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Zucker - Die Süsse im Ackerbau

In der Schweiz werden rund 18000 Hektaren Zuckerrüben gepflanzt (AGRISTAT). Davon werden mit steigender Tendenz ungefähr 120 Hektaren biologisch produziert (Bioaktuell). Weiter sind für 2020 rund 1000 Hektaren IP-Suisse-Rüben zu erwarten (Vonlanthen 2020). Konventionell angebauter Schweizer Zucker wird nach den Vorgaben von Suisse Garantie produziert. Die Anzahl der Zuckerrübenpflanzer ist seit 2005 rückläufig und liegt mittlerweile auf einem Niveau von rund 4500 Pflanzer (Abb. 1). Insgesamt verarbeiten die beiden Fabriken Aarberg und Frauenfeld ungefähr 1,5 Mio. Tonnen Zuckerrüben während einer Kampagne von September bis Dezember (SZU). Neben dem Zucker fallen für Futterzwecke Zuckerrübenschnitzel an, die von den Landwirten wieder eingekauft werden können. Weitere Nebenprodukte sind Erde, Melasse und Kalk. In der Schweiz ist die Zuckerrübenproduktion für die Ethanolgewinnung nicht relevant.

Aussenhandel, Swissness und Politik – EU-Zuckermarktordnung

In einem Schiedsspruch von 2005 forderte die WTO die EU auf, ihre Zuckerausfuhren um annähernd 5 Mio. Tonnen zu senken, da sie mit ihrem subventionierten Zucker den Weltmarktpreis künstlich senkte. Die EU, bis anhin die weltweit zweitwichtigste Zuckerexporteurin, musste ihre Zuckermarktordnung grundlegend ändern. Sie reduzierte in der Folge die Rübenproduktion, führte Anbau- und Exportquoten ein und senkte den Rüben- und Zuckerpreis um rund 40%. Die Reform hatte einen Flächenrückgang um rund einen Drittel zur Folge. Die EU wurde damit zur Zucker- Nettoimporteurin.

Mit dem Ziel die Selbstversorgung wieder zu erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, hat die EU Ende September 2017 die Produktionsbegrenzung für Zucker und Isoglucose sowie den Mindestpreis für Zuckerrüben aufgehoben. Gleichzeitig mit der Marktliberalisierung entfiel die von der WTO auferlegte Exportbeschränkung von Zucker. In der Folge des Entscheides haben die Zuckerfabriken ihre Verarbeitung erhöht und die Anbaufläche wurden in den meisten EU- Länder ausgedehnt. Die Produktionsausdehnung fiel in klimatisch gute Jahre und die Produktionsmenge 2017 lag über dem Eigenbedarf der EU. Die Überproduktion fiel mit einer Baisse des Weltzuckermarktes zusammen und das Preisniveau brach ein. Im August 2019 lag der EU- Zuckerpreis auf einem Zehnjahrestief von rund 300 Euro.

Der Verdrängungskampf unter den Zuckerfabriken führt ab 2020 wiederum zu Schliessungen von europäischen Fabriken. Die Anbaufläche in der EU war im Jahr 2019 wieder leicht rückläufig. Da die Schweizer Zuckermarkt durch die bilateralen Verträge mit der EU direkt verbunden ist (Doppelnulllösung) sank auch der Zucker- und damit der Rübenpreis in der Schweiz. Durch den Preiszerfall sank auch die Anbaubereitschaft in der Schweiz und Flächen wurden reduziert. Voraussichtlich wird der Zuckermarkt ohne Anbauquoten in der EU weiterhin unter starken Schwankungen leiden und der Preis volatil bleiben.

Der Swissnessversorgungsgrad von Zucker liegt bei ungefähr 55 Prozent. Die Swissness-Regeln sind seit 1. Januar 2017 in Kraft. Sie legen fest, ab wann ein Produkt mit der Herkunft Schweiz werben darf. Lebensmittel dürfen das Schweizer Kreuz verwenden, wenn mindestens 80% der enthaltenen Rohstoffe aus dem Inland stammen. Dies gilt auch für Schweizer Zucker. Glaubwürdige Vorgaben an die Swissness sind wichtig, damit die Herkunft Schweiz ihren Wert behält. In der Schweiz stützt der Bund den Zuckerrübenanbau mit Flächenbeiträgen. Unter der Bedingung eine Betriebswirtschaftlichkeitsstudie durchzuführen, wurden im Rahmen eines befristeten Unterstützungspakets diese Beiträge 2019 bis 2021 erhöht und ein Mindestzoll für Zucker von 70 CHF/ Tonne Zucker eingeführt.

Anbaubedingungen, Logistik und Gesellschaft

Weiter fordert seit 2015 das Syndrome de la basse richesse (SBR) die Produzenten heraus. SBR wird durch ein Bakterium oder Phytoplasma ausgelöst, welches von einer Zikade übertragen wird und die Rüben vergilben lässt. Es senkt den Zuckergehalt bei befallenen Pflanzen. Bei SBR ist die effizienteste Bekämpfung noch unklar. Die Kombination verschiedener Massnahmen scheint am vielversprechendsten.

Die tägliche Belieferung der Fabriken ist logistisch betrachtet eine grosse Herausforderung. Der Transport wird bäuerlich und regional organisiert. Rund 50 Prozent werden der Menge werden per Bahn und 50 Prozent via Strasse angeliefert. Je nach Region sehen die Anteile anders aus.

Die Zuckerrüben sind eine anspruchsvolle Kultur. Die Initiativen „Sauberes Trinkwasser“ und „Schweiz ohne synthetisch hergestellte Pestizide“ drohen den Zuckerrübenanbau massiv zu erschweren oder gar ganz zu verhindern. Dazu kommt der Preisdruck durch den eingeschränkten Grenzschutz. Entsprechend werden weitere politische Aktivitäten notwendig sein, sich für den Rübenanbau in der Schweiz zu positionieren. Denn Schweizer Zucker hat weitaus mehr zu bieten als nur die Produktion von Weisszucker. Die 30 Prozent nachhaltigere Produktion von Schweizer Zucker im Vergleich zu europäischen Zucker wurde mit einer unabhängigen Nachhaltigkeitsstudie bereits belegt. Die Nachhaltigkeit ist und wird auch in Zukunft für weitere Entwicklungen im Anbau wichtig sein.

Kontaktperson

Irene Vonlanthen

Irene Vonlanthen

Schweizer Bauernverband
Geschäftsführerin Schweizerischer Verband der Zuckerrübenpflanzer

Telefon 056 462 50 20
E-Mail irene.vonlanthen@sbv-usp.ch