Das Mercosur-Abkommen: Eine Beurteilung des SBV

Das Mercosurabkommen gibt in der Landwirtschaft zu reden. Was hat es damit auf sich und warum engagierte sich der Schweizer Bauernverband (SBV) in der parlamentarischen Beratung nicht für ein Nein?

Das Abkommen mit den Mercosur-Staaten bringt der Schweizer Exportwirtschaft neue Marktchancen. Deshalb setzen sich die Wirtschaftsverbände und die Unternehmen stark dafür ein. Gleichzeitig gewährt es zusätzlichen Marktzugang für eine limitierte Menge an Agrarprodukten aus den Mercosur-Staaten. Das kann zu zusätzlichem Wettbewerbs- und Preisdruck, zum Beispiel bei Fleisch, Wein oder Getreide führen. Dies vor allem dann, wenn die Schweizer Produktion steigt oder der Konsum im Inland zurück gehen würde. Betrachtet man das Abkommen isoliert, fällt die Bilanz aus einer landwirtschaftlichen Sicht nicht positiv aus. Deshalb forderten wir substanzielle Begleitmassnahmen für die Landwirtschaft. 

Zusätzliche Mittel füllen leere Kassen

Das Parlament hat diese unterdessen gegen den Willen des Bunderats beschlossen: 480 Mio. Franken gibt es für Massnahmen zur Strukturverbesserung und Investitionskredite, z.B. für Starthilfen, Ställe, Remisen, Produktionsanlagen und weitere Infrastrukturprojekte. Da die Kredite zurückbezahlt werden, bleiben die Mittel langfristig verfügbar. Mit den 480 Mio. Franken kann die aktuell bestehende Finanzierungslücke in vielen Kantonen geschlossen werden. Zusätzliche 60 Mio. Franken fliessen in die À-fonds-perdu-Beiträge (nicht rückzahlbare Finanzhilfen) für den Weinbau. Diese Mittel erlauben den Umbau auf robuste Rebsorten, Rodungen sowie Infrastrukturen wie Bewässerungsanlagen. Weitere 37 Mio. Franken gibt es für die Förderung des Absatzes von Schweizer Produkten. Das Parlament hat zudem beschlossen, dass der Bundesrat die Auswirkungen des Abkommens auf die Landwirtschaft und auf die übrigen Wirtschaftssektoren überwachen muss. 

Kompromiss sichert Unterstützung 

Das Mercosur-Abkommen ist zudem im Gesamtkontext der Schweizer Agrar- und Wirtschaftspolitik zu beurteilen. Die Begleitmassnahmen sind ein Kompromiss zwischen Landwirtschaft und Wirtschaft. Es ist die Grundlage dafür, dass jene Kreise, welche die Anliegen der Landwirtschaft in der Vergangenheit unterstützt haben, dies auch weiterhin tun. Aus unserer Sicht ist das Abkommen in Kombination mit den Begleitmassnahmen nicht nur eine tragbare Lösung, sondern ein entscheidender Baustein, damit die Landwirtschaft im Parlament weiterhin Mehrheiten für ihre Anliegen findet. Gerade auch im Zusammenhang mit den geplanten Kürzungen der Direktzahlungen im Budget 2027 im Umfang von 85 Millionen Franken oder im Hinblick auf die Beratung der AP 2030 werden wir darauf angewiesen sein! 

Gegen das Abkommen inklusive der Begleitmassnahmen hat die Allianz gegen Regenwaldabholzung gemeinsam mit den GRÜNEN und SP das Referendum ergriffen. Wir unterstützen das Referendum mit der Unterschriftensammlung aus den erwähnten Gründen nicht. Unsere definitive Position zum Abkommen werden wir im Vorfeld der Volksabstimmung – die voraussichtlich im Juni 2027 stattfindet – in der Landwirtschaftskammer festlegen. 

Autor

Markus Ritter

Markus Ritter

Präsident Schweizer Bauernverband
Nationalrat

Telefon 079 300 56 93
E-Mail markus.ritter@parl.ch

Weitere Beiträge zum Thema

AGRISTAT aktuell
AGRISTAT aktuell Agristat Aktuell 07-20: Bald weniger als 50 000 Landwirtschaftsbetriebe

11.08.20 | Nächstes Jahr wird die Zahl der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe mit grösster Wahrscheinlichkeit unter 50 000 fallen. Bei etwas mehr als 8,6 Millionen Einwohnern, werden dann ca. 175 Einwohner auf einen Landwirtschaftsbetrieb fallen (siehe Grafik 1). Für die meis- ten Schweizer gehört die Landwirtschaft inzwischen zunehmend zu einer fremden Welt, zu der sie als Bewohner von Städten oder der Agglomeration nur noch wenig Bezug haben. Trotzdem stand die Landwirtschaft noch selten derart im Brennpunkt des Interesses, wie dies zurzeit der Fall ist. Man betrachte nur die in den letzten Jahren behandelten und die derzeit noch offenen Initiativen. Der vorliegen- de Bericht nutzt die Gelegenheit und präsentiert einige Aspekte des Strukturwandels.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
AGRISTAT aktuell Agristat Aktuell 06-20:Die Schweizer Landwirtschaft während der Corona-Krise

