Hauptinhalt

Ab morgen ernährt ausländischer Boden die Schweiz

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 1. Juli 2022

Der 2. Juli ist der Schweizer «Food Overshoot Day». Weil die einheimische Landwirtschaft nur 52 Prozent des Bedarfs an Lebensmitteln produziert, füllt sich unser Teller statistisch gesehen ab morgen und bis Ende Jahr ausschliesslich mit Importen. Deren Produktion und Transport belasten die Erde stärker.

Die Schweizer Landwirtschaft produzierte im Schnitt der letzten drei Jahre 52 Prozent des von der einheimischen Bevölkerung benötigten Essens (Nettoselbstversorgungsgrad). Am 2. Juli endet deshalb statistisch gesehen die Inlandversorgung, es ist also «Food Overshoot Day». Ab sofort und bis Ende Jahr ist die Schweizer Bevölkerung auf importierte Lebensmittel und damit Flächen im Ausland angewiesen, um ihren Bedarf zu decken.

Gerade die Krisen in jüngster Zeit haben gezeigt, wie fragil die globalen Lieferketten sind. Bei Lebensmitteln kommt hinzu, dass es nur kleine Störungen braucht, damit die ausreichende Versorgung aller Menschen auf dieser Welt nicht mehr sichergestellt ist. Das liegt einerseits daran, dass die weltweiten Landwirtschaftsflächen aufgrund von Überbauung, Erosion, Versalzung und Wasserknappheit schrumpfen. Anderseits wächst die Menschheit nach wie vor und der Bedarf an Essen steigt.

Die ausländische Lebensmittelproduktion ist zudem mit einer grösseren ökologischen Belastung verbunden als jene im Inland. So stellt der Bericht des Bundesamtes für Umwelt fest, dass 75 Prozent des konsumbedingten ökologischen Fussabdruckes der Schweiz im Ausland anfällt. Je weniger wir im Inland produzieren und dafür importieren, umso mehr belastet das Essen die Erde. Eine starke inländische Lebensmittelproduktion ist folglich nicht nur für die Ernährungssicherheit, sondern auch aus globalen Umweltaspekten bedeutsam.

Rückfragen

Martin Rufer

Martin Rufer

Direktor Schweizer Bauernverband

Telefon 078 803 45 54
E-Mail martin.rufer@sbv-usp.ch

Francis Egger

Vize-Direktor Schweizer Bauernverband
Leiter Departement Wirtschaft,
Bildung und Internationales

Telefon      056 462 50 12
Mobile       079 280 69 66
Email        francis.egger@sbv-usp.ch

Michel Darbellay

Leiter Produktion, Märkte & Ökologie SBV

Telefon:    078 801 16 91
E-Mail:     michel.darbellay@sbv-usp.ch 

Weitere Beiträge zum Thema

Statistik der Woche
Woche 30-2022

29.07.22 | Betrachtet man die Düngereinfuhren der Schweiz nach Transportmittel, zeigt sich, dass rund die Hälfte mit dem Schiff über den Rhein in die Schweiz gelangt. 40 % werden über die Strasse in die Schweiz befördert. Rund 20 Kilo-tonnen (8,3 %) werden mit der Bahn eingeführt. Der Luftverkehr spielt bei den Düngereinfuhren keine nennenswerte Rolle. Ausgewertet wurde das Nettoeinfuhrgewicht des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). Es ist gut möglich, dass in Zukunft während längeren Perioden mit tiefen Wasserpegeln vermehrt auf die Strasse ausgewichen werden muss.

Mehr lesen
Statistik der Woche
Woche 29-2022

22.07.22 | Die Kosten der Landwirtschaftsbetriebe nehmen seit Ende 2021 aufgrund steigender Produktionsmittelpreise immer stärker zu. Entsprechend steigen tendenziell auch die Preise der landwirtschaftlichen Produkte an. Die grosse Ausnahme ist der Preis für Schlachtschweine: Der Basispreis ist auf 3.30 Franken pro Kilogramm Schlachtgewicht gesunken. So tief lag der Preise letztmals im Jahr 2011. Vor zwei Jahren lag der Preis noch bei 4.85 Franken. Dabei nimmt die Produktion seit 2012 langfristig betrachtet ab. Eine leichte Ausdehnung des Angebots um ca. 5 % im Verlauf der beiden Corona-Jahre 2020/2021 hat jedoch dazu geführt, dass der Markt aktuell übersät-tigt ist. Für die Schweinezüchter ist die Situation angesichts sinkender Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten mehr als ungemütlich. In der Grafik wird für die Produktionsmenge und den Produzentenpreis der Trend über 12 Monate angezeigt.

