Boden ist eine der wichtigsten Produktionsgrundlagen für die Landwirtschaft: er speichert Wasser, Nährstoffe und organische Substanz, bietet Lebensraum für viele wichtige Bodenlebewesen und dient der Verankerung von Pflanzen, welche den Boden durchwurzeln. Fruchtbarer Landwirtschaftsboden ist ein wertvolles Gut, welches in der Schweiz, aber auch global, immer seltener wird. Dabei bewegt sich die Bodennutzung im Spannungsfeld verschiedener Nutzungskonflikte wie Lebensmittelproduktion, Natur, Biodiversität, Siedlungs- und Infrastrukturfläche. Böden spielen auch eine wesentliche Rolle bei der Klimaregulierung, indem sie grosse Mengen an Kohlenstoff speichern und so dazu beitragen können, den Klimawandel abzumildern.
Der landwirtschaftlich genutzte Boden ist durch verschiedene Umstände unter Druck:
- Kulturlandverlust (Bodenquantität): Pro Sekunde geht in der Schweiz 1 m2 Boden verloren, wovon ⅔ zu Siedlungs- und Infrastrukturfläche und ⅓ zu Wald wird.
- Erosion (Bodenquantität und -qualität): Erosion verringert die Bodenquantität sowie -qualität und fällt regional sehr unterschiedlich aus. Das Erosionsrisiko ist abhängig von Hangneigung, Wassereinzugsgebiet, Niederschlagsmenge, Bodeneigenschaften und Bewirtschaftung.
- Verdichtung (Bodenqualität): Durch immer grössere und schwere Maschinen steigt das Risiko von Bodenverdichtung, wobei Radlast, Reifendruck und Bodennässe beim Befahren die zentralen Einflussfaktoren darstellen. Bei verdichteten Böden sind der Luft- und Wasserhaushalt sowie die Bodenlebewesen gestört, wodurch die Bodenfruchtbarkeit abnimmt.
- Altlasten (Bodenqualität): Diversere Schadstoffe wie Mikroplastik und Schwermetalle (z.Bsp. Blei, Zink, Kupfer) werden im Boden angereichert. Dies ist oft, an ehemaligen Standorten von Industrie und Gewerbebetrieben sowie Deponien der Fall. Auch durch gewisse Kunst- und Hofdünger können bestimmte Schwermetalle eingetragen werden.
Um den Verlust der Bodenquantität und Verminderung der Bodenqualität einzudämmen, ist es wichtig, dem Schutz des Bodens besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dies kann teilweise mit angepassten Strategien in der Bewirtschaftung (z.B. vielfältige Fruchtfolge, optimale Bodenbedeckung (Winterkulturen, Gründüngungen, Zwischenfutter) und kein Befahren bei zu nassen Witterungsverhältnissen) erreicht werden. Anderseits muss mittels Raumplanung der Kulturlandverlust an Siedlungs- und Infrastrukturfläche eingedämmt werden. Dazu ist es wichtig, die Böden und ihre Eigenschaften zu kartieren. Aus diesem Grund wurde 2021 das nationale Kompetenzzentrum Boden (KOBO) gegründet. Es beschäftigt sich insbesondere mit der «Vereinheitlichung und Weiterentwicklung von Erhebungs- und Analysemethoden von Bodeneigenschaften» (KOBO). Die so gewonnen Bodendaten bieten die Grundlage, um die wichtigsten anstehenden Herausforderungen in Bezug auf Ernährungssicherheit, Raumplanung und Klimawandel adäquat anzugehen.
Vermehrt kommt das Thema der CO2-Sequestrierung auf, also die vermehrte Speicherung von Kohlenstoff in Mineralböden. Grundsätzlich besteht Potential, da viele Böden ein Humusdefizit aufweisen. Dieses ist jedoch aufgrund fehlender Datengrundlagen momentan nicht abschätzbar. Die Speicherung von Kohlenstoff durch den Aufbau von Humus ist langwierig und grundsätzlich reversibel, falls sich die Bewirtschaftungsweise ändert. Auch die Messung einer Veränderung im Humusgehalt ist aufwändig. Hier gibt es in der Schweiz verschiedene, aber jeweils wissenschaftlich belegte Ansätze zur Messung und Vergütung der CO₂-Sequestrierung. Ein nationaler Konsens besteht derzeit nicht.
Weitere Informationen: Die Position des SBV zum Thema CO2-Sequestrierung in Mineralböden
Der Humusaufbau ist eine Massnahme, die unabhängig von ihrem direkten Klimaschutzpotenzial sehr sinnvoll und erstrebenswert ist. Neben der verbesserten Bodenfruchtbarkeit erhöht ein höherer Humusgehalt die Resilienz landwirtschaftlicher Systeme gegenüber zunehmenden klimatischen Extremen wie Trockenheit oder Starkniederschlägen.