Nullsummenspiel statt gezielter Unterstützung: Bundesrat bleibt bei Mercosur-Begleitmassnahmen ungenügend

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 20. Mai 2026

Der Bundesrat hat heute bekanntgegeben, wie er die Landwirtschaft im Zusammenhang mit den aktuellen Freihandelsabkommen unterstützen will. Er anerkennt zwar die Notwendigkeit von Begleitmassnahmen bleibt mit dem vorgeschlagenen Unterstützungsbetrag von 158 Mio. Franken jedoch sowohl beim Umfang als auch bei der Ausgestaltung deutlich hinter dem Notwendigen zurück. Der Bund stellt dafür keine zusätzlichen Mittel bereit, sondern sieht eine Finanzierung aus der Branche selbst vor. Der Vorschlag ist aus Sicht der Landwirtschaft eine Nullnummer.

Das Abkommen mit den Mercosur-Staaten sieht für 25 Agrarprodukte zusätzliche Zollkontingente ausserhalb der WTO-Kontingente vor. Dadurch drohen zusätzliche Importe zu tiefen Zollansätzen und ein erheblicher Druck auf die Produzentenpreise. Je nach Marktsituation ist mit jährlichen Produktionswerteinbussen von 70 bis 115 Mio. Franken zu rechnen. Die Landwirtschaftskammer des SBV hat deshalb bereits im Februar gefordert, in den ersten acht Jahren zusätzliche 110 Mio. Franken pro Jahr für Strukturverbesserungen und Absatzförderung bereitzustellen. Für den SBV ist weiter klar, dass eine gemeinsame Beratung von Abkommen und Begleitmassnahmen notwendig ist, um das Gesamtpaket beurteilen zu können. 

Der Bundesrat hat heute bestätigt, dass der Abbau im landwirtschaftlichen Grenzschutz negative Folgen hat und daher Begleitmassnahmen nötig sind. Mit dem heutigen Entscheid treibt der Bundesrat aber eine getrennte Behandlung von Begleitmassnahmen und Abkommen voran, was aus Sicht des SBV der falsche Ansatz ist. Damit fehlt die nötige Verbindlichkeit hinter den flankierenden Massnahmen. Zudem bleibt die vorgesehene Mittelaufstockung von 158 Mio. Franken weit hinter dem Notwendigen zurück, und ist angesichts der potenziellen Auswirkungen auf die Agrarmärkte ungenügend. Besonders stossend ist, dass der Bundesrat die Finanzierung über die Versteigerung von Zollkontingenten lösen will. Damit würde die Landwirtschaft die Begleitmassnahmen weitgehend selbst finanzieren. Ein Nullsummenspiel, das den betroffenen Branchen nicht die notwendige Entlastung bringt. Statt einer echten Unterstützung handelt es sich hier faktisch um eine Umlagerung innerhalb des Sektors. 

Am 17. Juni wird der Nationalrat über das weitere Vorgehen beraten. Für den SBV ist die Kommissionsminderheit der AKP-N derzeit der einzig gangbare Weg. Sie verlangt für die auf 8 Jahre befristeten Begleitmassnahmen einen Verpflichtungskredit von jährlich 110 Mio. Franken. Damit sollen primär Massnahmen für die Strukturverbesserung (z.B. zinslose Darlehen) finanziert werden, so dass die Landwirtschaft die Kosten senken und den Preisdruck dämpfen kann. Ohne einen verbindlichen Beschluss zu wirksamen Begleitmassnahmen wird der SBV dem Abkommen nicht zustimmen können.

Rückfragen

Martin Rufer

Martin Rufer

Direktor Schweizer Bauernverband

Telefon 078 803 45 54
E-Mail martin.rufer@sbv-usp.ch

Nadine Trottmann

Leiterin Geschäftsbereich Internationales

Telefon 056 462 50 14
E-Mail nadine.trottmann@sbv-usp.ch

Weitere Beiträge zum Thema

Stellungnahmen Direkter Gegenentwurf zur Volksinitiative «Raus aus der Sackgasse!»

01.03.17 | Das Schweizer Stimmvolk hat sich am 9. Februar 2014 für eine eigenständige Steuerung der Zuwanderung entschieden. Der SBV unterstützt deshalb, dass die Zuwanderung mit geeigneten Mass-nahmen gesteuert und begrenzt werden soll. Kurzaufenthalter mit bis zu 12 Monaten Aufenthaltsdauer, die auch nicht zur ständigen Wohnbevölkerung zählen, dürfen aber nicht unter die Beschränkungen fallen. Der SBV ist sich auch der Notwendigkeit bewusst, das Inländerpotenzial so gut wie möglich zu nutzen.

