Inhalt - Geschichte

Geschichte des Schweizer Bauernverbandes

2010 -

Nach dem Ende der Milchkontingentierung per 30. April 2009 wird die Gründung der Branchenorganisation Milch (BOM) 2010 notfallmässig vom SBV selbst in die Hand genommen. Am 1. Januar 2010 wird BOM in die Selbstständigkeit entlassen. Die Probleme auf dem Milchmarkt können aber auch in den Folgejahren nicht gelöst werden. Intern kam es im Herbst 2012 zu einer Stabübergabe: Der langjährige Präsident, Hansjörg Walter übergab das Präsidium an den Rheintaler Markus Ritter. 2012 und 2013 standen im Zeichen des politischen Prozesses um die AP 2014-17, welcher sich bis zum Ergreifen des Referendums ausweitete. Aus Sicht des Schweinemarktes verlief 2013 erfreulich.

 

2000 - 2009

Die neue Agrarpolitik unter dem Begriff AP 2002 erhöht den wirtschaftlichen Druck zu Strukturanpassungen in der Landwirtschaft. Dieser Druck wird noch verstärkt durch das Inkrafttreten der bilateralen Verträge mit der Europäischen Union (EU), welche den gegenseitigen Marktzutritt erleichtern. Die härter gewordene nationale und internationale Konkurrenz führt zu einer Stagnation, in vielen Betrieben gar zu einem massiven Zerfall der landwirtschaftlichen Einkommen. In neuen Verhandlungen im Rahmen des GATT/WTO sollen nebst rein ökonomischen vermehrt auch ökologische und soziale Anliegen berücksichtigt und daraus abgeleitete Massnahmen für alle Mitgliedsländer verbindlich festgeschrieben werden. In intensiven Verhandlungen arbeiten die Interessierten auf eine kluge Ausgestaltung der Agrarpolitik 2007 hin. Der Rückzug des Bundes aus den Agrarmärkten und insbesondere Aufhebung der Milchkontingentierung sowie die Liberalisierung des Milchmarktes verursacht heftige Unruhe unter den Bauern. 2003 geht der bauerneigene Milchkonzern Swiss Dairy Food Konkurs. Die Unruhen unter den Bauern kommen in einer geordneten Gross-Kundgebung vom dem Bundeshaus mit 10 000 Bäuerinnen und Bauern zum Ausdruck (2005) und gipfeln in einem ungeordneten Milchstreik (2008). Ein von der Verwaltung geplantes Freihandelsabkommen mit den USA wird abgebrochen, dafür werden gegen den Widerstand der Bauern Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU aufgenommen.

 

1990 - 1999

Die Landwirtschaft sieht sich gleichzeitig vielen neuen Herausforderungen gegenüber. Die Gesellschaft verlangt einen besseren Schutz der Umwelt und gleichzeitig mehr Markt im Bereich der landwirtschaftlichen Produkte. Die internationale Staatengemeinschaft - unter der Führung der USA und anderer Agrarexportländer - strebt einen möglichst weitgehenden Abbau der Agrarstützung und einen möglichst freien Handel mit Agrarprodukten an. Auf den Märkten für Nahrungsmittel werden die Sättigungstendenzen immer deutlicher sichtbar. Die Konsumentinnen werden durch die europaweit auftretende Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) verunsichert. Die Gesellschaft vollzieht einen grossen Schritt von der Konsumations- in die Kommunikationsgesellschaft. Mit der Annahme der GATT/WTO-Verträge, einer neuen Verfassung und einem neuen Landwirtschaftsgesetz durch das Schweizer Volk erhalten die politischen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft neue Dimensionen.

 

1980 - 1989

Neben der rationellen, kostengünstigen Produktion von Nahrungsmitteln treten andere Aufgaben der Landwirtschaft stärker in den Vordergrund. Dazu zählen insbesondere die Pflege der Kulturlandschaft, die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und eines ökologischen Gleichgewichtes, sowie der Beitrag zur dezentralen Besiedlung des Landes. Diese multifunktionalen Aufgaben erlangen zwar bei der Aushandlung der Uruguay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) noch wenig konkrete Beachtung, werden jedoch in der hiesigen agrarpolitischen Diskussion verstärkt eingebracht.

