Hauptinhalt

Aktuelle Agrarpolitik: Durchzogene Bilanz

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 16. Juli 2018

2014 passte der Bund die Agrarpolitik grundlegend an und führte ein neues, auf konkrete Verfassungsziele ausgerichtetes Direktzahlungssystem ein. Dieses wurde nur mit kleinen Anpassungen bis 2021 verlängert. Bevor man die Agrarpolitik wieder grundlegend diskutiert, ist eine Analyse des Status quo gefragt. Das tat der Schweizer Bauernverband mit einem Monitoring. Er zieht ein durchzogenes Fazit.  

Der Bund hat die Agrarpolitik 2014-17 für die Periode 2018-21 weitergezogen, ohne grundsätzliche Veränderungen vorzunehmen. Das eingeführte, neue Direktzahlungssystem ist auf konkrete Verfassungsziele ausgerichtet: Versorgungssicherheit, Biodiversität, Kulturlandschaft, Landschaftsqualität, Förderung von besonders umwelt- und tierfreundlichen Stallhaltungssystemen sowie Ressourceneffizienz. Bevor die Agrarpolitik wieder justiert wird, gilt es deshalb die Zielerreichung des laufenden Systems zu evaluieren. Der Schweizer Bauernverband (SBV) erstellte dazu ein Monitoring (siehe separater Bericht, speziell Tabelle 7). Dieses zeigt, dass die Biodiversitätsziele nicht nur erreicht, sondern in Bezug auf die Fläche sogar um 140 Prozent übertroffen sind. Ebenso ist es gelungen, die angestrebten Verbesserungen beim Tierwohl zu erreichen. Dies wiederum führte zu einer negativen Rückkoppelung bei den Ressourceneffizienzvorgaben: Denn die neuen Tierhaltungsformen bringen mehr Ammoniakemissionen mit sich. Diese hoben die erzielten Erfolge zur Reduktion des Ausstosses wieder auf, so dass in diesem Bereich rein zahlenmässig kein Fortschritt erkennbar ist. 

Düsterer sieht es beim Ziel der Versorgungssicherheit aus: Die produzierte Energie nahm ab und der Kulturlandverlust von über 1000 Hektaren pro Jahr setzte sich fort. Dasselbe Bild zeigt sich auch bei den sozio-ökonomischen Zielen: Die Arbeitsproduktivität und das Sektoreinkommen verbessern sich zwar minim, aber die Einkommen in der Landwirtschaft bleiben dennoch weit vom Vergleichseinkommen entfernt. Die Entwicklung des Lebensqualitätsindexes ist entsprechend ernüchternd: Es gab keine Trendwende. Um die Zufriedenheit der Bauernfamilien steht es nach wie vor nicht zum Besten. 

Wie soll es also nach 2022 weitergehen? In seiner Beurteilung gibt das Bundesamt für Landwirtschaft der aktuellen Agrarpolitik gute Noten. Aus Sicht des SBV ist ebenfalls kein grundlegend neues System gefragt. Nicht zuletzt, weil ein solches bei allen Involvierten viel Arbeit und hohe Kosten auslöst. Aber dennoch braucht es Justierungen: In Sachen Biodiversität setzt die aktuelle Agrarpolitik genug, respektive rein flächenmässig betrachtet zu viele Anreize. Deshalb soll in Zukunft vermehrt deren Qualität im Vordergrund stehen. Die Förderung der Lebensmittelproduktion und damit der Versorgungssicherheit ist ungenügend. Das Tierwohl ist in Zukunft zusammen mit der Frage der Ammoniakemission zu betrachten. Vor allem aber leistet die laufende Reform keinen ausreichenden Beitrag, um die wirtschaftliche Lage der Betriebe zu verbessern. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sie Anreize setzt, die sich nicht in Mehrwert und besseren Einkommen niederschlagen. 