Mehr lesen
Statistik der Woche
Woche 28-2022

15.07.22 | Stickstoffdünger (Ammoniumnitrat, Harnstoff und weitere Stickstoffdünger) werden über das ganze Jahr eingeführt, mit einem deutlichen, saisonalen Peak in den Monaten August bis November. Grosse Mengen kommen aus Deutschland und den Niederlanden. Russland weist vor allem beim Harnstoff grosse Anteile auf. Die Einfuhren aus Russland sind im April und Mai 2022 auf Null gesunken. Dafür ist Ägypten in die Bresche gesprungen. In der vorliegenden Grafik sind jeweils die Herkunftsländer abgebildet; wo die Dünger effektiv hergestellt wurden, kann anhand der vorliegenden Daten nicht eruiert werden.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
Agristat Aktuell 06-22: Hof- und Recyclingdünger im HODUFLU: Anteile, Entwicklung und Relation

11.07.22 | Die Mengen und Lieferungen nehmen im HODUFLU seit 2014 zu. Rund zwei Drittel der Lieferungen finden innerhalb der Landwirtschaft statt; bei einem Drittel sind Vergärungs- und Kompostierungsanlagen als Abnehmer oder Abgeber involviert. Jede fünfte Lieferung geht über eine Kantonsgrenze. Erwartungsgemäss liefern in der Tendenz Kantone mit einer hohen Viehdichte an Kantone mit viel Ackerflächen. 2021 entsprach die HODUFLU-Gesamtmenge 12,9 % der Schweizer Gesamt-Düngermenge. Aufgrund der steigenden Mineraldüngerpreise wird die Nachfrage nach Hof- und Recyclingdünger wohl weiter zunehmen.

Mehr lesen
Bericht zur Lage Bericht zur Lage der Landwirtschaft - Juni 2022

11.07.22 | Der Juni 2022 war der zweitheisseste seit Messbeginn 1864. Nur der Juni des Jahres 2003 wies eine noch höhere Durchschnittstemperatur aus. An mehreren Messstandorten stiegen die Tageshöchstwerte auf neue Junirekorde. Die Niederschlagssummen blieben verbreitet unterdurchschnittlich. Damit setzte sich das mehrheitlich trockene Wetter der Vormonate fort (Tabelle 1.2).

Mehr lesen
Statistik der Woche
Woche 27-2022

08.07.22 | Das Verhältnis zwischen den Produzentenpreisen und den Produktionsmittelpreisen ist ein Indikator («Kaufkraft») für die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaftsbetriebe. Nachdem sich das Verhältnis 2020 noch zu Gunsten der Landwirtschaft entwickelt hatte, machte sich ab Herbst 2021 ein erhöhter Preisdruck bei den Produktionsmitteln bemerkbar, vor allem bei der Energie und den Düngemitteln. Inzwischen hat sich das Verhältnis weiter verschlechtert. Alle Produktionsmittel sind teurer geworden: Futtermittel, Saatgut, Maschinen, Gebäude usw. Dabei lässt sich die weitere Entwicklung der Produktionsmittelpreise im internationalen Kontext derzeit kaum abschätzen. Noch steht ein Grossteil der Ernten im laufenden Jahr aus. Auch die Produzentenpreise werden ansteigen. Die Frage ist, ob der Anstieg ausreichen wird, um die Mehrkosten zu decken. Die Ausgangslage ist für die Landwirtschaftsbetriebe beunruhigend.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Mehrkosten der Bauernbetriebe noch nicht gedeckt

07.07.22 | Die Ladenpreise der Lebensmittel steigen, bis zu den einheimischen Bauernfamilien gelangen diese aber ungenügend. Obwohl «teurere Rohstoffe» oft und in völlig ungerechtfertigtem Ausmass als Begründung für die höheren Ladenpreise hinhalten müssen.

Mehr lesen
Statistik der Woche
Woche 25-2022

04.07.22 | Die Teuerung kommt in der Schweiz bei den Nahrungsmitteln mit Verzögerung an. Die Konsumentenpreise für Nahrungsmittel stiegen gemäss dem Bundesamt für Statistik im Mai 2022 innert Jahresfrist trotz den massiven Preissteigerungen auf dem Weltmarkt erst um 0,9 %. Dafür gibt es diverse Gründe: Der hohe Kurs des Schweizer Frankens hat eine dämpfende Wirkung. Verkaufte Inlandprodukte stammen teilweise noch von den Ernten des Vorjahres. Importe laufen oft über langfristige Verträge und kommen mit Verzögerung in den Verkauf. Die Importpreise für unverarbeitete und verarbeitete Landwirtschaftsprodukte sind erst spät angestiegen, dürften nun aber die Konsumentenpreise für Nahrungsmittel zunehmend beeinflussen.

Mehr lesen