 

1970 - 1979

Dank der weiter fortschreitenden Rationalisierung und dem laufend erzielten technischen Fortschritt sowie trotz den eingeleiteten Gegenmassnahmen steigt die landwirtschaftliche, vorallem die viehwirtschaftliche Produktion teils bis zur Marktsättigung an. Die 1977 eingeführte Milchkontingentierung zeigt, wie schwierig bei unterschiedlichen Verhältnissen von Betrieb zu Betrieb und von Region zu Region eine möglichst allen Betrieben gerecht werdende Massnahme durchzuführen ist und wie nicht vermeidbare Härten das solidarische Denken innerhalb des Bauernstandes strapazieren können.

 

1960 - 1969

Die Preise für landwirtschaftliche Produktionsmittel steigen wesentlich schneller als die Erlöse für Erzeugnisse. Viele Betriebe versuchen, ihre wirtschaftliche Lage durch Mehrproduktion zu verbessern. Dies zwingt den Bund, zu einschränkenden Massnahmen, vorerst bei der Milch, und zum Erlass von neuen Gesetzen, welche sich auf die Milchwirtschaft, auf Familienzulagen, auf Kostenbeiträge an Rindviehhalter im Berggebiet, auf Investitionshilfen und Verbesserung der viehwirtschaftlichen Produktion, auf die Brotgetreideordnung, die Zuckerwirtschaft und den Rebbau beziehen.

 

1950 - 1959

Die landwirtschaftlichen Betriebe setzen auf Rationalisierung und Mechanisierung. Die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten nimmt stark ab. Gleichzeitig steigt die Produktion spürbar an.

 

1940 - 1949

Der Bauernstand vollbringt eine ausserordentliche Leistung zur Volksernährung und für das Durchhalten während des zweiten Weltkrieges. Der Verband und alle anderen landwirtschaftlichen Organisationen unterstützen mit Rat und Tat, insbesondere bei der Bereitstellung von genügend Arbeitskräften und der Organisation des Arbeitsdienstes. Er setzt sich dafür ein, dass sich der Preiszusammenbruch, wie nach dem ersten Weltkrieg, nicht wiederholt.

 

1930 - 1939

Die erste Hälfte des Dezeniums ist geprägt durch die weltweite Wirtschaftskrise. Es braucht Anstrengungen um die Folgen der durchschnittlichen Preiseinbussen von rund 30 % bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu mildern. Bauernverband und Sekretariat setzen sich ein für staatliche Stützungsmassnahmen. Diese reichen von vereinzelten Zollerhöhungen, mengenmässigen Einfuhrbeschränkungen, Regulierungen der viehwirtschaftlichen Produktion, Kredithilfe, bis zu rechtlichen Schutzmassnahmen. Der Leitende Ausschuss sagt dazu im Jahresbericht: "Es ist nicht leicht, in den Jahren einer so schweren Wirtschaftskrise die Bauernsame zu führen. Wenn es ständig abwärts geht, so sind für den einzelnen Landwirt die Bedeutung und der Erfolg der Organisationen schwerer zu erkennen, als wenn in normalen Zeiten neu aufgebaut und die Lage des Landwirts verbessert werden kann. Aber unsere Aufgabe ist heute noch wichtiger, als sie es in besseren Zeiten war. Damals kämpften wir für die Besserstellung, heute aber verteidigen wir die Existenz der Bauernsame."

 

1920 - 1929

Der Übergang von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft erfordert vor allem Anstrengungen gegen die Notlage vieler Betriebe, welche durch die teils katastrophalen Preissenkungen entstanden ist. Vorstösse zur Einführung von Preisstützungsmassnahmen zu Gunsten der Milchproduzenten, Viehzüchter und Weinbauern, Einfluss auf die verfassungsmässige Verankerung der Brotgetreideordnung und der Förderung des Obst- und Kartoffelbaus sowie auf die Revision des Bundesgesetzes betreffend die Förderung der Landwirtschaft durch den Bund stehen im Vordergrund.

 

1910 - 1919

Der Kriegsausbruch fordert vermehrten Anbau von Kulturen, welche für den Menschen unmittelbar nutzbare Nährstoffe liefern. Die Preise landwirtschaftlicher Erzeugnisse steigen auf das zweieinhalbfache an.

 

1897 - 1909

Die ersten Jahre sind geprägt durch das Bemühen um einen festeren Zusammenschluss der Bauern aus den verschiedenen Landesteilen, sowie vom Kampf um Gleichberechtigung der Landwirtschaft mit anderen Wirtschaftsgruppen. Der Verband setzt sich ein für einen neuen Zolltarif, für ein neues Lebensmittelgesetz und für die Vereinheitlichung des Zivilrechts um damit die erkannten Ursachen der Misere zu bekämpfen.