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Chlorothalonil & Landwirtschaft

BLICK vom 31. August 2020 / 10 vor 10 vom 31. August 2020

Landauf und landab wird in den Medien seit mehr als einem Jahr über Grenzwertüberschreitungen von Abbauprodukten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil berichtet. Die «Schuldigen» in den meisten Beiträgen: Die Bauern.

Korrekt ist: Chlorothalonil war ein während Jahrzehnten von den Behörden offiziell bewilligtes Pflanzenschutzmittel gegen verschiedene Pilzkrankheiten. Pilzkrankheiten reduzieren nicht nur die Ernten, vielmehr können sie diese gänzlich unverkäuflich machen. Die Bauern haben Chlorothalonil korrekt verwendet. Bis Anfang 2019 galt das Mittel und seine Abbauprodukte als unbedenklich für Umwelt und Gesundheit. In einer Überprüfung kam die europäische Gesundheitsbehörde zum Schluss, dass eine negative Auswirkung auf die Gesundheit nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann. Sie änderte ihre Beurteilung von «unbedenklich» zu «möglicherweise krebserregend». Die Schweizer Behörden reagierten und verboten Chlorothalonil auf Ende 2019. Die internationale Agentur für Krebsforschung stuft Chlorothalonil in die Kategorie 2 ein. Auch Aloe Vera-Extrakt, gewisse Teearten, eingelegtes Gemüse, magnetische Felder, Schreiner- oder Schichtarbeit sind in dieser Kategorie. Im Trinkwasser findet man nicht das Chlorothalonil selbst, sondern Abbauprodukte, sogenannte Metaboliten. Aktuell ist ungeklärt, ob die Metaboliten, die aktuell die Grenzwerte überschreiten, überhaupt «relevant» sind. Gemäss einem Bericht des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sind sie nicht relevant für die menschliche Gesundheit. In diesem Fall gäbe es auch keine Grenzwerte. Wenn sie doch relevant wären, dann müsste laut einer Aussage des Berner Kantonschemiker im Bund vom 7. Februar 2020 eine 70 kg schwere Person lebenslang täglich 10'500 Liter Wasser trinken, um auf eine bedenkliche Dosis zu kommen. Man findet im Trinkwasser zudem viele andere «menschliche» Rückstände finden wie Medikamente, Hormone oder andere Chemikalienrückstände. Nur sucht man diese kaum oder gar nicht und Grenzwert gibt es ebenfalls praktisch keine dafür (Nationale Grundwasserbeobachtung NAQUA). Kurz: Viel Hype um wenig gefestigtes Wissen, aber einen ungerechtfertigten, grossen Imageschaden für die Landwirtschaft. Auch die Bauernfamilien wollen das Wasser sauber halten!