Extreme Trockenheit richtet in der Landwirtschaft grossen Schaden an

Medienmitteilung des Schweizer Bauernverbands vom 7. August 2026 

Seit Wochen kaum Regen und eine Hitzewelle nach der anderen. Die Schweiz schwitzt, die Pflanzen verdursten. Die extreme Trockenheit kombiniert mit den hohen Temperaturen wirken sich stark auf die einheimische Landwirtschaft aus. Das beeinträchtigt die Versorgung der Bevölkerung mit einheimischen Lebensmitteln und führt bei vielen Bauernfamilien zu grossen wirtschaftlichen Ausfällen. 

Seit Anfang Juni ist kaum Regen gefallen und eine Hitzewelle löst die nächste ab. Bereits sind ganze Regionen nicht nur gelb, sondern braun. Betroffen ist mehr oder weniger ausgeprägt die ganze Schweiz und fast alle Produktionsbereiche – wenn auch auf unterschiedliche Art. 

Fehlendes Futter in der Tierhaltung

Das Gras hat sein Wachstum in den meisten Regionen schon vor Wochen eingestellt. In gewissen Regionen sind die Pflanzen komplett verdorrt, so dass es auch bei ausreichend Regen keine Aussichten auf eine weitere ausreichende Futterernte oder grüne Weidefläche gibt. Die Betriebe müssen ihren Kühen, Rindern und anderen grasfressenden Nutztieren oft bereits seit Wochen das für den Winter gedachte Futter geben. Bei vielen dürfte jetzt schon klar sein, dass es nicht bis zum nächsten Frühjahr reicht. Dann bleiben zwei Optionen: Futter zukaufen oder Tiere schlachten. Der Futterkauf ist im In- und Ausland schwierig, da es bei unseren Nachbarländern bezüglich Trockenheit nicht viel besser aussieht. Wer im Inland noch Futter zum Abgeben hat, kann dies bei einer der eingerichteten Futterbörsen (z. B. Futterbörse Berner Bauernverband, Futterbörse Zürcher Bauernverband) melden. Aufgrund der schwierigen Futtersituation sind die Schlachtzahlen steigend. Die Milchmengen andererseits gingen wegen hitzebedingtem mangelndem Appetit und einer neuen aus wärmeren Gefilden eingewanderten Krankheit stark zurück. Im Alpenraum kommen zur Futterknappheit versiegende Wasserquellen hinzu, weshalb einige Alpen bereits vorzeitig geleert wurden. Andere versorgen sich mit Wassertransporten Wasser per Strassen- oder Helikoptertransportmit dem Ziel, möglichst lange vom Futter in den Sömmerungsgebieten profitieren zu können.

Verdurstende Ackerkulturen und teure Bewässerung

Im Ackerbau verstärkte sich die Trockenheit in der Abreifephase von Getreide und Raps, weshalb die Erträge hier weitgehend noch gut waren. Bei den noch stehenden Kulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Sonnenblumen sieht es hingegen anders aus. Mit jedem Tag ohne Regen verschlechtern sich deren Ernteaussichten. Das nationale Ausmass wird sich erst zeigen. Es hängt auch davon ab, wie sich das Wetter weiter entwickelt. Auch mit Bewässerung schadet die Hitze den Kartoffeln und stoppt das Wachstum der Knollen. Qualitative Einbussen in Bezug auf Grösse und Form sind zu erwarten. Im Obst- und Gemüsebau läuft aktuell kaum etwas ohne Bewässerung. Vor allem das Bewässern der grossflächigen Gemüsekulturen ist aufwändig und teuer. Dazu kommen hitzebedingte Qualitätseinbussen. 

Ernteausfälle und trockenheitsbedingte Mehrkosten verstärken wirtschaftlichen Druck

Die Ernteausfälle und Mehrkosten führen zu steigenden Produktionskosten für die Agrarprodukte und verschärfen die wirtschaftliche Situation der Bauernbetriebe. Der Schweizer Bauernverband (SBV) tut sein Möglichstes, um diese in der aktuell belastenden Situation zu unterstützen. So hat er sich beim Bundesamt für Landwirtschaft für die gewährten Ausnahmeregelungen bei den Direktzahlungen eingesetzt, welche die Kantone umsetzen. Da geht es darum, dass die Betriebe die Direktzahlungen trotzdem erhalten, auch wenn einzelne Vorgaben nicht oder nicht vollständig erfüllt werden können (z. B. minimale Futteraufnahme auf Weiden). Ebenso wird es die Einzelkulturbeiträge auch dann geben, wenn aufgrund der Trockenheit nichts geerntet werden kann. Weiter hat er sich für das Aussetzen von Zöllen und Abgaben auf importiertem Raufutter engagiert. Diese wurden mit einer Ausnahme für Ganzpflanzenmais auf den 1. August auch gewährt. Der Zoll für Ganzpflanzenmais fällt ab Mitte August auch weg.