Rückfragen

Francis Egger

Schweizer Bauernverband
Leiter Departement Wirtschaft,
Bildung und Internationales

Telefon 056 462 50 12
Mobile 079 280 69 66
Email francis.egger@sbv-usp.ch

François Monin

François Monin

Schweizer Bauernverband
Leiter Agrarpolitik

Telefon 079 559 78 66 
E-Mail francois.monin@sbv-usp.ch

Weitere Beiträge zum Thema

Medienmitteilungen
Sinnvolle Weiterentwicklung der Agrarpolitik

20.02.19 | Die Mitglieder der Landwirtschaftskammer diskutierten und verabschiedeten die Stellungnahme des Schweizer Bauernverbands zur Agrarpolitik 22+. Sie unterstützen Massnahmen, welche die Schweizer Produktion noch nachhaltiger machen und setzen auf Stabilität der Rahmenbedingungen.

Mehr lesen
Standpunkte Zersiedelungsinitiative: Zu extrem geraten

14.01.19 | Die Zersiedelungsinitiative will die Siedlungsentwicklung lenken, indem die Bauzone auf die heutige Fläche beschränkt wird. Einzonung von Bauland soll nur mehr dann möglich sein, wenn eine gleichwertige Fläche in die Landwirtschaftszone zurückgezont wird. Der Schweizer Bauernverband teilt grundsätzlich das Anliegen der Volksinitiative, das Kulturland besser zu schützen. Dennoch lehnt er sie ab, weil sie zu extrem ist und der Realität nicht gerecht wird.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Raumplanungsvorlage gehört zurück an den Absender

14.12.18 | Die Botschaft zur Revision des Raumplanungsgesetzes schwächt die Landwirtschaft massiv. Sie verunmöglicht Innovation und eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der Bauernbetriebe. Der Vorstand des Schweizer Bauernverbands fordert das Parlament deshalb auf, nicht auf die Vorlage einzutreten.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Bauernverband gratuliert den neuen Bundesrätinnen

05.12.18 | Die Bundesversammlung hat Karin Keller-Sutter (FDP) und Viola Amherd (CVP) in den Bundesrat gewählt. Sie treten in die Fussstapfen von Johann Schneider-Ammann (FDP) und Doris Leuthard (CVP), welche mit dem Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und dem Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) zwei für die Landwirtschaft sehr wichtige Departemente führten. Der Schweizer Bauernverband (SBV) gratuliert den beiden neuen Bundesrätinnen herzlich zur Wahl.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Bauernverband verabschiedet Resolution zur Agrarpolitik 22+

22.11.18 | Die Delegierten des Schweizer Bauernverbands verabschiedeten an der heutigen Jahresversammlung eine Resolution zur Agrarpolitik 22+. Darin fordern sie unter anderem mehr Stabilität bei den Rahmenbedingungen, die Umsetzung des neuen Artikels 104a zur Ernährungssicherheit und weniger Administration. Weitere Themen waren der Umgang mit der Trinkwasserinitiative und der Initiative für eine schweiz ohne synthetische Pestizide. Die Versammlung ehrte zudem die Siegerinnen und Sieger in den landwirtschaftlichen Berufen an den SwissSkills 2018.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Agrarpolitik 22+: Reform ohne Mehrwert

14.11.18 | Dem Schweizer Bauernverband gelingt es nicht, in der heute vom Bundesrat verabschiedeten Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik einen konkreten Mehrwert zu erkennen, der erneute Anpassungen auf Gesetzesebene rechtfertigen würde.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Verordnungspaket 2018: Kurs stimmt

31.10.18 | Der Bund hat heute das neue landwirtschaftliche Verordnungspaket verabschiedet. Dieses geht für den Schweizer Bauernverband mehrheitlich in die richtige Richtung.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Finanzkontrolle auf Abwegen

10.10.18 | Die eidgenössische Finanzkontrolle hat die Finanzhilfen an Organisationen in der Landwirtschaft unter die Lupe genommen und dabei offensichtlich ihre Aufgabe missverstanden: Sie interpretiert den vom Stimmvolk mit 78 Prozent Zustimmung angenommenen Verfassungsartikel 104a zur Ernährungssicherheit falsch, da ihr offensichtlich die dafür nötige Fachkompetenz fehlt.

Mehr lesen