Klimaschutz

Die Schweizer Landwirtschaft ist nicht nur vom Klimawandel betroffen, sie spielt beim Klimaschutz auch eine aktive Rolle. Als Verursacherin von Treibhausgasemissionen muss sie im Einklang mit den Zielen des Bundes zur Emissionsverminderung beitragen. Sie verfügt aber über konkrete Hebel, um ihre Klimawirkung zu mildern und dabei ihre Produktionskapazität zu erhalten. Dazu sind Investitionen, Innovation und die Anerkennung der bereits erzielten Fortschritte notwendig.

2023 war die Landwirtschaft für rund sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verantwortlich, was ungefähr 16 % der Schweizer Emissionen entspricht. Der Grossteil dieser Emissionen stammt aus Methan (CH4), das hauptsächlich durch die Verdauung der Wiederkäuer entsteht, und aus Distickstoffmonoxid oder Lachgas (N₂O), das aus der Verwendung von Stickstoff- und Wirtschaftsdünger entsteht. Die fossilen CO2-Emissionen sind geringer, aber nicht vernachlässigbar, namentlich aufgrund der Verwendung von Treibstoffen und Betriebsmitteln.

In der Landwirtschaft stützt sich der Klimaschutz auf verschiedene Massnahmenarten: Einerseits auf die direkte Reduktion des Ausstosses an der Quelle und andererseits auf die Kohlenstoffspeicherung im Boden oder in der Biomasse. Zu den Ansätzen mit hohem Potenzial gehören die Optimierung der Fütterung, um den enterischen Methanausstoss einzuschränken, die bessere Behandlung und Lagerung von Gülle, die Reduzierung der Stickstoffverluste auf den Feldern und die Entwicklung von weniger ressourcenintensiven Anbausystemen. Die Nutzung erneuerbarer Energien auf den Betrieben (PV-Anlagen, Biogas usw.) trägt ebenfalls zur Anpassung an den Klimawandel bei.

Hilfsmittel wie die Treibhausgasbilanz der Betriebe, die mit Projekten wie AgroCO2ncept oder AgroImpact angeboten wird, helfen den Landwirtinnen und Landwirten, ihr Klimaprofil zu visualisieren und die effizientesten Hebel auszuwählen. Die Pflichtenhefte der Label IP-Suisse und Bio Suisse enthalten Massnahmen für die Reduzierung der Emissionen.

Klimaschutz durch CO2-Sequestrierung?

Vermehrt kommt das Thema der CO2-Sequestrierung auf, also die vermehrte Speicherung von Kohlenstoff in Mineralböden. Grundsätzlich besteht Potenzial, da viele Böden ein Humusdefizit aufweisen. Dieses ist jedoch aufgrund fehlender Datengrundlagen momentan nicht abschätzbar. Die Speicherung von Kohlenstoff durch den Aufbau von Humus ist langwierig und grundsätzlich reversibel, falls sich die Bewirtschaftungsweise ändert. Auch die Messung einer Veränderung im Humusgehalt ist aufwändig. Hier gibt es in der Schweiz verschiedene, aber jeweils wissenschaftlich belegte Ansätze zur Messung und Vergütung der CO2-Sequestrierung. Ein nationaler Konsens besteht derzeit nicht.

Der Humusaufbau ist eine Massnahme, die unabhängig von ihrem direkten Klimaschutzpotenzial sehr sinnvoll und erstrebenswert ist. Neben der verbesserten Bodenfruchtbarkeit erhöht ein höherer Humusgehalt die Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber zunehmenden klimatischen Extremen wie Trockenheit oder Starkniederschlägen.

Die Position des SBV zum Thema CO2-Sequestrierung in Mineralböden

  • Fachliche Klärung als Grundlage für politische Entscheide
    Eine abgestimmte Wissensbasis ist Voraussetzung für sachgerechte politische Entscheide, insbesondere im Hinblick auf das realistische Potenzial der Landwirtschaft zur CO2-Sequestrierung. Derzeit bestehen sowohl erhebliche Datenlücken zur tatsächlichen Höhe des Sequestrierungspotenzials als auch unterschiedliche methodische Ansätze zu dessen Messung. Der SBV spricht sich deshalb dafür aus, bestehende Wissenslücken gezielt zu schliessen und auf nationaler Ebene zu einer abgestimmten Einschätzung zu gelangen.
  • CO2-Speicherung nur bei Aufrechterhaltung der landwirtschaftlichen Produktion
    Klimaschutzmassnahmen in der Landwirtschaft müssen zwingend mit der Sicherstellung der Lebensmittelproduktion vereinbar sein. Eine CO2-Speicherung oder Emissionsreduktion darf nicht auf Kosten der Produktionsgrundlagen oder der Versorgungssicherheit erfolgen.
  • Keine Landnutzungsänderungen zulasten des Ackerbaus
    Eine Umwandlung von Ackerland in Dauerwiesen als Massnahme zur Kohlenstoffspeicherung wird vom SBV abgelehnt, da sie im direkten Zielkonflikt mit dem angestrebten Erhalt der pflanzlichen Lebensmittelproduktion steht. Insbesondere vor dem Hintergrund ernährungspolitischer Ziele ist der Erhalt produktiver Ackerflächen zentral.
  • Angemessene Entschädigung entlang der Wertschöpfungskette
    Landwirtschaftliche Klimaleistungen müssen fair und transparent entlang der Wertschöpfungskette anerkannt und vergütet werden. Der SBV sieht Modelle, bei denen Zertifikate ausserhalb der Wertschöpfungskette gehandelt werden, nur als letzte Möglichkeit an. Massnahmen zur Förderung des Humusaufbaus sind mit zusätzlichem Arbeitsaufwand, Investitionen und betrieblichen Risiken verbunden. Dies muss in der Vergütung widergespiegelt werden.
  • Vermeidung von Verlagerungseffekten und erhöhter Abhängigkeit vom Ausland
    Eine starke Extensivierung oder Einschränkung der inländischen Produktion kann zu Verlagerungseffekten führen, etwa durch steigende Importe und damit verbundene Emissionen im Ausland. Klimaschutzmassnahmen müssen deshalb gesamthaft betrachtet werden und dürfen nicht zu einer Verschiebung von Emissionen führen. Solche Effekte würden die inländische Produktion schwächen und die bereits hohe Abhängigkeit von Importen weiter erhöhen.

Kontaktperson

Selina Fischer

Departement Produktion, Märkte und Ökologie
Co-Leiterin Energie und Umwelt

Telefon:    056 462 50 27
E-Mail:     selina.fischer@sbv-usp.ch