Agrarpolitik 2030 muss Ernährungssicherheit stärken und Bauernfamilien Perspektiven geben

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 11. Februar 2026

Aktuell erarbeitet das Bundesamt für Landwirtschaft die Vorlage für die nächste grosse Agrarreform, die AP 2030. Der Vorstand des Schweizer Bauernverbands diskutierte heute seine konkreten Forderungen. Er sieht drei Hauptpfeiler: Die Landwirtschaft auf dem Markt und damit die ökonomische Nachhaltigkeit stärken, die inländische Ernährungssicherheit verbessern und den administrativen Aufwand reduzieren. 

Der Bundesrat will im Herbst 2026 die Botschaft zur Agrarpolitik ab 2030 in die Vernehmlassung geben. Der Vorstand des Schweizer Bauernverband (SBV) setzte sich mit der aktuellen Ausgangslage und den entsprechend erforderlichen Massnahmen in der nächsten Agrarpolitik auseinander. Die aktuellen Zahlen zeigen: Die Landwirtschaft befindet sich in vielen Bereichen nicht auf Zielkurs. Besonders kritisch ist die Ernährungssicherheit. Der Netto-Selbstversorgungsgrad lag 2024 bei lediglich 42 Prozent. Damit ist die inländische Versorgung nicht ausreichend sichergestellt. Der SBV fordert deshalb eine klare Förderung der produzierenden Landwirtschaft sowie produktionsfördernde Massnahmen. Dazu gehört beispielsweise der Ausbau von Strukturverbesserungen. Neue kontraproduktive Systeme wie Lenkungsabgaben oder zusätzliche Extensivierungsauflagen lehnt der SBV mit aller Entschiedenheit ab.

Mangelhafte wirtschaftliche Nachhaltigkeit

Besonders dringender Handlungsbedarf besteht auch bei der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Bauernfamilien. Tiefe Einkommen, lange Arbeitszeiten und hohe Belastungen prägen den Alltag vieler Betriebe. Der SBV fordert eine realistische Beurteilung der Einkommenssituation und die Stärkung der Position der Urproduktion auf dem Markt. Dazu hat er ein eigenes Marktpaket mit zahlreichen konkreten Massnahmen ausgearbeitet. Ungerechtfertigte Kürzungen im Agrarbudget lehnt er deshalb ebenfalls vehement ab. 

Im Bereich Umwelt mehrheitlich auf Kurs

Im Bereich Umwelt wurden die Elemente der sistierten AP 22+ bereits aufgenommen und sind in Umsetzung. Gerade im Bereich ökologische Nachhaltigkeit haben die Bauernfamilien bereits grosse Verbesserungen erzielt: Die Risiken beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wurden halbiert, die Biodiversitätsflächen vergrössert und der Anteil besonders tierfreundlicher Ställe erhöht. Zurzeit laufen zahlreiche Massnahmen, um die anspruchsvollen Zielvorgaben in den Bereich Pflanzenschutz und Nährstoffe zu erreichen. Schliesslich braucht die AP 2030 eine spürbare Vereinfachung. Weniger Administration, vereinfachte Kontrollen und eine stabile Geltungsdauer von zwölf Jahren sind zentrale Voraussetzungen für Planungssicherheit und Vertrauen. Der Vorstand erinnert die Behörde und den Bundesrat zudem an die Vorgabe des Parlaments: Die AP 2030 soll keine reine Agrarpolitik, sondern eine Ernährungspolitik darstellen. Die ganze Wertschöpfungskette steht in der Verantwortung!

Die Haltung des SBV zu den einzelnen Elementen zur AP2030 sind auf diesem Merkblatt zu finden.

Anspruchsvolle Lage auf dem Milchmarkt

Aktuell ist die hohe Milchmenge in aller Munde. Die Milchproduzenten leiden unter den stark gesenkten Preisen, welche die Erstellungskosten nicht decken. Das Gute ist, dass die aktuelle Produktion kein struktureller Überschuss ist und die längerfristigen Perspektiven gut sind. Vielmehr liegt es an der Kombination zwischen optimaler Futterernte 2025, hohem Importdruck und Absatzprobleme von Schweizer Käse im Ausland. Der Vorstand befasste sich mit der anspruchsvollen Situation. Er fordert die gesamte Branche dazu auf, die ihr möglichen Massnahmen zu ergreifen, um die vorübergehende Krise zu bewältigen. Die Milchbetriebe selbst sind aufgefordert, die Milchmenge zu drosseln über die vorzeitige Schlachtung von Kühen, das Tränken von Kälbern und eine optimierte Fütterung. Die Verarbeitung ist aufgefordert, die Kapazitäten voll zu nutzen, um haltbare Milchprodukte herzustellen und auf jeglichen Import von Milch- und Milchprodukten zu verzichten. Das gleiche gilt auch für den Detailhandel, der über den Import von ausländischem Käse und anderen Milchprodukten einen grossen Hebel und damit Verantwortung hat. Der Vorstand des Bauernverbands fordert die Branchenorganisation Milch auf, sämtliche Akteure in die Pflicht zu nehmen und mitzuhelfen, die Vernichtung von Schweizer Milch zu verhindern. Vom Bundesrat erwartet er kurzfristig Anpassungen am System des Veredlungsverkehrs.

Rückfragen

Michelle Schenk-Wyss

Leiterin Geschäftsbereich Agrarwirtschaft

Telefon 056 462 50 08
E-Mail michelle.schenk-wyss@sbv-usp.ch

Loïc Bardet

Leiter Departement Wirtschaft, Bildung & Internationales

Telefon079 718 01 88
E-Mail loic.bardet@sbv-usp.ch

Ralf Bucher

Leiter Departement Produktion, Märkte & Ökologie
Leiter Geschäftsbereich Viehwirtschaft

Telefon 078 771 53 26
E-Mail ralf.bucher@sbv-usp.ch

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