Hauptinhalt

Unsere Tätigkeiten 2020

Hier eine Auswahl zu den Themen, die uns 2020 beschäftigten. Die detaillierte Übersicht über die Ziele und Massnahmen gemäss Tätigkeitsprogramm finden Sie online.

Neujahrsmedienkonferenz

Zum Jahresbeginn lud der Schweizer Bauernverband (SBV) die Medienschaffenden zu seiner Neujahrsmedienkonferenz auf einen Bauernbetrieb ein. Gastgeber war Schweinezüchter Samuel Schwab aus Worb BE. Die Medienkonferenz trug den Titel «Schicksalsjahr 2020» und behandelte die Themen Agrarpolitik 22+, Mercosur und die Volksinitiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide». Der SBV zeigte den Medienschaffenden auf, wie alle Themen zusammenhängen. Landwirt Samuel Schwab erläuterte, welche Folgen die Trinkwasserinitiative für seinen Schweinezuchtbetrieb hätte.

Agrarpolitik 22+

Der Bundesrat veröffentlichte am 13. Februar seine Botschaft zur Agrarpolitik ab 2022 zuhanden des Parlaments. Der SBV analysierte diese intern und diskutierte in seinen Gremien sowie mit seinen Mitgliedorganisationen die Haltung. Er kam zum Schluss, dass sie Fehler und Widersprüche enthält und für eine zukunftsgerichtete Land- und Ernährungswirtschaft eine grundlegende Überarbeitung braucht. In der Folge empfahl er dem Parlament, die Botschaft verbunden mit klaren Forderungen an den Bundesrat zurückzuweisen. Im Sommer beschloss die vorberatende Kommission des Ständerats die vorläufige Sistierung sowie ein Postulat. In diesem fordert die Kommission den Bundesrat auf, grundsätzliche Fragen zur künftigen Ausgestaltung der Politik für die Land- und Ernährungswirtschaft zu klären. Der Bauernverband unterstützte in der Folge das Vorgehen. Ebenso die parlamentarische Initiative mit welcher der Ständerat die Risiken im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffverlusten reduzieren will.

Corona

Mitte März kam es infolge der zunehmenden Ausbreitung des Corona-Virus in der Schweiz zu einem unerwarteten Lockdown. Alle Läden, Restaurants, Veranstaltungsbetriebe und vieles mehr mussten schliessen. Ausgenommen waren nur Lebensmittelläden und Apotheken. Auch Wochenmärkte waren nicht mehr erlaubt, die Grenzen geschlossen. Wir setzten eine Task Force ein, welche sich mit den damit verbundenen Herausforderungen für die Landwirtschaft befasste und Lösungen suchte. Gleichzeitig schalteten wir auf der Webseite eine neue Rubrik mit Fragen und Antworten rund um die Corona-Situation, die neusten Auflagen, Unterlagen und weiterführende Links ein, die wir während des ganzen Jahres stetig aktuell hielten. Die Agrarmärkte haben sich trotz Pandemie generell gut entwickelt. Der Wert der Produktion blieb mit 11.3 Mrd. Franken relativ stabil. Das sektorale Einkommen erhöhte sich aufgrund der geringeren Vorleistungskosten. Die Umsätze im Einzelhandel und in den kurzen Vertriebswegen stiegen, während die Schliessung der Gastronomie vor allem die bereits angeschlagenen Wein- und Kalbfleischmärkte beeinträchtigte.

Sonnenblumenaktion

Die Schweizer Bäuerinnen und Bauern zeigen mit Sonnenblumen am Feldrand ihre Dankbarkeit und Solidarität im Zusammenhang mit der Corona-Ausnahmesituation.