Mehr lesen
SBV-News SBV-News Nr. 7 (13.02. – 17.02.2017)

22.02.17 | Agrimpuls vermittelt seit vielen Jahren ausländische Praktikanten und Arbeitskräfte auf Schweizer Landwirtschaftsbetriebe. Die Teilnehmenden der OST-18 Programme sind Agronomie-Studierende und kommen aus den Ländern Russland, Moldawien und Ukraine. Ihre Praktika dauern mindestens zwölf bis maximal 18 Monate. Im ersten Jahr müssen die Praktikanten während drei Wochen mehrere Kurse absolvieren. In der Berichtswoche fand der Kurs „Milchwirtschaft“ statt, daneben gibt’s auch noch Blöcke zum Pflanzenbau und zur Tierhaltung. Zudem nehmen sie auch an zwei Praktikantenreisen teil, bei denen touristische Sehenswürdigkeiten im Zentrum stehen – das volle Schweizer Programm!

Mehr lesen
Marktkommentar Tränker sind teuer

17.02.17 | Offiziell gilt laut Proviande der Tränkekälber- Richtpreis von Fr. 8.60 für AA-Stiere und von Fr. 7.30 für Kuhkälber mit Abstammung von reinen Fleischrassen. Diese Preise gelten jeweils je Kilo lebend ab Geburtsstall. In der Realität werden sie überboten.

Mehr lesen
Stellungnahmen 15.410 Pa. Iv. Mehrwertsteuer - Dauerhafte Verankerung des Sondersatzes für Beherbergungsleistungen

17.02.17 | Der SBV begrüsst den Grundsatzentscheid, dass der MwSt-Sondersatz für Beherbergungsdienstleistungen weiterhin gelten soll. Der SBV anerkennt die Schwierigkeiten der Branche aufgrund des sich schnell wandelnden Markts sowie der Wechselkursschwankungen, indem er eine unbefristete Verankerung des Sondersatzes unterstützt.

Mehr lesen
SBV-News SBV-News Nr. 6 (06.02. – 10.02.2017)

15.02.17 | Die Situation auf dem Molkereimilchmarkt ist seit langer Zeit mehr als unbefriedigend! Trotz rückläufiger Milchmenge und verbesserter Lage auf den internationalen Märkten schlägt sich dieser Umstand kaum auf den A-Milchpreis für die Produzenten nieder. Um die Aktivtäten des SBV in Milchfragen zu stärken, reaktivierte der Vorstand die Arbeitsgruppe Milch. Am gleichen Tag verabschiedete der Grossrat des Kantons Freiburg einstimmig eine Standesinitiative die den Bund auffordert, Massnahmen zur Verbesserung der Lage für die Milchproduzenten zu ergreifen. Nun ist die Branche gefordert, ihren Beitrag für höhere Milchpreise zu leisten.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
AGRISTAT aktuell AGRISTAT Aktuell 01-17: Jahresrückblick 2016

10.02.17 | Erstmals nach mehreren Jahren nahm die Futtergetreidefläche 2016 deutlich zu. Rückläufg entwickelten sich die Flächen von Raps und Zuckerrüben. Die Produktion von Rindfleisch nahm zu Lasten der Kalbfleischproduktion zu. Auch die Produktion von Eiern und Geflügelfleisch wurde weiter gesteigert. Die schlechten Ergebnisse in der Milchwirtschaft und im Ackerbau wurden durch die Resultate in der Fleischproduktion und den Spezialkulturen abgefedert.

Mehr lesen
SBV-News SBV-News Nr. 5 (30.01. – 03.02.2017)

08.02.17 | Anlässlich des 500sten Jahrestags der Reformation und des 600sten Geburtstages von Niklaus von Flüe trifft sich der Vorstand des SBV diese Woche in Flüeli Ranft, der Heimat von Bruder Klaus zur zweiten Sitzung des Jahres. Der SBV ist seit jeher konfessionell neutral, Bäuerinnen und Bauern hatten aber immer schon einen besonderen Zugang zu Religion und Mystik. Deshalb kommt es wohl nicht ungefähr, dass die Landwirtschaft eine verbindende Rolle für unser Land spielte und noch immer spielt. Eine Rückbesinnung auf diese Werte könnte angesichts der aktuell vielerorts herausfordernden Situation durchaus eine neue Optik ermöglichen.

Mehr lesen
SBV-News SBV-News Nr. 4 (23.01. – 27.01.2017)

01.02.17 | Bereits zu Jahresbeginn wartete auf die Geschäftsführer und Präsidenten der SBV-Mitgliedorganisationen an der der Konferenz der operativen Leiter eine reich befrachtete Traktandenliste. Im Zentrum standen die Situation auf den Märkten – insbesondere in der Milchwirtschaft, die Initiative für Ernährungssicherheit und der Gegenentwurf des Bundesrates dazu, die Unternehmenssteuerreform III, die Grundstückgewinnsteuer, die Anpassung der produktbezogenen Beiträge, die Reform „Altersvorsorge 2020“ sowie der wachsende Druck auf Bauernfamilien und die damit einhergehende psychische und physische Überlastung. Zu Letzterem gibt’s auf der SBV-Webseite unter www.sbv-usp.ch/de/services/brauchen-sie-hilfe/ eine umfassende Zusammenstellung der bestehenden Hilfsangebote.

Mehr lesen