Produzentenpreise müssen Mehraufwand und Ausfälle decken

Als wichtigsten Punkt für die Betriebe erachtet der Bauernverband, dass die Produzentenpreise den gestiegenen Produktionskosten bei den betroffenen Produkten auffangen und entsprechend steigen. Zudem sind Qualitätsanforderungen anzupassen. Entsprechend engagiert sich der Bauernverband direkt bei den Detailhändlern und indirekt mit den Branchenorganisationen für kostendeckende Produzentenpreise, die auch die Mindererträge berücksichtigen. Der Bauernverband appelliert weiter an die kantonalen Kreditkassen einfachen Zugang zu Betriebshilfedarlehen (unverzinste Kredite) zu gewähren oder Kulanz bei der Rückzahlung von Investitionskrediten zu zeigen. Zur Sicherstellung der Wasserversorgung in den Sömmerungsgebieten können die Kantone bei der Armee eine Anfrage stellen. 

Emissionen mindern und Anpassungsmassnahmen umsetzen

Bei allen erwähnten Punkten geht es darum, unmittelbare Hilfe sicherzustellen. Mittel- und langfristig braucht es weitere Massnahmen von Seiten der Betriebe, aber auch von Seiten des Bundes und des Detailhandels. Bei den Betrieben geht es einerseits um die Anpassung an den Klimawandel über die Wahl der Kulturen und optimierte Bewirtschaftung, Anschaffung von Bewässerungsanlagen und Zugang zu Wasser z. B. über Retentionsbecken und anderseits um die Umsetzung von wirksamen Massnahmen zur Emissionsminderung. Der Bund ist insbesondere gefordert, dass er die Betriebe bei den dafür nötigen Investitionen und Massnahmen unterstützt, die Forschung verstärkt sowie Versicherungslösungen unterstützt. Bei der Investitionshilfe engagiert sich der Bauernverband deshalb dafür, dass die nötigen Mittel bereitstehen. Die Abnehmer und Detailhändler schliesslich haben den grössten Hebel in der Hand. Faire Produzentenpreise, die bessere Einkommen ermöglichen und es den Landwirtschaftsbetrieben ermöglichen, Ausfälle abzufedern, Investitionen zu tätigen und sich weiterzuentwickeln. Die aktuelle Preisspirale gegen unten im Laden schadet schliesslich sowohl der ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit der einheimischen Landwirtschaft als auch der inländischen Versorgungssicherheit. 

Rückfragen

Martin Rufer

Martin Rufer

Direktor Schweizer Bauernverband

Telefon 078 803 45 54
E-Mail martin.rufer@sbv-usp.ch

Ralf Bucher

Leiter Departement Produktion, Märkte & Ökologie
Leiter Geschäftsbereich Viehwirtschaft

Laurstrasse 10, 5200 Brugg
ralf.bucher@sbv-usp.ch
Departement Produktion, Märkte & Ökologie

Weitere Beiträge zum Thema

SBV-News SBV-News Nr. 43 (23.10. – 27.10.2017)

01.11.17 | Hofübergabe, war das Thema des gemeinsam mit Agridea durchgeführten Fachkurses des SBV. Die alle zwei Jahre stattfindende, zweitägige Weiterbildung war mit über 70 Teilnehmern gut besucht. Dabei ging es um die Bewertung der Betriebsbestandteile, Wohnlösungen für die abtretende Generation, Spezialfälle wie Bauland und Miteigentum, Übergabe in Betriebsgemeinschaften, Neues zur Ertragswertrevision sowie Steuerfragen. Die Landwirtschaft ist ein komplexes Metier und auch Fachleute sind gefordert, um den Bauernfamilien immer die besten Optionen aufzuzeigen!

Mehr lesen
Stellungnahmen Fragekatalog zur Gültigkeit der Banknoten

30.10.17 | Die Umtauschfrist von 20 Jahren verhindert, dass alte Serien als Bargeld gehortet werden und nach sehr lan-ger Zeit wieder in Umlauf kommen. Bargeld soll sinnvollerweise nur für eine relativ kurze Zeit der Wertaufbe-wahrung dienen. Konsequenterweise müssen Banknoten (im Gegensatz zu Münzen) eine begrenzte Gültig-keitsdauer haben. Die Auslagen des Fonds für nicht versicherbare Elementarschäden, fondssuisse, werden zum grössten Teil aus dem Gegenwert nicht fristgerecht eingetauschter Noten gedeckt. Im Jahr 2000 waren dies letztmals 244 Millionen Schweizerfranken. Die künftig entstehende Finanzierungslücke würde den fondssuisse empfindlich schwächen. Die Ausgaben des fondssuisse werden demgegenüber in Zukunft enorm ansteigen, da mit der Klimaveränderung Schadenereignisse häufiger vorkommen und damit einhergehend deutlich höhere Schäden im Alpenraum zu erwarten sind. Höhere Temperaturen führen zu stärkeren Stürmen, zu grösseren Schwankungen zwischen Trockenheit und Regenschauern, damit zusammenhängend zu Überschwemmungen und Murgängen. Bergstürze nehmen zu, da der Permafrost zu tauen beginnt. Die jüngsten Ereignisse im Jahr 2017 müssten zur grössten Vorsicht mahnen.