Bekämpfung der Initiativen

Aufgrund von Corona und den damit verbundenen Todesfällen, war die ursprünglich angedachte, etwas morbide Abstimmungskampagne gegen die beiden Initiativen «Trinkwasser» und «Pestizidfrei» nicht mehr passend. Wir führten darauf einen Wettbewerb mit drei Agenturen durch. Es setzte sich ein Vorschlag durch, der die breite Betroffenheit anschaulich zeigt: «Alle auf dem gleichen Ast». Das Sujet und acht verschiedene Botschaften wurden anschliessend bei der Bevölkerung getestet. Aufgrund des Testes gab es nochmals verschiedene Anpassungen bei der Darstellung wie auch bei den Botschaften. Im Herbst/Winter wurden schliesslich alle Massnahmen definiert, die Aufgaben auf nationaler und kantonaler Ebene festgelegt und die Verantwortlichkeiten definiert. Gegen Ende des Jahres begann bereits die Gründung von Komitees und die Suche nach Mitgliedern sowie eine Aktion mit der Verteilung von Fahnen für die Bauernbetriebe. Die gesamte Kampagnenarbeit wurde in einer Begleitgruppe und einem separaten Ausschuss bearbeitet und ist somit in der Praxis und auch den Sprachregionen breit abgestützt. Gleichzeitig liefen auch zahlreiche Arbeiten rund um die Finanzierung der ganzen Kampagne.

Studie: Folgen der Pestizidfrei-Initiative

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern beauftragte der SBV Professor Charles Gottlieb von der Universität St. Gallen mit einer Studie zu den Auswirkungen der Pestizidfrei-Initiative auf die Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie: Sie kam zum Schluss, dass die Selbstversorgungsquote in der Schweiz von heute 58 Prozent auf 42 Prozent sinken würde. Sie zeigte, dass der Verzicht auf synthetische Biozide zu grossen Qualitätsproblemen der Lebensmittelindustrie führen und die Produktionskosten erhöhen würde.

Informationskampagne

Wir setzten 2020 die Informationsoffensive fort. Einerseits mit der Webseite www.verantwortungsvolle-landwirtschaft.ch, auf der das neue Thema Hofdünger dazukam und andererseits mit der gleichnamigen Facebookseite. Gerade zu Beginn des Lockdowns lancierten wir zudem eine Digitalkampagne von einem Monat mit einer Bäuerin mit ihrem Sohn sowie einem Bauer mit seinen Töchtern. Diese zeigten die Aktivitäten und Erfolge der Landwirtschaft beim Pflanzenschutz, der Biodiversität und Antibiotika. Die geplanten, animierten Plakate in den grossen Bahnhöfen wurden gestoppt und zu einem späteren Zeitpunkt mit einem anderen Sujet nachgeholt. Darin bedankten sich die Bauernfamilien für das gestiegene Vertrauen in lokale Produkte. Zum Jahresende wurde die Digitalkampagne nochmals wiederholt.

Abstimmung Jagdgesetz

Umwelt- und Tierschutzorganisationen ergriffen gegen das revidierte Jagdgesetz das Referendum. Aufgrund von Corona fand die Abstimmung nicht im Mai sondern erst im September statt. Der SBV engagierte sich zusammen mit JagdSchweiz, der Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete und weiteren betroffenen Organisationen für die Annahme des neuen Gesetzes. Dies insbesondere, um eine bessere Regulierung der sich rasch ausdehnenden und zunehmend Probleme schaffenden Wolfspopulation zu erreichen. Nach einer massiven und teuren Kampagne der Gegner sagte das Volk schliesslich knapp Nein. Ausschlaggebend war am Schluss die hohe Stimmbeteiligung, welche dazu führte, dass die Städte und Agglomerationen die ländlichen Gebiete überstimmten.

Zusatzheft Fokusmagazin Biodiversität

Biodiversitätsförderung in der Landwirtschaft gehörte zu den Schwerpunktthemen 2020 des SBV. Im Februar publizierte er ein Fokusmagazin Biodiversität, das sich an die Bauernfamilien selbst richtete. Es soll ihnen den Nutzen der verschiedenen Massnahmen aufzeigen und sie bei der Umsetzung unterstützen. Die Mitgliedorganisationen, landwirtschaftliche Schulen und Beratungsbüros konnten dieses kostenlos bestellen oder in digitaler Form herunterladen.

Revision landwirtschaftliche Grundbildung

Die Auswertung der Umfrage unter den Mitgliedorganisationen der OdA AgriAliForm im Frühjahr 2020 bestätigte die Heterogenität der Schweizer Landwirtschaft. Um herauszufinden, wie man den vielfältigen Anforderungen für die Grundbildung gerecht werden kann, wurde das ganze Jahr hindurch viel diskutiert. Die Resultate einer Klausurtagung für den Beruf Landwirtin/Landwirt im September führten schliesslich zu einem neuen Bildungsmodell: eine weiterhin 3-jährige Grundbildung EFZ, neu aber mit Fachrichtungen. Und mit der Möglichkeit, in einem freiwilligen 4. Lehrjahr eine weitere Fachrichtung abzuschliessen.  

