Ab heute ist die Inlandproduktion aufgebraucht

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 13. Juli 2026

Die Schweizer Landwirtschaft kann den Bedarf der Bevölkerung immer kürzer aus eigener Produktion decken. Der Schweizer Food Overshoot Day fällt dieses Jahr auf den 13. Juli – früher als je zuvor. Ab diesem Zeitpunkt stammen die konsumierten Lebensmittel statistisch gesehen bis Ende Jahr aus dem Ausland. Das erhöht nicht nur die Abhängigkeit von Importen, sondern verlagert auch Umweltbelastungen ins Ausland. Die Agrarpolitik 2030 muss diese Entwicklung korrigieren und die inländische Lebensmittelproduktion gezielt stärken. 

Mit einem Bruttoselbstversorgungsgrad von rund 50 Prozent produziert die Schweizer Landwirtschaft heute die Hälfte der Lebensmittel, welche die Bevölkerung konsumiert. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Entsprechend rückt auch der Food Overshoot Day immer weiter nach vorne. Ab heute ist die Schweiz rechnerisch auf Lebensmittelimporte angewiesen, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. 

Schweiz international einer der grössten Nettoimporteure

Im internationalen Vergleich zeigt sich die wachsende Abhängigkeit deutlich: Deutschland erreicht einen Selbstversorgungsgrad von rund 88 Prozent und könnte seine Bevölkerung bis Anfang November mit Lebensmitteln aus eigener Produktion versorgen. Frankreich produziert sogar genügend Nahrungsmittel, um den Eigenbedarf vollständig zu decken. Gleichzeitig stehen die weltweiten Produktionsressourcen zunehmend unter Druck. Landwirtschaftliche Nutzflächen gehen durch Überbauung, Bodenerosion, Versalzung und Wasserknappheit verloren, während die Weltbevölkerung wächst. Wetterextreme, geopolitische Konflikte oder Handelsstörungen beeinträchtigen die Versorgung zusätzlich.

Je mehr Import, desto schlechter für die Umwelt

Wer Lebensmittel importiert, importiert auch ihre Umweltbelastung. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt entstehen mehr als zwei Drittel des konsumbedingten ökologischen Fussabdrucks der Schweiz im Ausland. Eine sinkende Inlandproduktion führt deshalb nicht zu einer geringeren Umweltbelastung, sondern verlagert und vergrössert diese. Eine vielfältige und leistungsfähige Schweizer Landwirtschaft sowie der Erhalt der landwirtschaftlichen Produktionsflächen sind deshalb sowohl für die Ernährungssicherheit als auch für den Umwelt- und Ressourcenschutz von zentraler Bedeutung.

Ernährungsinitiative ist das falsche Rezept

Am 27. September kommt die Initiative für eine sichere Ernährung zur Abstimmung. Diese verlangt, den Selbstversorgungsgrad auf mindestens 70 Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel will sie durch die Umstellung von Konsum und Produktion auf pflanzliche Lebensmittel erreichen. Im Grasland Schweiz ist das das nicht standortgerecht. 70 Prozent der Landwirtschaftsflächen lassen sich nur über grasfressende Nutztiere wie Kühe, Schafe oder Ziegen überhaupt für die menschliche Ernährung nutzen. Zudem bilden Tiere und pflanzliche Produktion eine Einheit, denn für das Wachstum brauchen die Kulturen Dünger. Weiter wäre ein massiver Eingriff ins Konsumverhalten nötig. Denn Eier, Milch und auch Fleisch sind ein integraler Bestandteil der Ernährung der meisten Schweizerinnen und Schweizer. Um den Selbstversorgungsgrad zu verbessern, ist vielmehr der vermehrte Kauf von inländischen Lebensmitteln – pflanzlichen wie tierischen – sowie eine bessere Wertschöpfung auf Stufe der Landwirtschaft nötig. Hier ist die Agrarpolitik 2030 gefordert!

Rückfragen

Sandra Helfenstein

Schweizer Bauernverband
Leiterin Departement Kommunikation und Marketing
Geschäftsbereich Medien & Kampagnen
Mediensprecherin

Telefon 056 462 52 21
Mobile 079 826 89 75
E-Mail sandra.helfenstein@sbv-usp.ch

Weitere Beiträge zum Thema

SBV-News
SBV-News SBV-News Nr. 44-2025

03.11.25 | Der Detailhandel verkauft Billigstbrot – doch Preisdumping schadet der Schweizer Landwirtschaft.

Mehr lesen
Stellungnahmen
Stellungnahmen Stellungnahme zum Mehrwertsteuer-Sondersatz für Beherbergungsleistungen

30.10.25 | Stellungnahme des Schweizer Bauernverband zum Mehrwertsteuer-Sondersatz für Beherbergungsleistungen

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Medienmitteilungen OdA AgriAliform mit neuer Präsidentin und neuen Statuten

30.10.25 | Die OdA AgriAliForm vereint als Organisation der Arbeitswelt die Berufe des Berufsfelds Landwirtschaft. An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom 29. Oktober 2025 wählten die Delegierten Carine Théraulaz zur Präsidentin und genehmigten die neuen Statuten ab 1.1.2026.

Mehr lesen
SBV-News
SBV-News SBV-News Nr. 43-2025

27.10.25 | Regionalseminare gestartet: In der Nordwest- und Zentralschweiz trafen sich Delegierte und Interessierte zum Austausch mit dem SBV. Weiter geht’s in der Westschweiz (Bulle) und in der Ostschweiz (Flawil).

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Medienmitteilungen Sicherung der landwirtschaftlichen Souveränität ist wichtig

22.10.25 | Die Landwirtschaftskammer des Schweizer Bauernverbands verabschiedete die Stellungnahme zum Abkommen mit der EU und fasste die Parolen zu den anstehenden Abstimmungen.

Mehr lesen
Stellungnahmen
Stellungnahmen Antwortformular zur Vernehmlassungsvorlage Paket Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU

22.10.25 | Stellungnahme des Schweizer Bauernverband zur Vernehmlassungsvorlage Paket Stabilisierung und Weiterentwicklung der Beziehungen Schweiz–EU

Mehr lesen
SBV-News
SBV-News SBV-News Nr. 42-2025

20.10.25 | Foodwaste im Fokus: Bundesrat Albert Rösti zog am Runden Tisch mit dem BAFU eine positive Zwischenbilanz – doch bis zur Halbierung der Lebensmittelverschwendung bleibt noch Arbeit.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Medienmitteilungen Silofolien, Netze und Garne abgeben und dabei die Umwelt schonen

20.10.25 | Mit dem Start der Winterfütterung fallen auf vielen Bauernbetrieben wieder Silage- und Stretchfolien sowie andere Agrarkunststoffe an. Statt diese in der Kehrichtverbrennung zu entsorgen, gibt es eine wirtschaftlich interessante und umweltfreundlichere Alternative: Gebrauchte Folien bei einer der 124 ERDE-Sammelstellen abgeben. Im letzten Jahr konnte ERDE Schweiz bereits rund 2’500 Tonnen Agrarkunststoffe sammeln und die Silo- und Stretchfolien dem Recycling zuführen.

Mehr lesen