Mehr lesen
Stellungnahmen Teilrevision des Bundesgesetzes über die Enteignung (EntG)

30.10.17 | Aus Sicht der von uns vertretenen landwirtschaftlichen Grundeigentümer ist die vorliegende Teilrevision eine verpasste Chance, um neben formellen Anpassungen in erster Linie auch grundsätzliche Erneuerungen und Überlegungen zur Enteignung vorzuschlagen. Der Kulturlandschutz gebietet einen haushälterischen Umgang mit dem Boden. Infrastrukturanlagen werden auch künftig einen immensen Bedarf an Flächen benötigen. Zusammen mit der Bevölkerungszunahme nehmen die Mobilitätsbedürfnisse laufend zu. Der SBV will die für die öffentliche Grundversorgung nötigen Bauten nicht verhindern, verlangt aber, dass in der Interessenabwägung das Kulturland höher gewichtet und im Enteignungsfall besser entschädigt wird. Da die öffentliche Hand selber auch über wesentliche Flächen an Kulturland verfügt, haben enteignete Landwirte primär Anspruch auf Realersatz. Dazu sind Anstrengungen zu unternehmen.

Mehr lesen
Marktkommentar Gutes Jahr für Kalb und Lamm

27.10.17 | Die Kälbermäster hatten ein besseres Jahr als 2016. Im Frühjahr wurden als preisstützende Massnahme rund 590 Tonnen Kalbfleisch eingefroren und erst im Spätherbst verkauft. So sanken die Kälberpreise saisonal nur auf Fr. 13.20 je kg Schlachtgewicht statt wie im Vorjahr auf unter 12 Franken.

Mehr lesen
Stellungnahmen Änderung von Anhang 1 der UVV

27.10.17 | Schweizer Aufgrund schwerer körperlicher Arbeit leiden viele Landwirte – wie auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – an berufsbedingten Erkrankungen des Bewegungsapparates. Wir sind der Meinung, dass die heutige Anerkennungspraxis solcher berufsbedingter Erkrankungen in der Landwirtschaft, aber auch in anderen Berufsfeldern mit schweren körperlichen Belastungen zu konservativ gehandhabt wird und die finanziellen Auswirkungen bei der Behandlung solcher arbeitsplatzassoziierter Erkrankungen des Bewegungsapparates mangels BK-Anerkennungskriterien allzu oft nicht nach dem Verursacherprinzip abgerechnet werden. Wir beantragen deshalb, folgenden neuen Anerkennungspunkt aufzunehmen: a. Erkrankungen durch physikalische Einwirkungen NEU: Arbeitsplatzassoziierte, durch schwere körperliche Belastungen verursachte Erkrankungen des Bewegungs-apparates NEU: Arbeiten in gesundheitsschädigenden, allergisierenden, organischen Feinstäuben wie Pilzsporen, Stäuben von Baumwolle, Hanf, Flachs, Getreide und Futtermitteln (inkl. Stroh, Dürrfutter und dergleichen) sowie deren Mehle, Enzymen und Schimmelpilzen.

Mehr lesen
SBV-News SBV-News Nr. 42 (16.10. – 20.10.2017)

25.10.17 | Die Situation im Buttermarkt ist weiterhin unhaltbar. Die Butterlager sinken von Woche zu Woche und sind bereits auf einem Tiefststand angekommen. Trotzdem führte die aktuelle Butterknappheit noch zu keiner zusätzlichen Anpassung der Preise. Butter ist im Ausland teilweise teurer als in der Schweiz, dies trotz hohem Grenzschutz. Irgendetwas läuft in diesem Markt schief. Der SBV ruft die Marktakteure ein weiteres Mal auf, die Preisanpassungen endlich vorzunehmen.

Mehr lesen
Marktkommentar Gute Bilanz für 2017

20.10.17 | Als Folge des anhaltend tiefen Milchpreises gingen die Milchviehbestände auch 2017 weiter zurück. Schlachtkühe waren über das ganze Jahr gesucht. Zur Deckung der Nachfrage nach Verarbeitungsfleisch wurden Importe bewilligt.

Mehr lesen
SBV-News SBV-News Nr. 41 (09.10. – 13.10.2017)

18.10.17 | Mit 78.7 % der verfügbaren Stimme hat der Artikel 104a zur Ernährungssicherheit das viertbeste Resultat einer Initiative oder eines Gegenvorschlags seit 1848 erreicht. Noch nie hat sich die Bevölkerung zu einem landwirtschaftlichen Thema so deutlich geäussert. Dies sollte die Verantwortlichen im Hinterkopf behalten, wenn es um die Konkretisierung geht.

Mehr lesen