Dies machen auch die zahlreich auf Bauernhöfen ausgehängten Fahnen, mit denen für die GTFI geworben wird, sichtbar. Auch praktisch alle nationalen Bauern- und Fachverbände, 23 kantonale Bauernverbände und die bäuerlichen Oppositionsgruppen sind für die GTFI. Landesweit sind 100 nationale und über 1'000 kantonale Parlamentarierinnen und Parlamentarier Pro-Komitees beigetreten, darunter sind viele bäuerliche Vertreter. Angesichts dieser breiten Front, tönt es schon etwas anmassend, wenn einige bäuerliche Befürworter, die Partei- oder Wirtschaftsinteressen über die standespolitischen Interessen stellen, behaupten, viele Bauern seien dafür. Warum aber diese breite Zustimmung in der Landwirtschaft? Sind doch gerade die Bauern gegenüber Vorschriften und Einschränkungen - zu Recht - skeptisch.

Der Grund liegt darin, dass die Landwirtschaft den schwierigen Herausforderungen mit einer konsequenten Qualitätsstrategie begegnet. Mit dieser wollen die Bauern die Konsumenten gewinnen, damit sie einheimische Lebensmittel bevorzugen und bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen. Da macht es natürlich keinen Sinn, dass Produktionsmethoden angewendet werden, welche die grosse Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten bei Lebensmitteln ablehnt. Diese Ablehnung ist durch zahlreiche Umfragen belegt. Es wäre geradezu paradox, etwas anzubauen, das niemand kaufen will.

Abgesehen davon, dass die Bauern konsumentenorientiert produzieren wollen, gibt es weitere Gründe für die Unterstützung der Initiative. Mit der Liberalisierung drängen immer mehr ausländische Nahrungsmittel auf unseren Markt. Diese stammen aus Ländern mit tiefen Produktionskosten. Betriebsgrössen und Topographie erlauben es nicht, bei uns, billige Massenware herzustellen. Dank dem Know-How und den hohen Standards im Umwelt- und Tierschutzbereich können die Schweizer Bauern sich aber mit Qualitätserzeugnissen profilieren. Daher hat die Landwirtschaft die Herkunftsbezeichnung SUISSE GARANTIE eingeführt. Diese beinhaltet auch den Verzicht auf Gentechnik. Da in unserem kleinräumigen Land das Nebeneinander einer Produktion mit und ohne Gentechnik kaum möglich ist, soll die Gentechfreiheit für 5 Jahre in der Verfassung verankert wer-den. Diese Zeit ist für Forschungsarbeiten zu nutzen. Die Gefahren der Gentechnologie in der Landwirtschaft sind zu analysieren. Die Initiative ist so formuliert, dass Forschung ausdrücklich zugelassen ist und nicht - wie die Gegner irreführend immer wieder betonen - verboten oder ein-geschränkt wird. Gerade aus Sicht der Bauern braucht es Forschung, denn ohne sie droht Still-stand und den können wir uns nicht leisten.

Noch nicht geklärte Kostenfragen sind ein weiterer Grund für das Moratorium. Es ist zu befürchten, dass sobald eine Produktion mit und ohne Gentechnik erlaubt ist, es zu einem riesigen logistischen und administrativen Aufwand kommt. Der Gefahr der Verunreinigung beim Saatgut, beim Transport, bei der Ernte und bei der Lagerhaltung ist wirkungsvoll zu begegnen. Insbesondere muss auch die Auskreuzung durch Pollenflug verhindert werden. Dazu müssen neben Aufwendungen zur Abtrennung und Reinigung zusätzlich pflanzenspezifische Isolationsabstände zwischen den verschiedenen Kulturen festgelegt, durchgesetzt und kontrolliert werden. Eine EU-Studie zeigt, dass die Kosten für zusätzliche Massnahmen zur Verhinderung gentechnischer Verunreinigungen die Landwirtschaftsbetriebeim Extremfall umgerechnet auf bis 520 Franken je Hektare zu stehen kommen. In der Schweiz wären die Kosten zweifellos noch höher. Ein derartiger Kostenschub kann unseren Bauernfamilien, die ja bereits unter starkem Druck stehen, nicht zugemutet werden.

Urs Schneider, Stv. Direktor Schweizerischer Bauernverband, Brugg