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Strommangellage in der Landwirtschaft

Die Wahrscheinlichkeit einer Strommangellage hat sich aufgrund verschiedener Faktoren deutlich erhöht. Zudem sind die landwirtschaftlichen Betriebe infolge Automatisierung und Digitalisierung vieler Prozesse heute stark abhängig von stetiger Stromverfügbarkeit. Wegen der drohenden Mangellage sieht der Bund ein vierstufiges Vorgehen von freiwilligen Sparapellen über Kontingentierung bis zu rotierenden Netzabschaltungen vor. Die Landwirtschaft ist dabei unterschiedlich betroffen:

  • Sparapelle, um freiwillige Massnahmen umzusetzen
    -> Hier kann die Landwirtschaft ihren Strombedarf mittels Energieeffizienzmassnahmen über Förderprogrammen von AgroCleanTech reduzieren und die gleichen Massnahmen wie die restliche Bevölkerung ergreifen.
  • Verbrauchseinschränkungen durch das Verbot von nicht notwendigen, energieintensiven Anlagen
    -> betrifft die Landwirtschaftsbetriebe nicht
  • Kontingentierung des Stroms für Grossverbraucher über 100‘000kWh/ Jahr
    -> betrifft nur wenige Landwirtschaftsbetriebe, hat jedoch indirekte Auswirkungen, wenn die Abnehmer betroffen sind.
  • Rotierende Netzabschaltungen 4h/8h oder 4h/4h
    -> technisch keine Ausnahmen möglich

Stromverbrauch eines Landwirtschaftsbetriebs

Der Strombedarf eines Landwirtschaftsbetriebes variiert je nach Produktionsart stark. Zudem ist der Stromverbrauch auch über das Jahr oder gar den Tag sehr unterschiedlich verteilt. Während die meistens Milchbetriebe morgens und abends eine Verbrauchsspitze aufweisen, haben beispielsweise Geflügelbetriebe eine konstantere Lastenverteilung. Die kritischen Installationen werden in folgender Tabelle aufgeführt.

 

 

Rinder - Milchproduktion Milchtank, Vakuum-/ Milchpumpe, Elektroboiler, Tierfütterung
Rinder- und Fleischproduktion Tierfütterung
Geflügel Ventilator, Versorgung, Systemsteuerung
Schweine Ferkelnester, Ventilatoren, Tierfütterung

Stromeffizienz verbessern

Effizienzmassnahmen helfen nicht nur die Stromkosten zu senken, sondern tragen auch dazu bei, das Risiko einer Stromknappheit zu minimieren.

Notstrom-Technologien: Was gibt es für Lösungen?

Kommt es zu Netzabschaltungen, ist der Bedarf einer Notstromversorgung abhängig von der Unterbruchdauer und dem Betriebstyp. Jede LandwirtIn sollte sich die Frage stellen, wie sie mit einem Stromausfall je nach Dauer und wichtigsten Bedürfnissen umgeht. Es ist empfohlen das Thema und die Möglichkeiten mit seinem Elektriker zu besprechen.

Für eine Notstromversorgung gibt es verschiedene Technologien, die je nach Bedarf unterschiedlich geeignet sind. Eine eigene Stromproduktion (PV- oder Biogasanlage) ist jedoch keine solche Absicherung.

  • Mobile Notstromaggregate, häufig mit Zapfwellenantrieb möglich. Begrenzt durch die Leistung des Traktors (30kW Aggregat braucht 70kW/100PS Traktor). Für komplexe Systeme kaum geeignet.
  • Stationäre Notstromaggregate, fossil betrieben. Für mittlere bis hohe Leistungen, lassen sich ferngesteuert starten.
    -> Netzentkoppelung und Inselbetrieb nötig!
  • Photovoltaik mit Batterie. Braucht aufgrund der Spannung und Frequenz eine Batterie.
    -> Netzentkoppelung und Inselbetrieb nötig!

Risiken minimieren

Der der Betriebstyp sowie das Ausmass eines Produktionsstopps (Anteil an stillgelegten Aktivitäten) im Falle eines Stromausfalls, sind entscheidend für das Risiko. Eine Verminderung lässt sich mit folgenden Punkten erreichen:

  • Energetische Bestandsaufnahme Betrieb
  • Stromeffizienzmassnahmen
  • Arbeitsorganisation, kritische Aufgaben
  • Installation eines Notstromaggregates
  • Lagerung von Treibstoff

Mehr Infos im ausführlichen Bericht «Strommangellage in der Landwirtschaft - Betroffenheit und Vorsorgemassnahmen»

Kontaktperson

Hannah von Ballmoos-Hofer

Stv. Leiterin Departement Produktion, Märkte & Ökologie
Leiterin Geschäftsbereich Energie & Umwelt
Fachverantwortliche Klima und Energie

Belpstrasse 26, 3007 Bern       
hannah.vonballmoos@sbv-usp.ch  
Departement Produktion, Märkte & Ökologie
Geschäftsbereich Energie und Umwelt