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Jacques Bourgeois

Ja zur Energiestrategie 2050

Am 21. Mai stimmt die Schweiz über ein weiteres gesellschaftspolitisch wichtiges Thema ab: Die Energiestrategie 2050. Das Volk hat es in den Händen, wie schnell wir auf den bereits fahrenden Zug der Energiewende aufspringen – hin zu einer Energieproduktion, die auf der Stärkung von erneuerbaren Energien basiert.

Die Landwirtschaft leistet bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Strom- und Wärmeproduktion aus erneuerbaren Energien. Über Photovoltaik- und Windanlagen generiert sie jährlich Strom von rund 310 Gigawattstunden (GWh). Biogasanlagen tragen 120 GWh zum Schweizer Strom-Mix bei, dazu kommen 140 GWh Wärme – dies notabene mit nur vier Prozent des in der Schweiz anfallenden Hofdüngers! Mit den geplanten Änderungen des Energiegesetzes wird es möglich, weitere landwirtschaftliche Photovoltaik- und Biogasanlagen zu realisieren. Rund 5000 Photovoltaik-Anlagen befinden sich derzeit auf der Warteliste für eine Förderung, dazu kommen 142 bäuerliche Biogasanlagen. Über sie könnte die Landwirtschaft zusätzlich 450 GWh Strom generieren.

Bei der Energiestrategie geht es aber um mehr als nur die sich bietenden Möglichkeiten für die Landwirtschaft. Sie ist auch Antwort auf die verheerenden Reaktorunfälle wie in Fukushima oder Tschernobyl. Die Atomausstiegsabstimmung im November 2016 und Umfragen verdeutlichen: Das Volk möchte keine neuen Kernkraft-werke. Es will erneuerbare Energien fördern, so dass langfristig ein Ausstieg aus der Atomenergie möglich ist. Und dieser soll in erster Linie durch inländische Stromversorgung abgefedert werden.

Um das Paket der Energiestrategie 2050 zu finanzieren, wird der Netzzuschlag für einen Grossteil der Stromkonsumenten um 0.8 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) erhöht. Ein durchschnittlicher bäuerlicher Betrieb mit einem Stromverbrauch von 21‘000 kWh pro Jahr müsste damit 168 Franken mehr für seinen Strom bezahlen. Die Landwirtschaft insgesamt hätte mit 8.9 Mio. Franken Mehrkosten zu rechnen. Im Gegenzug betragen die Ein-nahmen, welche die Bäuerinnen und Bauern dank der Energiestrategie generieren können, ein Mehrfaches dieser Kosten – nämlich rund 43 Mio. Franken.

Aus dem Druck, aus der Atomenergie auszusteigen, sind inzwischen Chancen entstanden! Chancen, über erneuerbare Energien immer mehr einheimischen Strom zu generieren. Chancen, Arbeitsplätze und Innovationen zu schaffen. Und Chancen für Bauernfamilien, ihre Lebensmittel mit ökologischer Energie zu produzieren und damit nachhaltiger zu machen. Um genau diese Chancen nicht zu verpassen, entschied die Landwirtschaftskammer des Bauernverbands – das Parlament der Bäuerinnen und Bauern – mit 63 zu 4 Stimmen die Ja-Parole. Schliessen Sie sich am 21. Mai dem Ja Ihrer Berufskolleginnen und -kollegen an!

Jacques Bourgeois, Nationalrat und Direktor des Schweizer Bauernverbands