Top-Jahr trotz Absatzproblemen bei Milch, Schweinen und Wein
Liebe Bauernfamilien
Ein gutes Jahr war dringend nötig: 2025 stellte sich als das beste Landwirtschaftsjahr seit langem heraus. Der Gesamtproduktionswert erreichte 12.5 Milliarden Franken, was vor allem dem günstigen Wetter und den guten Ernten im Pflanzenbau zu verdanken war. Allerdings gab es Ausreisser. Im Weinbau verschärften sich die Absatzprobleme. Die einheimischen Winzerinnen und Winzer haben immer mehr Mühe, ihre hochwertigen Weine zu verkaufen. Extrem billiger importierter Wein überschwemmt den Schweizer Markt. Nach einigen Jahren Verschnaufpause schlitterte auch der Schweinesektor in die nächste Krise aufgrund des zu hohen Angebots. Die ersten Probleme machten sich auch im Milchbereich bemerkbar. Exporteinbrüche beim Käse aufgrund der hohen US-Zölle trafen auf ein ertragreiches Futterbaujahr – was trotz rückläufigen Milchkuhbeständen eine schlechte Kombination war. Die Hauptauswirkungen spürten die Milchbetreibe aufgrund der gesenkten Richtpreise vor allem im laufenden Jahr.
Generell bleiben die Produzentenpreise eine Herausforderung. Noch umwelt-, tier- und klimafreundlicher soll die Schweizer Landwirtschaft sein. Auch die Arbeitsbedingungen und Löhne für die Angestellten stehen im Fokus. Und gleichzeitig zahlt man den Bauernbetrieben immer gleich viel oder gar weniger für ihre Produkte. Eine durchschnittliche Bauernfamilie lebt nicht von den Direktzahlungen. Im Schnitt verdient sie 4 von 5 Franken auf dem Markt. Und dort findet seit 2025 eine regelrechte Wertvernichtung statt. Der laufende Preiskampf im Detailhandel produziert vor allem Verlierer auf allen Ebenen. Nicht zuletzt bei den Bauernfamilien. Wenn die Ladenpreise sinken, dann sinkt auch der Spielraum für faire Produzentenpreise und damit für kostendeckendes Wirtschaften. Je günstiger ein Produkt, desto weniger ökonomische, ökologische oder soziale Nachhaltigkeit steckt drin. Dabei ist der Preiskampf völlig unnötig. In keinem Land der Welt ist das Essen günstiger. Schweizerinnen und Schweizer geben im Schnitt weniger 7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aus.
Was 2025 ebenfalls prägte, waren die vielen hochansteckende Tierseuchen: Blauzungenkrankheit und Vogelgrippe im Land selbst, Schweinepest, Lumpy Skin oder die gefürchtete Maul- und Klauenseuche in den Nachbarländern waren Anlass zu grosser Sorge. Nach wie vor ein zentrales Thema bleiben die wachsenden Wolfsbestände. Die Umweltverbände werden nicht müde, die Probleme damit klein zu reden. Für die Betroffenen Tierhaltenden hingegen ist der Stress riesig. Denn Herdenschutz ist aufwändig und nicht 100-prozentig sicher.
Dazu kam die enorme Ungewissheit in Bezug auf die Ewigkeitschemikalie PFAS. Wenn Betriebe ihr Fleisch oder ihre Milch wegen einer Grenzwertüberschreitung nicht mehr verkaufen können, geht es von einem Tag auf den anderen ums nackte Überleben. Wir müssen unbedingt die Ursachen klären, einen pragmatischen Umgang mit dem Thema finden und finanziellen Schutz für die Betriebe sicherstellen. Denn sie trifft keine Schuld. Übergangsfristen, praktikable Regeln, sinnvolle Grenzwerte sowie Forschung und Begleitung sind gefragt.
Stehenbleiben, das können sich die bäuerlichen Unternehmerinnen und Unternehmer nicht leisten. Jedes Jahr kommen neue Anforderungen und Vorgaben dazu. Die vielen Detailregelungen bringen einen enormen administrativen Aufwand mit sich. Entsprechend klein ist das Verständnis, wenn die Verwaltung neue, komplizierte Ideen hat. Einfache und nachvollziehbare Lösungen helfen nicht nur für die Akzeptanz bei der Bauernschaft. Sie vereinfachen und verbilligen auch die Arbeit der Behörden.
In diesem Jahresbericht finden Sie viele weitere Themen, die unseren Verband und seine Mitglieder im Jahr 2025 beschäftigt haben. Auf den letzten zwei Seiten schauen wir zudem auch das bereits laufende Jahr. Der Bauernverband ist gut aufgestellt und erfolgreich unterwegs. Das grosse Vertrauen, das uns die Schweizer Bauernfamilien entgegenbringen, ist die Basis dafür. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich und versichern Ihnen: Wir bleiben dran!
Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband
Martin Rufer, Direktor Schweizer Bauernverband
«Ein gutes Landwirtschaftsjahr war dringend nötig.»
«Kein Verständnis für neue, administrativ aufwändige Ideen der Verwaltung.»
«Der Preiskampf ist unnötig. Unser Essen ist nicht zu teuer.»
«Das Vertrauen in uns verpflichtet.»