10.07.20 | Die Corona-Krise und der einhergehende Lockdown stellten die Schweiz vorübergehen auf den Kopf. Die Schliessung des Gastronomiesektors und die stark veränderten Präferenzen der Privathaushalte übten dabei einen grossen Einfluss auf die Landwirtschaft aus: Es wurde deutlich mehr Gemüse produziert und importiert, in der Fleischproduktion mussten vorübergehend Marktentlastungsmassnahmen eingeführt werden und in der Milchverwertung gab es deutliche Verschiebungen. Im Aussenhandel gab es grosse Veränderungen in einzelnen Zollpositionen. Insgesamt kam die Schweizer Landwirtschaft bisher gut durch die Krise. Unklar ist, wie es mit den Käseexporten weitergeht, die im April und Mai stark gesunken sind.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
AGRISTAT aktuell Agristat Aktuell 05-20: Ein Blick auf die Nahrungsmittelversorgung der Schweiz im Krisenfall

11.06.20 | Die Corona-Krise hat das Thema Nahrungsmittelversorgung in der Schweiz erneut in den Fokus gerückt. Viele Fragen lassen sich mithilfe der von Agristat berechneten Nahrungsmittelbilanz (NMB) beantworten. Dies bedingt aber ein gewisses Hintergrundwissen und klare Begriffsdefinitionen. In diesem Artikel wird die Einschätzung der Versorgunslage auf der Basis der NMB diskutiert, insbesonders im Hinblick auf die aktuelle Situation.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
AGRISTAT aktuell Agristat Aktuell 04-20: Futtermittelbilanz 2018

11.05.20 | Im Jahr 2018 haben die verfügbaren Futtermittel gegenüber dem Vorjahr mit 7 853 000 Tonnen Trocken-substanz um 1,4 % abgenommen. Die marktfähigen Futtermittel sind hauptsächlich Kraftfutter, davon standen im Berichtsjahr 1 864 000 Tonnen zur Verfügung. Die nicht marktfähigen Produkte sind Grund-futter, die fast ausschliesslich von den Raufutterverzehrern gefressen werden. 2018 stammten 5 989 000 Tonnen Futtermittel, d.h. 76,3 % des gesamten Verbrauches, aus dieser Rohstoff-Kategorie. Der Anteil der Inlandproduktion am gesamten verfügbaren Futter ist 2018 mit 83,7 % leicht gesunken. Die Versor-gung mit den Nebenprodukten aus dem Ackerbau war kleiner als im Vorjahr. Dazu gab es einen langen Winter und einen trockenen Sommer, womit mehr Raufutterimporte notwendig waren.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Medienmitteilungen Nein zur Schwächung des Grenzschutzes

14.04.20 | Der Vorstand des Schweizer Bauernverbands begrüsst die Verordnungsanpassungen mehrheitlich, er ist jedoch klar gegen die geplanten Neuerungen bei den Agrareinfuhrverordnungen. Diese würden den Grenzschutz schwächen und den Preisdruck auf Schweizer Lebensmittel erhöhen.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
AGRISTAT aktuell Agristat Aktuell 03-20: Produktion und Verbrauch von Milch und Milchprodukten 2019

09.04.20 | Im Jahr 2019 wurde weniger Milch produziert als im Vorjahr. Die Herstellung der meisten Milchprodukte fiel daher geringer aus als 2018. Nur beim Käse war ein Anstieg zu beobachten - sowohl bei der Produktion als auch beim Verbrauch. Auswirkungen der Corona-Krise auf die Milchwirtschaft sind kaum vorhersehbar.

Mehr lesen
AGRISTAT aktuell
AGRISTAT aktuell Agristat Aktuell 02-20: Fleischeinfuhren der Zollkontingente 5 und 6: Dynamik trotz Mengenbeschränkungen

10.03.20 | Trotz Beschränkung schwanken die Einfuhrmengen in den Zollkontingenten 5 und 6 über die Jahre. Grössere Verschiebungen sind auf der Ebene Produktkategorie und Herkunftsland ersichtlich. Die Importe stammen grösstenteils aus der EU und aus den Ländern des Mercosur. Die Gesamtimporte hängen dabei nicht zuletzt von den Präferenzen der Schweizer Konsumenten ab. Durch Druck weiterer Freihandelsbemühungen könnten die Mindestmengen zukünftig stärker zunehmen.

Mehr lesen
Medienmitteilungen
Medienmitteilungen Fragezeichen rund um das Freihandelsabkommen mit Indonesien

01.11.18 | Das Freihandelsabkommen mit Indonesien soll kurz vor dem Abschluss stehen. Das gab der Bundesrat heute bekannt. Zum konkreten Inhalt liegen aber keine Informationen vor. Wichtig aus Sicht des Schweizer Bauernverbands ist, dass der Bundesrat die roten Linien bei den sensiblen Produkten eingehalten und die Nachhaltigkeit als verbindliches Kriterium integriert hat.

Mehr lesen