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Eine nachhaltige Landwirtschaft ist zu Weltmarktpreisen nicht zu haben

Standpunkt des Schweizer Bauernverbands vom 31. März 2017

Ernährungssicherheit mit gesunden Lebensmitteln ist eine wertvolle Errungenschaft der Schweiz. Im freien Weltmarkt sieht es weniger rosig aus. Dort wird in einem erbitterten Konkurrenzkampf um Marktanteile gerungen. Dollar pro Tonne ist das Mass, Neoliberalismus die Tugend. Mensch, Umwelt und Gesundheit bleiben auf der Strecke. Der globalisierte Agrarhandel und der damit verbundene Preisdruck führen in der Landwirtschaft weltweit zu unhaltbaren Zuständen. In diesem System reüssieren nicht etwa die Besten, sondern die Billigsten.

Die Folgen zeigen sich aktuell in Brasilien, dem bedeutendsten Fleischexportland der Welt. Die grossen Verarbeitungsbetriebe exportieren „Gammelfleisch“ um im globalen Preiskampf mitzuhalten. Staatliche Kontrollen erliegen der Korruption. Entsprechend hat die EU bereits einen Importstopp verhängt. Weitere Länder werden folgen. Für die brasilianische Fleischbranche ist der Schaden enorm, auch für jene Lieferanten, die auf Qualität setzen. Brasilien mag künftig noch so gutes Fleisch produzieren, der Ruf bleibt ruiniert.

Durch solche Skandale werden auch die Schweizer Konsumenten im Laden wieder bewusster einkaufen und im Restaurant nach der Herkunft des Fleisches fragen. Diese Sensibilität muss genutzt und gefördert werden. Im Gegensatz zu Brasilien hat die Schweizer Fleischbranche viel in die Rückverfolgbarkeit investiert und setzt auf hohe Standards und Transparenz. Sie kommuniziert die Mehrwerte erfolgreich und kann sich so gegenüber billiger Importware differenzieren. Dank dieser Bemühungen haben die Konsumenten heute grosses Vertrauen in Schweizer Lebensmittel, welche für Qualität und Glaubwürdigkeit stehen. Allerdings ist eine sorgfältige, nachhaltige Produktion mit Aufwand verbunden. Daher kostet Qualitätsfleisch mehr als Massenware. Um die Preisdifferenz gegenüber Importen im Rahmen zu halten, ist der heutige Grenzschutz unabdingbar.

Nichtsdestotrotz will der Bundesrat ein Freihandelsabkommen mit dem MERCOSUR abschliessen. Die südamerikanische Freihandelszone, der auch Brasilien angehört, zählt zu den grössten Agrarexporteuren der Welt. Ein Abkommen kommt daher nur zustande, wenn die Schweiz die Grenze für Lebensmittelimporte öffnet. Damit würde die Schweiz die industrielle Produktion und Ausbeutung im Ausland noch mehr fördern, was im völligen Widerspruch zu den UNO-Nachhaltigkeitszielen und der Schweizer Agrarpolitik steht. Es ist utopisch, hierzulande von der Landwirtschaft Multifunktionalität und Nachhaltigkeit einzufordern und sie gleichzeitig dem globalen Wettbewerb auszusetzen. Zwingend müssen daher in Handelsabkommen unsere sensiblen Produkte ausgenommen werden. Die Importe sollen dieselben Anforderungen punkto Sicherheit und Nachhaltigkeit erfüllen. Kann der Verhandlungspartner damit nicht leben, gibt es auch kein Abkommen. Denn eine nachhaltige Landwirtschaft ist zu Weltmarktpreisen nicht zu haben.

 

Beat Röösli, Leiter Geschäftsbereich Internationales des SBV