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Vernachlässigter Boden: Es muss sich etwas ändern!

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 6. Juni 2018

Der Schweizer Bauernverband unterstützt die Idee eines Kompetenzzentrums Boden. Dieses soll helfen, das qualitativ und insbesondere quantitativ bedrohte fruchtbare Kulturland zu erhalten. Die zuständigen Behörden und Forschungsinstitutionen sind aufgefordert, die Umsetzung an die Hand zu nehmen.

Die Landwirtschaft kann sich nicht über zu wenig Beachtung beklagen. Aktuell sind es der Pflanzenschutz, die Gewässerqualität, die Biodiversität oder die Tierhaltung, welche die Öffentlichkeit und damit auch die Politik bewegen. Aus Sicht der Bauernfamilien gibt es aber ein weiteres, mindestens ebenso wichtiges Themenfeld, das kaum Aufmerksamkeit erhält: Der Boden. Das landwirtschaftliche Kulturland – die wichtigste nicht erneuerbare Produktionsgrundlage der Schweizer Landwirtschaft – ist gefährdet. Seit Messbeginn 1979 ist die Bauzone laut Arealstatistik um mehr als 2400 ha pro Jahr gewachsen. Dies entspricht rund 6.6 ha pro Tag. Durch Überbauung und Waldeinwuchs verliert die Landwirtschaft jährlich mehr als 3500 ha pro Jahr oder 1m2 pro Sekunde. Gebaut wird zudem oft dort, wo der Boden auch ideal für die landwirtschaftliche Produktion ist.

Gleichzeitig ist die Landwirtschaft mehr denn je gefordert, die Qualität ihrer Böden zu erhalten. Bodenverdichtung, der Verlust organischer Substanz oder Erosion bringen das Risiko von Bodendegradation und – im schlimmsten Fall – zusätzlichem Verlust mit sich. Bis heute werden auf nationaler Ebene nicht ausreichende Bodendaten erhoben und verfügbar gemacht, um die wichtigsten anstehenden Herausforderungen in Bezug auf Ernährungssicherheit, Raumplanung und Klimawandel adäquat anzugehen. Seit der Aufhebung der einzigen bundesweiten Anlaufstelle für Bodenkartierung im Jahr 1996 gibt es keine Instanz mehr, die Standards für eine gesamtschweizerisch einheitliche Bodendatenerhebung unterhält und aktualisiert. Es fehlt an einer nationalen Fachstelle, welche die aufkommenden Fragen bezüglich Bodennutzung und Bodenschutz beantworten kann.

Die Fachkommission Pflanzenbau des Schweizer Bauernverbands und der Geschäftsbereich Energie & Umwelt befassten sich dieses Frühjahr intensiv mit dem Thema Boden und verfassten ein entsprechendes Positionspapier. Dieses schildert die zahlreichen Herausforderungen und unterstützt für die Bewältigung die Schaffung eines Kompetenzzentrums Boden, angegliedert an eine der bestehenden Forschungsinstitutionen. Das Parlament hat dazu bereits grünes Licht gegeben. Das Kompetenzzentrum soll Bodeninformationen über die Kantone hinweg einheitlich erheben und so ein Monitoring aufbauen. Ebenso soll es die gewonnenen Informationen in verschiedenen laufenden Projekten sowie die Effekte von agrarpolitischen Massnahmen zusammentragen und für die Praxis aufbereiten. Das Positionspapier wurde Ende Mai den Bundesämtern für Umwelt, Landwirtschaft und Raumentwicklung sowie den bestehenden Forschungseinrichtungen zugestellt. Diese sind nun aufgefordert, die Umsetzung so rasch als möglich an die Hand zu nehmen!

Die Quantität und Qualität des Bodens für die landwirtschaftliche Produktion ist die Basis für die Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Lebensmitteln und eine naturnahe, nachhaltige Produktion. Es gibt nicht viel, das gleich bedeutsam ist.

Rückfragen

Martin Rufer

Martin Rufer

Schweizer Bauernverband
Leiter Produktion, Märkte & Ökologie

Telefon 078 803 45 54
E-Mail martin.rufer@sbv-usp.ch

Fabienne Thomas

Schweizer Bauernverband
Stv. Leiterin Departement Produktion, Märkte und Ökologie
Leiterin Geschäftsbereich Energie und Umwelt

Mobile 079 919 11 82
E-Mail fabienne.thomas@sbv-usp.ch

David Brugger

Schweizer Bauernverband
Leiter Geschäftsbereich Pflanzenbau

Telefon 077 438 90 88
E-Mail david.brugger@sbv-usp.ch

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