Wertschätzung für Lebensmittel erhöhen

Der SBV lancierte eine Aktion, um die Wertschätzung für Naturprodukte zu erhöhen und für mehr Toleranz zu werben. Direktvermarktungsbetriebe konnten dafür kostenlos Kleber in zwei Grössen bestellen, um von den gängigen Handelsnormen abweichende Produkte damit auszuzeichnen. Ein passender Flyer erläutert, dass der Kauf ein Beitrag für weniger Foodwaste ist. Die Aktion läuft im Rahmen der nationalen und breit getragenen Kampagne von «SAVE FOOD, FIGHT WASTE.».

Hand in Hand mit den Verarbeitern

Mit den ersten Lockerungsmassnahmen während der Corona-Ausnahmesituation startete die Kampagne «Wir sind weiter für Sie da» mit den Botschafterinnen und Botschaftern von «Schweizer Bauern» in grossen Bahnhöfen. Sie unterstrich die Wichtigkeit einer einheimischen Lebensmittelversorgung in dieser schwierigen Zeit. Die Kampagne wurde im Oktober in Zusammenarbeit mit der ersten Verarbeitungsstufe und der Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor fortgesetzt. Zu sehen waren die Protagonisten in den Sozialen Medien sowie an den grossen Bahnhöfen.

Markenstrategie «Schweizer Bauern» optimieren

Die gegenwärtigen Entwicklungen des landwirtschaftlichen Umfelds veranlassten den SBV die Strategie von «Schweizer Bauern» zu überprüfen. Dieser Check umfasst die Positionierung der Kampagne, die Vereinfachung der Botschaften sowie das Markenkonzept. Unter der Dachmarke kamen im Verlauf der letzten zwanzig Jahre viele Sub-Brands wie «Vom Hof», Schule auf dem Bauernhof oder Stallvisite dazu, die in sich mehr oder weniger eigenständig unterwegs sind und dadurch der Dachmarke viel Kraft entziehen. Die Überprüfung wird von einer Brand-Agentur begleitet.

GVO-frei Kennzeichnung

Was lange währt, wird endlich gut! Was unsere Nachbarländer Deutschland, Österreich und Frankreich schon lange kennen, dürfen wir in der Schweiz endlich auch. Nach vielen Vorschlägen, parlamentarischen Vorstössen, Stellungnahmen und Sitzungen hat der SBV endlich erreicht, dass auch in der Schweiz Fleisch, Milchprodukte und Eier als GVO-frei gelabelt werden können. Seit Mitte 2020 darf die Kennzeichnung «ohne GVO» für Lebensmittel tierischer Herkunft verwendet werden, wenn für die Fütterung der Tiere keine gentechnisch veränderte Futterpflanze oder daraus gewonnenen Erzeugnisse eingesetzt wurden.

Kampagne für das Tragen von Gurten

Nachdem sich 2018 46 tödliche Arbeitsunfälle ereigneten, setzte der SBV eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Kantonalverbände, der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) und Fachorganisationen zur Verbesserung der Sicherheit ein. Da viele Unfälle auf umstürzende Fahrzeuge zurückzuführen waren, startete Anfang 2020 die breit getragene auf zwei Jahre angelegte Sensibilisierungskampagne für das Gurten Tragen mit dem Slogan «Schon geschnallt?».

2500 Betriebe auf vomhof.ch

Die Corona-Ausnahmesituation bescherte dem Projekt «Vom Hof» viele neue Anmeldungen und Zugriffe auf der Hofsuche von www.vomhof.ch. Die Zahl der Direktvermarkter stieg von 1700 auf 2500 Höfe. Dass das Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist, zeigen die Partner, die 2020 neu ins Boot stiegen: Gemüseproduzentenverband, IP-Suisse, Suisseporcs usw. Diese Organisationen haben die Hofsuche «Vom Hof» auf ihrer Webseite eingebaut und gehen seither ihre Direktvermarkter aktiv an, Produkte und Dienstleistungen darauf aufzuführen.

Forschung und Beratung

Die neu gegründete Fachkommission Forschung und Beratung des SBV nahm 2020 ihre Arbeit auf. Sie lud führende Personen von Agroscope, Agridea sowie des BLW ein, um mit ihnen Aufgaben und Rollen im landwirtschaftlichen Innovations- und Wissenssystem zu diskutieren. Die Fachkommission widmete sich auch dem Austausch mit den Vertretern der landwirtschaftlichen Praxis im Agroscope Forschungsrat. Diese Vertreter setzten sich im Agroscope-Rat, einem strategischen Beratungsgremium der Agroscope, erfolgreich dafür ein, dass die eingesparten Finanzen, welche aus Effizienzgewinnen im Agroscope-Zukunftsprojekt resultieren, vollumfänglich der landwirtschaftlichen Forschung zufliessen werden. Mehrere Fachkommissionen des SBV sammelten, bündelten und priorisierten Forschungsanliegen für das Forschungsprogramm 2022-2025 der Agroscope, um diese dann in die dafür veranstalteten Workshops einzubringen.

Neuer Webauftritt und Shop von «Schweizer Bauern»

Spannende Hofgeschichten, ein interaktiver Saisonkalender und vieles mehr – der Webauftritt www.landwirtschaft.ch von «Schweizer Bauern» bekam Ende Marz 2020 ein frisches Kleid. Bäuerinnen und Bauern stehen dabei im Zentrum. Sie erzählen von ihrem Hofalltag und informieren, welche Leistungen sie für die Schweizer Bevölkerung erbringen. Der Auftritt wird durch einen überarbeiteten Wissensteil vervollständigt. Ebenfalls einen neuen Look bekam der Shop mit dem Edelweiss-Material, den Broschüren und Tafeln.

1. August-Brunch trotzt Corona

Der 1. August-Brunch bot Corona die Stirn! Selbst in diesem speziellen Jahr mit erschwerten Bedingungen aufgrund einschränkender Corona-Schutzmassnahmen luden rund 150 Bauernfamilien zu Tisch. Gäste aus allen Ecken der Schweiz nutzten die Gelegenheit, wieder mal ein Stück Normalität zu geniessen.

Agrisano: Deutlich gewachsen

Die Agrisano-Unternehmungen (Agrisano Stiftung, Agrisano Krankenkasse AG, Agrisano Versicherungen AG, Agrisano Prevos und Agrisano Pencas) sind gewachsen, insbesondere in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Das Versichertenwachstum beträgt hier rund sechs Prozent. Damit zählt die bäuerliche Kasse in der Grundversicherung rund 149’000 Kunden. Zulegen konnten die landwirtschaftlichen Spezialversicherungen: Weitere 700 Bäuerinnen und Bauern haben sich im letzten Jahr für AGRI-spezial entschieden. Auch andere Zusatzversicherungen weisen steigende Versichertenzahlen aus, insbesondere die Taggeldversicherung AGRI-revenu mit einem Zuwachs von 12 Prozent. Aktuell sind insgesamt knapp 25 000 Bäuerinnen und Bauern bei der Agrisano taggeldversichert. Die bäuerliche Rechtsschutzversicherung AGRI-protect erfreut sich ebenfalls einem Wachstum von nahezu 3 Prozent, so dass jetzt knapp 23 000 Bäuerinnen und Bauern AGRI-protect versichert sind. Gross ist nach wie vor auch die Nachfrage für die Vorsorgepläne der Agrisano Prevos und der Agrisano Stiftung. Mittlerweile haben rund 30’000 Personen im Rahmen einer freiwilligen Risiko- bzw. Sparversicherung vorgesorgt. Dies entspricht einem äusserst erfreulichen Wachstum von 3,2 Prozent innerhalb eines Jahres.

Konsequente Ausrichtung auf Gesamtversicherungsberatung

Im 2020 wurde die Zusammenarbeit zwischen dem Hauptsitz und den Regionalstellen weiterentwickelt und intensiviert. Dies im Hinblick auf die weitere Förderung der Gesamtberatung und somit des Wachstums bei den Versicherungslösungen.

Neues Kundenportal «Meine Agrisano»

Im 2020 wurde intensiv an der Weiterentwicklung des neuen Kundenportals «Meine Agrisano» gearbeitet. Ende 2020 wurde die Testphase mit den Agrisano-Mitarbeitenden erfolgreich abgeschlossen, so dass Anfang 2021 die ersten Kunden von der neuen Kommunikationsplattform profitieren können. Das neue Portal ermöglicht es, unseren Kunden ihre Daten und Dokumente schnell, einfach und von überall, rund um die Uhr zu verwalten.